West­deut­scher Herbst­meis­ter

Der 1. FC Köln hat ge­gen Mön­chen­glad­bach, Schal­ke, Leverkusen und jetzt auch ge­gen Dort­mund ge­won­nen.

Rheinische Post Moenchengladbach - - SPORT - VON MAR­TIN BEILS

KÖLN Jörg Schmadt­ke wuss­te dank sei­ner Le­bens­er­fah­rung und jahr­zehn­te­lan­ger Pra­xis in al­len mög­li­chen Funk­tio­nen des Pro­fi­fuß­balls na­tür­lich, was ihn und die an­de­ren Be­schäf­tig­ten des 1. FC Köln er­war­te­te. „Der ei­ne oder an­de­re wird wohl nicht nüch­tern nach Hau­se ge­hen“, mut­maß­te der Sport­chef, be­vor er den Weg von Mün­gers­dorf hin­über ins Rechts­rhei­ni­sche zur Weih­nachts­par­ty in den Rhein­ter­ras­sen an­trat.

Es war ja auch ei­ne per­fek­te Vor­la­ge für ein fro­hes Fest, die sei­nen Pro­fis mit dem Sieg über Bo­rus­sia Dort­mund ge­lun­gen war, die ins­be­son­de­re der zu­vor seit dem ers­ten Ok­to­ber­wo­chen­en­de er­folg­lo­sen Tor­jä­ger Ant­ho­ny Mo­des­te mit dem 2:1-Sieg­tref­fer auf den letz­ten Drü­cker ge­schafft hat­te. Acht Mi­nu­ten zu­vor hat­te Si­mon Zol­ler für den Aus­gleich nach dem Kopf­ball­tor durch So­kra­tis ge­sorgt. „Hopp oder top“(Schmadt­ke) hat­ten die Gast­ge­ber in den Schluss­mi­nu­ten ge­spielt. Es war ih­nen ge­lun­gen, die Par­tie zu „emo­tio­na­li­sie­ren“, wie der Dort­mun­der Trai­ner Tho­mas Tu­chel er­kannt hat­te.

Mo­des­te setz­te den Schluss­punkt hin­ter ein star­kes Ka­len­der­jahr. „Wir ha­ben an kei­nem ein­zi­gen Spiel­tag in ei­ner wirk­lich be­droh­li­chen Ta­bel­len­re­gi­on ge­stan­den“, stell­ten Schmadt­ke und sein Ge­schäfts­füh­rer­kol­le­ge Alex­an­der Wehr­le fest, „dass dies be­reits für vie­le völ­lig selbst­ver­ständ­lich zu sein scheint, zeigt, wie er­folg­reich die­ses Jahr war.“

Vor al­lem die Bi­lanz ge­gen die re­gio­na­le Kon­kur­renz fällt glän­zend aus. Der FC hat in der Hin­run­de ge­gen Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bach, bei Bay­er Leverkusen, auf Schal­ke und jetzt ge­gen den BVB ge­won­nen. An­ders als die an­de­ren West­klubs muss­ten die Köl­ner al­ler­dings nicht die Be­las­tung durch ei­nen eu­ro­päi­schen Wettbewerb tra­gen und auch durch Län­der­spiel­ab­stel­lun­gen sind sie nicht so stra­pa­ziert wie zum Bei­spiel das Team von Trai­ner Tu­chel. Der wies ganz zu Recht dar­auf hin, dass sei­ne Mann­schaft in der Hin­run­de 30 Be­geg­nun­gen be­strei­ten muss­te. Mehr als al­le an­de­ren deut­schen Pro­fi­klubs. Aus­wahl­spie­le ka­men hin­zu.

„Frü­her gab es mal den Ti­tel ei­nes West­deut­schen Meis­ters“, er­in­ner­te Schmadt­ke. Doch das war vor sei­ner Zeit. Zu­letzt in der Sai­son 1962/63. Der FC hol­te sich die­sen Ti­tel vor dem BVB – ein paar Wo­chen spä­ter stan­den die Köl­ner im Fi­na­le um die Deut­sche Meis­ter­schaft (1:3 ge­gen Dort­mund). Jetzt sind sie ei­ne Art West­deut­scher Herbst­meis­ter – wenn­gleich sie in der al­le 17 Spie­le um­fas­sen­den, ech­ten Ta­bel­le hin­ter den vier an­de­ren West­klubs lie­gen.

Die Ba­sis für ei­ne gu­te Wei­ter­ent­wick­lung nach dem Jah­res­wech­sel ist ge­legt. Die Eu­ro­pa-Le­ague-Rän­ge lie­gen in Reich­wei­te. „Wer weiß, was noch kommt“, deu­te­te Do­mi­nic Ma­roh an, der als zen­tra­les Glied ei­ne Fün­fer-Ab­wehr­ket­te steu­er­te. Und Trai­ner Pe­ter Stö­ger mein­te, dass sein Team „so gut wie Dort­mund da­ste­hen wür­de“, wenn es nicht nur ge­gen Spit­zen­klubs, son­dern auch ge­gen die Ver­ei­ne, „die in der Ta­bel­le un­ter uns ste­hen, ge­win­nen wür­den“. Die feh­len­de Konstanz und die man­geln­de Durch­schlags­kraft ge­gen de­fen­siv ori­en­tier­te Mann­schaf­ten sind die Schwach­punk­te. In den acht Heim­spie­len vor die­sem Wo­che­n­en­de wa­ren den Köl­nern nur fünf Tref­fer ge­lun­gen, zu­letzt stand vier­mal hin­ter­ein­an­der die Null vorn.

Der Sieg ge­gen die Bo­rus­sia sorg­te nach den zu­letzt er­trag­ar­men Heim­spie­len für ei­nen Stim­mungs­um­schwung. Die Klub­hym­ne in Kla- vier­ver­si­on zu Han­dy­be­leuch­tung, dann „In un­se­rem Vee­del“a ca­pel­la von der Süd­tri­bü­ne – der Über­gang von Be­sinn­lich­keit hin­ein in den Kar­ne­val und zu­rück klapp­te per­fekt. Ges­tern san­gen 30.000 im Sta­di­on Weih­nachts­lie­der.

Das lei­di­ge Schieds­rich­ter­the­ma, das den FC durch die Hin­run­de be­glei­te­te, hat­te, droh­te auch an die­sem Sams­tag wie­der ein zen­tra­les zu wer­den. Nach dem Hand­tor des Han­no­ve­ra­ners Le­on Andrea­sen, der Elf­me­ter­punkt-Ma­ni­pu­la­ti­on von Augs­burgs Tor­hü­ter Mar­win Hitz und der Eier­kopp-Af­fä­re zu­letzt in Bre­men. Als Dort­munds schwa­cher Links­ver­tei­di­ger Joo Ho Park nun dem Köl­ner Pa­wel Ol­kow­ski im Straf­raum auf den Fuß trat, blieb der Pfiff von Schieds­rich­ter Knut Kir­cher aus. Doch die­se Epi­so­de war auf ein­mal nur noch ein Ran­das­pekt. Ge­nau wie die Tat­sa­che, dass sich Zol­ler und Mo­des­te mit ih­rem Ober­kör­per-Po­sing über­flüs­si­ge Gel­be Kar­ten ein­han­del­ten.

FOTO: AP

Kölns Trai­ner Pe­ter Stö­ger (oben) freut sich aus­ge­las­sen über das 2:1, Ma­na­ger Jörg Schmadt­ke (2. v.r.) fei­ert still.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.