Jür­gen Becker nimmt Weih­nachts­bräu­che auf die Schip­pe

Der Ka­ba­ret­tist wid­me­te sich mit char­man­tem Halb­wis­sen und har­ten Fak­ten den Ge­pflo­gen­hei­ten in der Ad­vents­zeit.

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALE KULTUR - VON CHRIS­TI­AN OS­CAR GAZSI LA­KI

Wo­her kommt ei­gent­lich un­ser Weih­nachts­fest? Wie­so fei­ern wir es im Win­ter? Und was hat es mit den Weih­nachts­lie­dern auf sich? Was ha­ben Stier­ho­den mit Bi­schofs­müt­zen ge­mein?

Ja, um durch­aus sin­ni­ge, aber auch we­ni­ger sin­ni­ge Fra­ge­stel­lun­gen rund um weih­nacht­li­che Bräu­che, Tra­di­tio­nen, Mu­sik, aber auch um mes­ser­scharf re­cher­chier­te Hin­ter­grün­de aus dem Be­reich der Iro­nie ging es am vier­ten Ad­vent in der Kai­ser-Fried­rich-Hal­le. Man konn­te er­fah­ren, wie­so es so wich­tig ist, Frem­den of­fen ge­gen­über zu sein. Oder auch, dass un­se­re christ­li­chen Win­ter­bräu­che nicht im­mer ganz so rein und ur­sprüng­lich sind.

Kein ge­rin­ge­rer als Jür­gen Becker – Gast­ge­ber der Ka­ba­rettsen­dung Mit­ter­nachts­spit­zen – lud ein und frag­te frech: ”Why Nach­ten?”.

Al­ler­dings be­stritt er die­sen Ritt vom al­ten Rom über In­te­gra­ti­on bis zum Ni­ko­laus, von den Ger­ma­nen zum Weih­nachts­shop­ping und wie­der zu­rück zu Kar­ne­val und Papst, nicht al­lein. Als Si­de­kick stand ihm der Wahl-Köl­ner Tau­send­sas­sa Mar­tin Stan­kow­ski zur Sei­te. Hin und wie­der et­was sprö­de kor­ri­gier­te er be­wusst neun­mal­klug den ger­ne schwa­dro­nie­ren­den Becker. Der wie­der­um in sei­ner so ty­pi­schen Art den Fa­den auf­nahm, um von Hölz­chen auf Stöck­chen zu kom­men. So er­zähl­te er bei­spiels­wei­se, dass Weih­nach­ten schlicht nur des­halb er­fun­den wor­den sei, um den Ger- ma­nen sei­ner­zeit das Chris­ten­tum schmack­haft zu ma­chen. Oder gab den Hin­weis, dass der all­seits be­lieb­te Weih­nachts­mann ein Re-Im­port aus Ame­ri­ka sei. Er trägt rot, weil er Wer­bung für Co­ca-Co­la macht. Viel char­man­tes Halb­wis­sen, aber auch har­te Fak­ten tra­fen auf klas­si­sches Ka­ba­rett.

Doch ist dies nur die ei­ne Sei­te. Die an­de­re war mu­si­ka­lisch. Dank des Blä­ser­quar­tetts “Tal­king Horns” - das sind Achim Fink, Ste­phan Schul­ze, Andre­as Gil­gen­berg und Bernd Win­ter­schla­den - wur­de es zwi­schen­durch jaz­zig, skur­ril, oder auch mal ganz stil­echt “klas­sisch”. Mit ent­spre­chen­den Er­läu­te­run­gen de­kon­stru­ier­ten die Mu­si­ker so man­ches Weih­nachts­lied, lie­ßen auf­hor­chen bei aus­ge­spro­chen raf- fi­nier­ten Ar­ran­ge­ments. Und so konn­ten die Zu­schau­er auch er­fah­ren, dass man­ches Weih­nachts­lied an­fangs gar nicht als sol­ches kon­zi­piert war. Mu­sik und Wort misch­ten sich zu ei­nem un­ter­halt­sa­men, ge­müt­lich da­hin­plät­schern­den Abend mit wohl do­sier­tem Biss.

Am En­de hat­te man es ver­stan­den: Das “Be­triebs­ge­heim­nis” des Chris­ten­tums lässt sich am bes­ten mit ei­nem köl­schen Witz ver­deut­li­chen, in­dem Tün­nes sich “ab­sicht­lich mit ei­nem Ham­mer auf den Dau­men haut”. Auf die Fra­ge von Schäl, wie­so er dies tue, sagt Tün­nes: “Es ist so schön, wenn das auf­hört”. “Das ist der Trick”, er­klär­te Becker süf­fi­sant, “wenn der Schmerz nach­lässt, dann be­ginnt die Se­lig­keit!”

RP-FOTO: KNAP­PE

Be­trach­te­te die Weih­nachts­bräu­che mit ei­nem Au­gen­zwin­kern: Ka­ba­ret­tist Jür­gen Becker in der Kai­ser-Freid­rich-Hal­le.

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