Glad­bach wird zur Pend­ler-Hoch­burg

Die Zahl der Men­schen, die täg­lich von au­ßer­halb in die Stadt zur Ar­beit fah­ren, ist deut­lich ge­stie­gen. Ein In­di­ka­tor für die wach­sen­de At­trak­ti­vi­tät des Be­schäf­ti­gungs­stand­orts. Es ist aber trotz­dem noch im­mer sehr viel Luft nach oben.

Rheinische Post Moenchengladbach - - KULTUR - VON JAN SCHNETTLER

Ge­stat­ten: Der Mensch, den wir Ih­nen an die­ser Stel­le vor­stel­len wol­len, wohnt in Vier­sen. Er ist (wenn auch nur mit knap­per Mehr­heit) ein Mann. Und er legt, am liebs­ten mit dem Au­to, täg­lich 11,3 Ki­lo­me­ter zu­rück, bis er bei sei­ner Ar­beits­stel­le, die mit ei­ni­ger Wahr­schein­lich­keit im Di­enst­leis­tungs­sek­tor an­ge­sie­delt ist, in Mön­chen­glad­bach an­ge­kom­men ist. Wer er ist? Ei­ner von 5131, die je­den Tag der Ar­beit we­gen von Vier­sen in die Vi­tus­stadt fah­ren. Und da­mit der Durch­schnitts­pend­ler. Denn wie das Sta­tis­ti­sche Lan­des­amt IT NRW jetzt ganz frisch für das Jahr 2014 er­mit­telt hat, stam­men die mit Ab­stand meis­ten Ein­pend­ler – be­sag­te 5131 – aus der Nach­bar­kom­mu­ne, ge­folgt mit wei­tem Ab­stand von Weg­berg (3010), Er­kelenz (2990) und Kor­schen­broich (2689). Auf Platz fünf be­reits folgt die Lan­des­haupt­stadt: 2449 Düs­sel­dor­fer ar­bei­ten in Mön­chen­glad­bach, dar­un­ter der Au­tor die­ser Zei­len. Und im­mer­hin auch noch fast 1000 Köl­ner.

Und um­ge­kehrt? Fah­ren stol­ze 9321 Mön­chen­glad­ba­cher je­den Tag nach Düsseldorf zum Ar­bei­ten. Da­mit ist die Lan­des­haupt­stadt die­je­ni­ge Kom­mu­ne, die so viel Glad­ba­cher Ar­beits­kraft bün­delt wie kei­ne zwei­te. Nach Vier­sen, Platz zwei in der Au­s­pend­ler­sta­tis­tik, fah­ren täg­lich noch 3593 Glad­ba­cher, nach Neuss 3342, nach Kre­feld 2936. Auf­fäl­lig: Es sind eher die gro­ßen Städ­te, in die die Glad­ba­cher aus­pen­deln, wäh­rend es eher die klei­ne­ren Kom­mu­nen des Um­lands sind, die nach Glad­bach ein­pen­deln. Da­bei darf ei­ne Kor­re­la­ti­on zwi­schen Net- to­ein­kom­men und der Dis­tanz, die Pend­ler zu­rück­le­gen, an­ge­nom­men wer­den: Je hö­her das Ein­kom­men, des­to be­reit­wil­li­ger wer­den wei­te Stre­cken zwi­schen Woh­nung und Ar­beits­platz zu­rück­ge­legt.

Das Pend­ler­sal­do – die Dif­fe­renz zwi­schen Ein- und Au­s­pend­lern – ist da­bei ein­deu­tig po­si­tiv: Glad­bach ist tags­über so­zu­sa­gen um 5523 Ein­woh­ner grö­ßer, weil 51.246 Men­schen in die Stadt ein­pen­deln, wo­hin­ge­gen „nur“45.723 aus­pen­deln. Be­son­ders die Zahl der Ein­pend­ler hat sich ge­gen­über den Vor­jah­ren deut­lich er­höht: 2013 pen­del­ten noch 49.755 Aus­wär­ti­ge täg­lich in die Vi­tus­stadt, 45.332 wie­der­um von Glad­bach ins Um­land. Das Pend­ler­sal­do be­trug vor Jah­res­frist noch 4423 Ein­woh­ner, 2012 noch rund 400. Das zeigt: Mön­chen­glad­bach ist als Ar­beits­ort deut­lich at­trak­ti­ver ge­wor­den, und das in­ner­halb nur we­ni­ger Mo­na­te.

Das ist po­si­tiv – zu­mal ei­ne ho­he Ein­pend­ler­quo­te als In­di­ka­tor für die Wirt­schafts­kraft ei­ner Kom­mu­ne gilt, wes­we­gen es seit lan­gem ein Ziel in der Stadt ist, die Pend­ler­strö­me zu er­hö­hen. Durch das Be­reit­stel­len at­trak­ti­ver Ar­beits­plät­ze – für Ein­pend­ler – und at­trak­ti- ven Wohn­raums – für Au­s­pend­ler. Doch so er­freu­lich die jün­ge­re Ent­wick­lung auch ist, so zeigt sie doch auch: Nach wie vor ist der Glad­ba­cher Ar­beits­markt ei­ner der her­me­tischs­ten im Lan­de. So liegt die Stadt mit ei­ner Ein­pend­ler­quo­te (An­teil der Ein­pend­ler an den Er­werbs­tä­ti­gen am Ar­beits­ort) von nur 40 Pro­zent un­ter den 396 Städ­ten und

Ge­mein­den des Lan­des auf Rang 371, un­ter den 29 Groß­städ­ten auf Platz 25. Weil sich zu den 51.246 Ein­pend­lern noch 76.805 Glad­ba­cher ge­sel­len, die in ih­rer Hei­mat­stadt ar­bei­ten.

Klas­si­sche Ein­pend­ler­städ­te wie Düsseldorf brin­gen es auf ei­ne Quo­te von 57,6 Pro­zent. Bei der Au­s­pend­ler­quo­te (An­teil der Au­s­pend­ler an den Er­werbs­tä­ti­gen am Wohn­ort) steht für Glad­bach Platz 374 bzw. 16 zu Bu­che. Lan­des­weit pen­del­te 2014 et­wa die Hälf­te der 8,87 Mil­lio­nen Er­werbs­tä­ti­gen je­den Ar­beits­tag über die Gren­zen ih­res Wohn­or­tes hin­weg zur Ar­beit.

FOTO: MI­CHE­LIS FOTO: ANDRE­AS BRETZ

Dient vie­len Pend­lern als Haupt­ein­fall- und -aus­fall­stra­ße: die Kal­den­kir­che­ner Stra­ße auf Hö­he der Nie­der­rhein-Ka­ser­ne. Über­que­ren vie­le Mön­chen­glad­ba­cher täg­lich: die Rh­ein­knie­brü­cke in der Lan­des­haupt­stadt Düsseldorf.

ARCHIVFOTO: BUSCH SEN.

Heim­weg vie­ler Vier­sener je­den Abend: die Köl­ni­sche Stra­ße aus Rich­tung Glad­bach.

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