Fil­me für win­ter­li­che Stim­mung

Kein Schnee an den Fei­er­ta­gen. Dann müs­sen eben Fil­me für Ab­küh­lung sor­gen.

Rheinische Post Moenchengladbach - - KULTUR - VON DOROTHEE KRINGS

DÜSSELDORF Viel­leicht ist es an der Zeit, die Fik­ti­on ins Spiel zu brin­gen. Wenn schon die Tem­pe­ra­tu­ren par­tout nicht sin­ken wol­len, kein Flöck­chen sich im Him­mel löst und die Weih­nachts­märk­te in den In­nen­städ­ten aus­se­hen las­sen wie Ku­lis­sen aus dem fal­schen Stück, dann müs­sen Film­re­gis­seu­re hel­fen. Ro­man Polan­ski zum Bei­spiel.

Es braucht nur ein paar Se­kun­den von „Tanz der Vam­pi­re“, da kriecht dem Zu­schau­er schon die Käl­te an den Wa­den hoch. Denn Polan­ski zieht die Tem­pe­ra­tur­reg­ler ganz nach un­ten: Pro­fes­sor Abron­si­us und sein arg­lo­ser Ge­hil­fe, den der Re­gis­seur selbst spielt, rau­schen auf ei­nem Schlit­ten durch die Kar­pa­ten. Sie wol­len Vam­pi­re auf­spü­ren, und es ist so kalt, dass der Pro­fes­sor steif­friert wie ein Brett. Leb­los schwankt er bei wil­der Fahrt durch die Kur­ven, schon ein­ge­tre­ten in je­nes Reich zwi­schen Le­ben und Tod, das von Vam­pi­ren be­völ­kert wird. Man sieht Ber­ge von Schnee in die­sem Film, ge­fro­re­ne Bär­te, fros­ti­ge Na­sen, und es wer­den je­de Men­ge hei­ßer Bä­der ge­nom­men. Nie­mand treibt mit dem Win­ter ein so sar­kas­tisch-schö­nes Spiel wie Polan­ski.

Und dann „Far­go“. Ein Thril­ler mit der La­ko­nie und Schwe­re ein­ge­schnei­ter Land­schaf­ten. Die Co­en­B­rü­der schi­cken dar­in ei­ne schwan­ge­re Er­mitt­le­rin auf die Jagd, die äu­ßer­lich schwer­fäl­lig, aber mit äu­ßerst küh­lem Ver­stand an die Ar­beit geht. Man kann Mar­ge Gun­der­son nur un­ter­schät­zen, auch wenn ihr Gat­te En­ten malt. So ent­steht ei­ne Ko­mik, die tief im ge­fro­re­nen Bo­den des ame­ri­ka­ni­schen Mitt­le­ren Wes­tens wur­zelt. Das Bö­se wirkt dumpf, wie zu­ge­schneit in die­sem tra­gi­ko- mi­schen Krimi, aber es ist kein biss­chen harm­los.

Oder gleich Fräu­lein Smil­la fol­gen, die ein Ge­spür für Schnee hat und gleich sieht, dass die Fuß­ab­drü­cke des klei­nen Inuk-Jun­gen auf dem ver­schnei­ten Dach di­rekt zum Ab­grund füh­ren. Dass er al­so nie­mals dort oben ge­spielt hat und ver­un­glückt ist, son­dern dass er floh – und sein Ab­sturz dar­um Mord war. Der dä­ni­sche Tän­zer und Schrift­stel­ler Pe­ter Høeg hat die fein­sin­ni­ge Schnee-Ge­schich­te er­dacht, in der ei­ne Frau ih­rem In­stinkt folgt und so zur Auf­klä­re­rin wird. Die vie­len Schat­tie­run­gen von Schnee, sei­ne ma­jes­tä­ti­sche Käl­te und Schroff­heit wie sei­ne Fä­hig­keit, als fei­nes Pul­ver al­les Kan­ti­ge in der Wirk­lich­keit zu run­den, sind in der Ver­fil­mung von Bil­le Au­gust zu er­le­ben. „Fräu­lein Smil­las Ge­spür für Schnee“ist ein dich­ter, span­nen­der Thril­ler, der die Wei­te von Schnee­land­schaf­ten ge­nau­so zu nut­zen weiß wie die Tris­tesse schnee­schwe­rer Him­mel.

Oder doch „Shi­ning“schau­en und sich vor­stel­len, man sei ein­ge­schneit, al­lein in ei­nem lee­ren Ho­tel und plötz­lich quietscht auf dem Gang ein Drei­rad? Schnee kann auch der reins­te Hor­ror sein.

FOTO:DDP

Fran­ces McDor­mand als stand­haf­te Er­mitt­le­rin in „Far­go“

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