Ver­such­ter Tot­schlag in der Nord­kur­ve

Ein „Ein­peit­scher“von Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bach soll ei­nen 36-Jäh­ri­gen im Sta­di­on le­bens­ge­fähr­lich ver­letzt ha­ben. In Duis­burg gab es ei­ne Mas­sen­schlä­ge­rei im Fan­block. Das Bun­des­kri­mi­nal­amt zählt 4720 Fuß­ball-Ge­walt­tä­ter aus NRW.

Rheinische Post Moenchengladbach - - NORDRHEIN-WESTFALEN - VON GABI PE­TERS, GI­AN­NI COS­TA UND CHRIS­TI­AN SCHWERDTFEGER

MÖN­CHEN­GLAD­BACH Aus­ge­rech­net ein füh­ren­der Ver­tre­ter der Mön­chen­glad­ba­cher Fan­sze­ne soll am Sonn­tag im Bo­rus­sia-Sta­di­on vor An­pfiff der Bun­des­li­ga-Be­geg­nung Mön­chen­glad­bach ge­gen Darm­stadt 98 ei­nen an­de­ren An­hän­ger des Klubs nie­der­ge­schla­gen und da­bei le­bens­ge­fähr­lich ver­letzt ha­ben. Der 29 Jah­re al­te mut­maß­li­che Tä­ter ist ein so ge­nann­ter Ein­peit­scher, Vor­sän­ger oder Ca­po. Er steht in der Nord­kur­ve und stimmt die Fan­ge­sän­ge an. Er gilt als ei­ner der An­füh­rer der Ul­tras und ist da­mit ein An­sprech­part­ner für den Ver­ein bei Fra­gen zum Ver­hal­ten der Fans.

Das Op­fer, ein 36-Jäh­ri­ger, der nach der Atta­cke in der Nord­kur­ve mit ei­nem Ret­tungs­hub­schrau­ber in die Uni-Kli­nik nach Düsseldorf ge­bracht wur­de, schweb­te auch ges­tern Nach­mit­tag noch in Le­bens­ge­fahr. Nach bis­he­ri­gen Er­kennt­nis­sen wa­ren die bei­den Män­ner aus ei­nem eher nich­ti­gen Grund in ei­nen der­art aus­ufern­den Streit ge­ra­ten: Der 36-Jäh­ri­ge soll den Jün­ge­ren am Zaun in der Nord­kur­ve mit Bier be­spritzt ha­ben. Ob dies ab­sicht­lich oder aus Ver­se­hen ge­schah, ist noch nicht klar. Nach An­ga­ben der Po­li­zei schlug der 29-Jäh­ri­ge nicht nur zu. Er soll auch mehr­fach auf den Kopf des Kon­tra­hen­ten ein­ge­tre­ten ha­ben, als der be­reits am Bo­den lag. Un­ter den Fans gibt es da­ge­gen un­ter­schied­li­che Ver­sio­nen des Ta­ther­gangs. Ei­ni­ge be­rich­ten, der 36-Jäh­ri­ge ha­be den Jün­ge­ren zu­erst at­ta­ckiert. Da­bei sei er ge­stürzt und auf den Kopf ge­fal­len.

Ges­tern wur­de der 29-Jäh­ri­ge ei­ner Haft­rich­te­rin vor­ge­führt. Sie er- ließ ei­nen Haft­be­fehl we­gen ver­such­ten Tot­schlags. Un­ter Auf­la­gen wur­de der Mann aber frei ge­las­sen.

