Mis­ter Zu­ver­läs­sig ret­tet Le­ver­ku­sens Hin­run­de

Chicha­ri­tos 19. Tor im 22. Pflicht­spiel si­chert Bay­er 04 in In­gol­stadt den drit­ten Sieg in Se­rie. Der ge­fei­er­te Held war aber Ste­fan Kieß­ling.

Rheinische Post Moenchengladbach - - SPORT - VON STEFANIE SANDMEIER

IN­GOL­STADT Wenn der Star in der Nä­he spielt, ist der An­lass erst ein­mal ne­ben­säch­lich. Bis­her wä­ren die­se me­xi­ka­ni­schen Gast­stu­den­ten nicht auf die Idee ge­kom­men, sich ein Spiel von Bay­er Leverkusen an­zu­se­hen. Ge­schwei­ge denn, ei­gens da­für an­zu­rei­sen. Seit Chicha­ri­to, zu deutsch klei­ne Erb­se, in der Bun­des­li­ga spielt, lau­fen die Din­ge aber an­ders. Dass nach dem Ab­gang von He­ung-Min Son plötz­lich nicht mehr Süd­ko­rea­ner, son­dern Süd­ame­ri­ka­ner der Werks­elf hin­ter­her fah­ren, dass da vor ei­nem Spiel me­xi­ka­ni­sche Fans mit Sprech­chö­ren den Mann­schafts­bus emp­fan­gen und Tri­kots von Bay­er 04 kau­fen – das hat mit der Ver­pflich­tung des 27-Jäh­ri­gen zu tun, der sich in kür­zes­ter Zeit als ech­ter Glücks­griff er­wies.

Wie so oft, wenn es in den ver­gan­ge­nen, zeit­wei­se schwie­ri­gen Wo­chen dar­um ging, Punk­te und Er­fol­ge ein­zu­sam­meln, war auch in In­gol­stadt auf Ja­vier Hernán­dez Ver­lass. Der brauch­te ex­akt ei­nen Tor­schuss, um sein Team zu ei­nem we­ni­ger künst­le­risch hoch­wer­ti­gen als viel­mehr enorm wich­ti­gen 1:0-Er­folg zu schie­ßen – der schließ­lich für ein „ei­ni­ger­ma­ßen zu­frie­den­stel­len­des En­de“(Micha­el Scha­de) ei­ner durch­wach­se­nen Hin­run­de sorg­te. „So ei­nen Trans­fer er­träumt man sich, aber er­war­ten kann man das nicht“, füg­te der Ge­schäfts­füh­rer an. „Man mag sich ein Spiel oh­ne ihn gar nicht mehr vor­stel­len – auch nicht, wo wir oh­ne sei­ne To­re in der Ta­bel­le ste­hen wür­den. Er ist fast un­se­re Le­bens­ver­si­che­rung.“

Bay­ers Ren­di­te des Elf-Mil­lio­nen­Eu­ro-Trans­fers von Man­ches­ter Uni­ted: Der 27-Jäh­ri­ge er­ziel­te in 22 Pflicht­spie­len 19 To­re, elf al­lein in 14 Li­ga­par­ti­en. Mis­ter Zu­ver­läs­sig trifft bei­na­he al­le 90 Mi­nu­ten – und half ent­schei­dend mit, dass „Leverkusen wei­ter in Schlagdis­tanz zu den Plät­zen ist, die wir an­stre­ben.“

Auch Ro­ger Schmidt hob die Ef­fi­zi­enz her­aus. „Er steht eben im rich­ti­gen Mo­ment an der rich­ti­gen Stel­le“, sag­te der Trai­ner und lob­te die „Cool­ness“, mit der Chicha­ri­to sei­ne To­re schießt und des­sen In­stinkt für den frei­en Raum. Dies­mal war es Ka­rim Bel­la­ra­bi, der se­hens­wer­te Vor­ar­beit leis­te­te, in ei­ner Par­tie, die an­sons­ten aber mit Schön­spie­le­rei nicht zu ge­win­nen war. Dass der Coach über das Du­ell mit bis­si­gen und kom­pro­miss­los ver­tei­di­gen­den In­gol­städ­tern von ei­nem re­gel­rech­ten „Ab­nut­zungs­kampf“sprach, war als Bild al­so so falsch nicht. Auch des­halb sei die­ser drit­te Sieg in Fol­ge nicht hoch ge­nug ein­zu­ord­nen, wie Schmidt be­ton­te. „Ich fin­de es her­aus­ra­gend, mit wel­cher Men­ta­li­tät mei­ne Mann­schaft auch im 28. Pflicht­spiel an­ge­tre­ten ist und noch ein­mal al­les aus sich her­aus­ge­holt hat. Das lässt mich mit ei­nem gu­ten Ge­fühl in die Pau­se ge­hen.“

Dies trifft auch auf Ste­fan Kieß­ling zu, der als Tor­schüt­ze vom Di­enst zwar in­zwi­schen ab­ge­löst ist, aber ein­mal mehr sei­nen Wert für die Mann­schaft un­ter Be­weis stell­te. Die Fans fei­er­ten ihn mit Ge­sän­gen und tru­gen in An­leh­nung an sei­ne Rü­cken­num­mer T-Shirts mit Auf­schrift „Für im­mer 11“. „Das ist ein wun­der­schö­nes Ge­fühl, so ei­ne Un­ter­stüt­zung zu be­kom­men. Das ist Gän­se­haut pur“, sag­te der An­grei­fer, der sei­ne Wech­sel­ge­dan­ken vor­erst ver­wor­fen hat und an­kün­dig­te, in der Rück­run­de wie­der voll an­grei­fen zu wol­len.

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