Mi­nis­te­rin für hö­he­re Die­sel­steu­er

Der Vor­stoß des Um­welt­bun­des­am­tes löst ei­ne De­bat­te aus: Auch Um­welt­mi­nis­te­rin Bar­ba­ra Hend­ricks (SPD) hält ei­ne hö­he­re Die­sel­steu­er für rich­tig. Sie will da­mit den Kauf von Elek­tro­au­tos för­dern.

Rheinische Post Moenchengladbach - - VORDERSEITE - VON MICHA­EL BRÖ­CKER UND GE­ORG WIN­TERS

BER­LIN/DÜSSELDORF In der Bun­des­re­gie­rung ge­hen die Mei­nun­gen über das Steu­er­pri­vi­leg für Die­sel­kraft­stoff aus­ein­an­der. Wäh­rend sich Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­ter Alex­an­der Do­brindt (CSU) ge­gen ei­ne Er­hö­hung der Steu­er aus­sprach, reg­te Bun­des­um­welt­mi­nis­te­rin Bar­ba­ra Hend­ricks (SPD) ei­ne An­he­bung zu­guns­ten der För­de­rung von Elek­tro­mo­bi­li­tät an: „Wenn der Bun­des­fi­nanz­mi­nis­ter auf die Idee kä­me, das Steu­er­pri­vi­leg für den Die­sel zu be­schrän­ken, um so Kauf­an­rei­ze für Elek­tro-Au­tos zu fi­nan­zie­ren, hät­te ich da­für gro­ßes Ver­ständ­nis“, sag­te Hend­ricks un­se­rer Re­dak­ti­on. Hend­ricks hat­te be­reits ei­ne Prä­mie von 5000 Eu­ro für den Kauf kli­ma­freund­li­cher Elek­tro­au­tos an­ge­regt. Ähn­li­che An­reiz­sys­te­me gibt es in Frank­reich. Auch deut­sche Au­to­bau­er und In­dus­trie­ver­bän­de for­dern Sub­ven­tio­nen für Elek­tro­au­tos.

Zu­gleich ge­rät der Die­sel­mo­tor als kli­ma­schäd­li­cher An­trieb zu­neh­mend in die Kri­tik. In zahl­rei­chen In­nen­städ­ten wer­den die zu­läs­si­gen Grenz­wer­te für Stick­stoff- oxi­de re­gel­mä­ßig über­schrit­ten. Das Um­welt­bun­des­amt will Die­sel­fahr­zeu­ge da­her nach und nach aus dem Stra­ßen­ver­kehr ver­drän­gen.

Amts­prä­si­den­tin Ma­ria Krautz­ber­ger hat­te jüngst ei­ne An­he­bung der nied­ri­ge­ren Die­sel-Steu­er­sät­ze für Privat-Pkw auf das Ni­veau von Ben­zin vor­ge­schla­gen. An­dern­falls wer­de sich die Luft­qua­li­tät bis 2030 in den In­nen­städ­ten nicht we­sent­lich ver­bes­sern, warn­te sie. 2014 stell­te das Um­welt­bun­des­amt an mehr als 60 Pro­zent al­ler in­ner­städ­ti­schen Mess­stel­len Stick­stoff­di­oxid­be­las­tun­gen über dem zu­läs­si­gen EU-Grenz­wert fest.

Im Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um stößt der Steu­er­vor­stoß in­tern auf Zu­stim­mung. An­ge­sichts der nied­ri­gen Die­sel­prei­se sei ei­ne hö­he­re Sprit­steu­er für Pkw-Hal­ter ver­kraft­bar, heißt es. Of­fi­zi­ell äu­ßern will sich Fi­nanz­mi­nis­ter Wolf­gang Schäu­b­le (CDU) aber bis­her nicht.

Der ADAC und die Au­to­in­dus­trie ha­ben sich ge­gen ei­ne hö­he­re steu­er­li­che Be­las­tung für Die­sel-Fahr­zeu­ge aus­ge­spro­chen. „Ei­ne ein­sei­ti­ge Ver­teue­rung leh­nen wir ab“, sag­te Jür­gen Al­brecht, Re­fe­rent für Ver­kehrs­po­li­tik und Ver­kehrs­wirt­schaft beim ADAC, un­se­rer Re­dak­ti­on. Wenn man das Ge­samt­sys­tem än­dern wol­le, wer­de sich der Club dem nicht ver­schlie­ßen, „aber das ist in Eu­ro­pa sehr kom­plex und nicht im na­tio­na­len Al­lein­gang zu lö­sen“, sag­te Al­brecht.

Der Au­to­bau­er-Ver­band VDA ver­weist dar­auf, dass Die­sel-Fah­rer bei der Kfz-Steu­er be­reits stär­ker be­las­tet wür­den als die Fah­rer von Ben­zi­nern. Je­de wei­te­re steu­er­li­che Be­las­tung wür­de die Zahl der Neu­zu­las­sun­gen von Die­sel-Fahr­zeu­gen ver­rin­gern, sag­te ein Ver­bands­spre­cher. Dies ge­he zu­las­ten der ge­plan­ten Koh­len­di­oxid-Ein­spa­run­gen und da­mit des Kli­ma­schut­zes, da ein Die­sel zehn Pro­zent we­ni­ger Koh­len­di­oxid aus­sto­ße als ein ver­gleich­ba­rer Ben­zi­ner. Ei­ne Ver­teue­rung von Die­sel füh­re nicht au­to­ma­tisch zu ei­ner hö­he­ren Nach­fra­ge nach Elek­tro­au­tos. Da­für müss­ten ei­ge­ne Im­pul­se ge­setzt wer­den, et­wa ei­ne Son­der­ab­schrei­bung für ge­werb­li­che Elek­tro­fahr­zeu­ge.

Der­zeit ist in Deutsch­land fast je­der zwei­te neu zu­ge­las­se­ne Pkw ein Die­sel, wäh­rend auf neue Elek­tro­au­tos nur ein An­teil von 0,7 Pro­zent ent­fällt. An­fang 2015 gab es in Deutsch­land 13,9 Mil­lio­nen Die­selPkw, das ent­spricht 31 Pro­zent des ge­sam­ten Pkw-Be­stan­des. Von Ja­nu­ar bis Sep­tem­ber wur­den rund 1,15 Mil­lio­nen Die­sel neu zu­ge­las­sen. Leit­ar­ti­kel

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