Auch in Duis­burg es­ka­lier­te am Wo­che­n­en­de im Sta­di­on die Ge­walt. In­ner­halb des Fan­blocks des MSV lie­fer­ten sich „Ze­bra“-An­hän­ger un­ter­ein­an­der ei­ne Mas­sen­schlä­ge­rei. Aus Si­cher­heits­grün­den muss­ten vie­le Zu­schau­er die Are­na durch Ne­ben­aus­gän­ge ver­las­sen. Die Po­li­zei nahm an­schlie­ßend die Per­so­na­li­en von 83 Per­so­nen auf, stell­te bis­lang min­des­tens ei­ne Straf­an­zei­ge. Nach An­ga­ben der Po- li­zei han­delt es sich bei den Schlä­gern um Mit­glie­der der „Ko­hor­te“, ei­ner links­ge­rich­te­ten Ul­tra-Grup­pie­rung. Wei­te­re Straf­an­zei­gen könn­ten aber noch fol­gen – ver­mut­lich we­gen Land­frie­dens­bruchs, Kör­per­ver­let­zung und Sach­be­schä­di­gung. Die Er­mitt­ler sind noch da­mit be­schäf­tigt, die Vi­de­os aus­zu­wer­ten, die die Ein­satz­be­reit­schaft der Po­li­zei von der Mas­sen­schlä­ge­rei ge­macht hat. Von ei­ner neu­en Di­men­si­on der Ge­walt will man bei der Duis­bur­ger Po­li­zei noch nicht spre­chen. Ein Spre­cher räum­te aber ein, dass es das ers­te Mal ge­we­sen sei, dass sich so vie­le Fans in­ner­halb des ei­ge­nen Fan­blocks ei­ne Schlä­ge­rei lie­fer­ten. „So et­was re­geln die sonst au­ßer­halb des Sta­di­ons“, sag­te der Po­li­zei­spre­cher. Der Grund für die Aus­ein­an­der­set­zung im Fan­block ist of­fi­zi­ell noch nicht be­kannt. Sze­ne­kun­di­ge Po­li­zis­ten ver­mu­ten aber, dass die lin­ke „Ko­hor­te“mit den eher rechts­ori­en­tier­ten Hoo­li­gans an­ein­an­der­ge­ra­ten sein muss. Zwi­schen bei­den La­gern gibt es seit Jah­ren ei­ne Feh­de mit be­reits zahl­rei­chen ge­walt­tä­ti­gen Aus­ein­an­der­set­zun­gen.

Die bei­den Vor­fäl­le in Mön­chen­glad­bach und Duis­burg sind ein wei­te­res trau­ri­ges Ka­pi­tel in der seit Jah­ren im­mer di­cker wer­den­den Ge­walt­ak­te des NRW-Fuß­balls. In­nen­mi­nis­ter Ralf Jä­ger (SPD) er­klär­te erst vor dem ver­gan­ge­nen Spiel­tag auf An­fra­ge der Pi­ra­ten-Frak­ti­on, dass von 2014 bis Mit­te No­vem­ber die­ses Jah­res 4720 ge­walt­tä­ti­ge Fuß­ball-An­hän­ger aus NRW in die Da­tei „Ge­walt­tä­ter Sport“beim Bun­des­kri­mi­nal­amt (BKA) ein­ge­tra­gen wor­den sind. Be­son­ders im Fo­kus der Er­mitt­ler ste­hen rund 150In­ten­siv­tä­ter, die als „höchst ge­fähr­lich“ein­ge­stuft wer­den. Die nord­rhein-west­fä­li­schen Si­cher­heits­be­hör­den bün­deln ih­re Er­mitt­lun­gen in der Hoo­li­gan- und Ul­trasze­ne in 16 Schwer­punkt­be­hör­den. Das Lan­des­amt für Zen­tra­le Po­li­zei­li­che Di­ens­te in Duis­burg, kurz ZIS ge­nannt, ko­or­di­niert die Ein­sät­ze.

Das Glad­ba­cher Fan­pro­jekt äu­ßer­te sich ges­tern zu dem Vor­fall in ei­ner Stel­lung­nah­me. Dar­in heißt es un­ter an­de­rem: „Das macht uns sehr be­trof­fen, ins­be­son­de­re, da der Tat­ver­däch­ti­ge ein ge­wähl­tes Mit­glied un­se­res Vor­stan­des ist.“

FOTO: IMAGO

Das Fah­nen­meer in der Nord­kur­ve des Bo­rus­sia Parks im Ach­tel­fi­nal-Spiel des DFB-Po­kals zwi­schen der Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bach und dem SV Wer­der Bre­men am 15. De­zem­ber.

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