Platz 9: Ak­te X – Die un­heim­li­chen Fäl­le des FBI

Rheinische Post Moenchengladbach - - PANORAMA - VON JÖRG ISRINGHAUS

DÜSSELDORF Zwei zen­tra­le Leit­sät­ze be­schrei­ben das Uni­ver­sum der USSe­rie „Ak­te X“: „Ver­traue nie­man­dem“, vor al­lem aber „Die Wahr­heit ist ir­gend­wo da drau­ßen“. Das Ver­gnü­gen des Zu­schau­ers be­stand dar­in, sich die­ser Wahr­heit an­zu­nä­hern, Wo­che für Wo­che, Fit­zel­chen für Fit­zel­chen, um dann doch fest­zu­stel­len, dass Wahr­heit ein recht dehn­ba­rer Be­griff ist. Die Se­rie star­te­te 1993 und war der idea­le Stoff für die noch jun­ge In­ter­net­ge­mein­de – Pa­ra­noia ge­gen­über der herr­schen­den Klas­se plus ein Hau­fen kru­der Ver­schwö­rungs­theo­ri­en, das hat­te ge­nau den sub­ver­si­ven Charme, der das World Wi­de Web be­feu­er­te.

Im Mit­tel­punkt stand da­zu mit den FBI-Agen­ten Fox Mul­der (Da­vid Duchov­ny) und Da­na Scul­ly (Gil­li­an An­der­son) ein Traum­paar, das ge­gen­sätz­li­cher nicht sein konn­te. Er ein iro­ni­scher Mys­ti­ker, sie die ra­tio­na­le Wis­sen­schaft­le­rin. In­ter­net­Fo­ren be­fass­ten sich nur mit der Fra­ge, wann es zwi­schen Mul­der und Scul­ly end­lich nicht nur kol­le­gi­al knis­tern wür­de. Dar­aus ent­stand das Phä­no­men der „Ship­per“, ab­ge­lei­tet vom eng­li­schen Be­griff re­la­ti­ons­hip (Be­zie­hung): Fans, die sich wün­schen, dass fik­ti­ve Fi­gu­ren zu­sam­men­fin­den. Was an sich schon wie­der Stoff für ei­ne ab­son­der­li­che „Ak­te-X“-Fol­ge ge­we­sen wä­re.

Über­haupt, die Fäl­le. Se­ri­ener­fin­der Chris Car­ter misch­te ab­ge­schlos­se­ne Epi­so­den über ku­rio­se Phä­no­me­ne und skur­ri­le Mor­de („Mons­ter der Wo­che“) mit ei­nem über­ge­ord­ne­ten Er­zähl­strang über ei­ne Grup­pe mäch­ti­ger Ver­schwö­rer, Kon­sor­ti­um oder Syn­di­kat ge­nannt, die ei­ne ge­plan­te In­va­si­on Au­ßer­ir­di­scher un­ter­stützt. Da­zu zähl­te auch die Bil­li­gung, Men­schen für me­di­zi­ni­sche Ex­pe­ri­men­te zu ent­füh­ren – wie Mul­ders Schwes­ter. Wäh­rend der Spuk an­sons­ten mit Selbst­iro­nie und Hu­mor ge­bro­chen wur­de, blieb die­ser Teil der Se­rie im­mer düs­ter, be­völ­kert mit At­ten­tä­tern, Über­läu­fern und Ver­rä­tern.

„Ak­te X“traf den Zeit­geist, kom­bi­nier­te „Twin Peaks“mit „Twi­light Zo­ne“und wag­te es, ei­ne Ge­schich­te ho­ri­zon­tal zu er­zäh­len, al­so über Staf­feln hin­weg. Im Früh­jahr gibt es sechs neue Fol­gen mit Mul­der und Scul­ly. Dass sie der Wahr­heits­fin­dung die­nen, ist nicht zu er­war­ten.

Info „Ak­te X“, 1993-2002, 202 Fol­gen

FOTO: PROSIE­BEN

Da­vid Duchov­ny und Gil­li­an An­der­son keh­ren 2016 zu­rück.

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