Noch ein letz­tes Spek­ta­kel 2015

Bo­rus­sia kann der­zeit nicht an­ders: Auch das 3:2 ge­gen Darm­stadt war na­he­zu vo­gel­wild.

Rheinische Post Moenchengladbach - - SPORT LOKAL - VON KARS­TEN KELLERMANN

An­dré Schu­berts Ent­wurf von Bo­rus­sia steht für Spek­ta­kel. Das letz­te Spiel des Jah­res ges­tern ge­gen Darm­stadt 98 be­legt das. Na­he­zu vo­gel­wild war das, was im Bo­rus­si­aPark pas­sier­te. Fünf To­re gab es, ei­ne Ro­te Kar­te, die sich Gra­nit Xha­ka ein­han­del­te, und viel Hek­tik. Die Glad­ba­cher hat­ten sich vor­ge­nom­men, der ku­rio­sen Hin­run­de „die Krone auf­zu­set­zen“, wie Trai­ner Schu­bert ge­sagt hat­te. Sie ta­ten es total emo­tio­nal. Am En­de, nach dem 3:2-Sieg, sang der ge­sam­te Bo­rus­sia-Park: „Die See­le brennt.“

Darm­stadt war in­des nicht ge­kom­men, um sich will­fäh­rig in sein Schick­sal zu er­ge­ben. Mar­cel Hel­lers 0:1 (28.) er­schwer­te die Auf­ga­be der Glad­ba­cher, Xha­kas Platz­ver­weis setz­te noch ei­nen drauf. Die­se miss­li­che La­ge war in­des ei­ne Art Ansporn für Bo­rus­sia. Zum ei­nen für die Fans, die nun al­les ta­ten, um dem Team zur Sei­te zu ste­hen. Und für das Team, das in Un­ter­zahl rich­tig auf­dreh­te. Bo­rus­sia hat in die­ser Hin­run­de ge­lernt, sich ge­gen Un­ge­mach zu weh­ren. Wäh­rend die Glad­ba­cher bei per­so­nel­lem Gleich­stand zu kom­pli­ziert und zu we­nig ziel­stre­big agier­ten, leg­ten sie sich in Un­ter­zahl ei­ne Jetzt-Erst-Rech­tEin­stel­lung zu. Nun war es nicht mehr Go­li­ath Glad­bach ge­gen Da­vid Darm­stadt, son­dern ei­ne Bo­rus­sia, die auf­be­gehr­te ge­gen das Schick­sal – und zu­rück­kam nach dem Nie­der­schlag.

Da­bei war auf zwei Rou­ti­niers Ver­lass. Zu­nächst auf Lars St­indl, der an die­sem Tag noch ein­mal sei­ne Ent­wick­lung vom Ru­he­lo­sen, der zu Be­ginn der Sai­son sei­nen Platz im Team noch nicht ge­fun­den hat­te, zum Füh­rungs­spie­ler un­ter­strich: In der 44. Mi­nu­te er­ziel­te er mit ei­nem tro­cke­nen Schuss von der Straf­raum­gren­ze das 1:1. Und dann kam Ha­vard Nordtveit, der un­ter Schu­bert wie­der wich­tig ge­wor­den ist für Glad­bach – als ver­läss­li­che Va­ria­ble. Die­ses Mal war er als Sech­ser un­ter­wegs. Zu­nächst im Duo mit Xha­ka, nach des­sen Ab­gang als Ein­zel­ner vor der Ab­wehr, in­des flan­kiert von Fa­bi­an John­son und Th­or­gan Ha­zard, den dann ein­ge­rück­ten Au­ßen. Und Nordtveit traf. Per Frei­stoß zum 2:1.

Doch das Spiel blieb un­be­re­chen­bar. Wer nun ge­dacht hat­te, die Ge­schich­te wä­re end­gül­tig zu­guns­ten der Schu­bert-Mann­schaft ge­kippt, der wur­de ge­täuscht. Darm­stadt hat eben­falls et­was ge­lernt in die­ser Bun­des­li­ga-Hin­run­de: Es ist im­mer et­was mög­lich. San­dro Wa­gner glich per Kopf aus. Es ent­wi­ckel­te sich ein Spek­ta­kel aus dem Gen­re „Thril­ler“.

Denn Ru­he oder gar Be­sinn­lich­keit gab es so kurz vor Weih­nach­ten ein­fach nicht. Viel­leicht woll­ten bei­de Teams den Fans noch rich­tig et­was mit­ge­ben in die Win­ter­pau­se, das emo­tio­nal lan­ge ge­nug an­hält, um die fuß­ball­freie Zeit zu über­brü­cken. „Es war ein in­ten­si­ves, ras­si­ges Spiel bei ei­ner über­ra­gen­den Stim­mung“, sag­te Darm­stadts Trai­ner Dirk Schuster. „Bei uns gibt es mo­men­tan im­mer ein Spek­ta­kel – al­ler­dings war es zwi­schen­durch ein biss­chen zu wild“, sag­te Lars St­indl. Ge­gen den Auf­stei­ger hät­ten es die Bo­rus­sen lie­ber kon­trol­liert ge­habt, ge­stand er.

Dass die Glad­ba­cher mit ei­nem Sieg und ei­nem ent­spre­chend gu­ten Ge­fühl in die Win­ter­pau­se ge­hen, lag ins­be­son­de­re auch an St­indl. Nach­dem Schu­bert Ro­el Brou­wers ein­ge­wech­selt, Ni­co El­ve­di nach links und Os­car Wendt nach vorn ge­zo­gen hat­te, spiel­te der Schwe­de Dop­pel­pass mit ihm und schoss den Ball zum Sieg­tor ins Netz. „Wir ha­ben noch ein­mal al­les rein­ge­wor­fen. Dass wir noch ge­won­nen ha­ben, zeigt, wie viel Cha­rak­ter und Moral in der Trup­pe ist“, sag­te St­indl. Kurz vor Weih­nach­ten war nicht viel Zeit für Be­sinn­lich­keit. „Für al­le war es ein in­ten­si­ves Spiel, es war al­les drin, was Fuß­ball und sei­ne Emo­tio­na­li­tät aus­macht. Im Mo­ment bie­ten wir in der Tat viel Spek­ta­kel und Un­ter­hal­tung“, fass­te An­dré Schu­bert zu­sam­men.

FOTO: IMAGO

Fans, lasst mal was hö­ren! Lars St­indl ju­belt über sei­nen Tref­fer zum 1:1, Th­or­gan Ha­zard folgt im Hin­ter­grund. Kurz vor Schluss be­rei­te­te Glad­bachs Stür­mer auch noch das 3:2-Sieg­tor der Bo­rus­sen ge­gen den SV Darm­stadt 98 durch Os­car Wendt vor.

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