Kar­tell­amt zieht im Streit mit Ede­ka vor den BGH

In der Aus­ein­an­der­set­zung um „Hoch­zeits­ra­bat­te“der Su­per­markt-Ket­te will sich die Be­hör­de nicht ge­schla­gen ge­ben.

Rheinische Post Moenchengladbach - - WIRTSCHAFT -

DÜSSELDORF (dpa) Das Bun­des­kar­tell­amt will sei­ne Nie­der­la­ge im Rechts­streit mit dem größ­ten deut­schen Le­bens­mit­tel­händ­ler Ede­ka um so­ge­nann­te Hoch­zeits­ra­bat­te nicht hin­neh­men. Ede­ka hat­te nach der Über­nah­me der Dis­count­ket­te Plus im Jahr 2009 von Lie­fe­ran­ten bes­se­re Kon­di­tio­nen ge­for­dert, die dann als „Hoch­zeits­ra­bat­te“be­zeich­net wur­den. Das Ober­lan­des­ge­richt Düsseldorf hat­te die Aus­nut­zung ei­ner be­son­de­ren Markt­macht durch Ede­ka ver­neint.

Die Wett­be­werbs­hü­ter kün­dig­ten an, beim Bun­des­ge­richts­hof Rechts­mit­tel ge­gen die Ent­schei­dung des Ober­lan­des­ge­richts ein­zu­le­gen. „Es bleibt ab­zu­war­ten, ob die­ses Ur­teil Be­stand ha­ben wird“, sag­te Kar­tell­amts­prä­si­dent Andre­as Mundt. Das Bun­des­kar­tell­amt hat­te das Vor­ge­hen als Ver­stoß ge­gen das Wett­be­werbs­recht ge­brand­markt.

Ins­ge­samt hat die Be­hör­de 2015 nach Aus­sa­ge von Mundt in elf Kar­tell­fäl­len Buß­gel­der von rund 190 Mil­lio­nen Eu­ro ge­gen 37 Un­ter­neh- men und 24 Pri­vat­per­so­nen – meist Fir­men­ma­na­ger – ver­hängt. Das lie­ge im Durch­schnitt der ver­gan­ge­nen Jah­re. Mit den Buß­gel­dern will das Kar­tell­amt un­er­laub­te Preis­ab­spra­chen zu Las­ten der Ver­brau­cher ver­hin­dern. Nach wis­sen­schaft­li­chen Stu­di­en füh­ren Kar­tel­le zu Preis­auf­schlä­gen von im Schnitt zehn bis 15 Pro­zent und da­mit zu ei­nem ho­hen Mil­li­ar­den­scha­den. Im ab­lau­fen­den Jahr hat­te das Kar­tell­amt we­gen Ver­dachts­fäl­len 88 Un­ter­neh­men durch­su­chen las­sen. Im Fo­kus stan­den da­bei un­ter an­de­rem Her­stel­ler von Me­tall­ver­pa­ckun­gen, Edel­stahl­pro­du­zen­ten und Fern­seh­stu­di­os.

Die Kar­tell­be­hör­den kämp­fen nicht nur ge­gen il­le­ga­le Preis­ab­spra­chen, son­dern auch ge­gen Best­Preis-Klau­seln zu Guns­ten gro­ßer Netz­platt­for­men. „Die Ver­triebs­be­din­gun­gen ei­ni­ger Her­stel­ler be­nach­tei­li­gen die klei­nen Händ­ler, in­dem sie ih­nen An­ge­bo­te über wich­ti­ge Such­por­ta­le im Netz un­ter­sa­gen“, kri­ti­sier­te Mundt. Auch klei­ne­re Händ­ler müss­ten im Netz ge­fun­den wer­den kön­nen. Da­zu ha­be das Amt 2015 ei­ne Ar­beits­grup­pe „Task­force Di­gi­tal“ge­bil­det, die auch über mög­li­che Rechts­än­de­run­gen nach­den­ke.

Fu­sio­nen wur­den wie in den Vor­jah­ren meist vom Kar­tell­amt ge­neh­migt: Bei rund 1100 an­ge­mel­de­ten Zu­sam­men­schlüs­sen gab es nur ein Ver­bot so­wie ei­ne Er­laub­nis mit Auf­la­gen. Der Ver­bots­fall be­traf die Fu­si­on von Ede­ka und Kai­sers Ten­gel­mann.

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