Das En­de des Stern-Ver­lags ist ein „sin­gu­lä­rer Fall“

Rheinische Post Moenchengladbach - - KULTUR - VON LOTHAR SCHRÖDER

DÜSSELDORF Das ist die Zeit, in der es im sta­tio­nä­ren Buch­han­del ge­wis­ser­ma­ßen um die Wurst geht. Denn ein Vier­tel sei­nes Jah­res­um­sat­zes in Hö­he von 4,58 Mil­li­ar­den Eu­ro er­zie­len die Li­te­ra­tur-Händ­ler in der Vor­weih­nachts­zeit. Zu­dem sind Buch­lä­den ech­te Ver­kaufs­fal­len: Nur vier Pro­zent der Be­su­cher ver­las­sen das Ge­schäft oh­ne ein Buch in der Hand.

Doch da­zu muss der Käufer erst ein­mal ins La­den­lo­kal ge­lockt wer­den. Und das schien be­son­ders dem tra­di­ti­ons­rei­chen Stern-Ver­lag in Düsseldorf Pro­ble­me zu be­rei­ten. En­de März wird das Buch­kauf­haus schlie­ßen, das mit sei­ner Ver­kaufs­flä­che von 5000 Qua­drat­me­tern über die Stadt­gren­zen hin­aus be­kannt und einst Deutsch­lands größ­tes Buch­ge­schäft war. Wer nach Grün­den sucht, stößt im­mer auf das nicht gu­te städ­te­bau­li­che Um­feld. Auch wird das In­ter­net ge­nannt. Doch im Ge­gen­satz zu an­de­ren Bran­chen sta­gniert tat­säch­lich der Um­satz­an­teil der Online-Händ­ler; der­zeit liegt er bei et­was mehr als 16 Pro­zent und ent­wi­ckelt flä­chen­de­ckend nur we­nig Be­dro­hungs­po­ten- zi­al. Sta­bil ist hin­ge­gen der Um­satz­an­teil des sta­tio­nä­ren Buch­han­dels. Mit fast 50 Pro­zent gibt er im­mer noch den Ton im Ge­schäft mit Li­te­ra­tur an.

Lag’s al­so an der Grö­ße? Vor ein paar Jah­ren – als es den Ket­ten wie Tha­lia und May­er­sche schlecht er­ging – hät­te man die­sen Ver­dacht wohl ge­hegt. Nach ei­ner Re­du­zie­rung der Ver­kaufs­flä­che ist aber auch in die­sem Be­reich längst wie­der ei­ne Kon­so­li­die­rung ein­ge­tre­ten. Der Buch­han­del erlebt der­zeit zwar kei­ne Blü­te-, aber auch kei­ne aus­ge­spro­che­ne Kri­sen­zeit. Als ei­nen „sin­gu­lä­ren Fall“be­zeich­ne­te ges­tern im Ge­spräch Alex­an­der Ski­pis, Haupt­ge­schäfts­füh­rer des Bör­sen­ver­eins des Deut­schen Buch­han­dels, das En­de des Stern-Ver­lags. Of­fen­bar fehl­ten dem Rie­sen auch ein paar Zwer­ge, al­so wei­te­re Fi­lia­len, mit de­nen Sy­ner­gie-Ef­fek­te er­zielt wer­den konn­ten. Der SternVer­lag war ei­ne 115 Jah­re al­te Kul­tur­ein­rich­tung, die al­le schätz­ten, die aber zu we­ni­ge auf­such­ten. Da half dann auch das Online-An­ge­bot www.buch­hand­lun­gen-fin­den.de nicht mehr, das Le­sern hel­fen soll, ei­ne der 4782 deut­schen Buch­lä­den auf kür­zes­tem We­ge zu ent­de­cken.

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