Xha­ka be­kommt sei­ne Emo­tio­nen nicht in den Griff

Glad­bachs Geg­ner ha­ben längst er­kannt, wie leicht der Schwei­zer mit Pro­vo­ka­tio­nen aus dem Spiel zu neh­men ist.

Rheinische Post Moenchengladbach - - SPORT - VON STE­FAN KLÜTTERMANN

MÖN­CHEN­GLAD­BACH Sie mö­gen ihn bei Bo­rus­sia, ih­ren Gra­nit Xha­ka. Der Schwei­zer nimmt sich Zeit für die Fans, für ei­nen Plausch mit den Ord­nern, er hat Ma­nie­ren, trägt das Herz auf der Zun­ge, und ganz ne­ben­bei ist er ein äu­ßerst ta­len­tier­ter Mit­tel­feld­spie­ler. Aber sie ver­zwei­feln bei Bo­rus­sia auch an ih­rem Gra­nit Xha­ka. Weil sie sich spä­tes­tens seit Sonn­tag­abend ein­ge­ste­hen müs­sen, dass es an­schei­nend nicht ge­lingt, die Emo­tio­nen des 23-Jäh­ri­gen aus­schließ­lich in po­si­ti­ve Ener­gie auf dem Platz um­zu­mün­zen. Xha­ka ist nie nur Dr. Je­kyll, er ist im­mer auch ein biss­chen Mr. Hy­de. Er ist nie nur der be­ein­dru­cken­de Stra- te­ge im Glad­ba­cher Spiel, er kann auch zu dem wer­den, der wie nun beim 3:2 ge­gen Darm­stadt sei­nen Ge­gen­spie­ler aus Frust um­tritt und Bo­rus­sia so mit ei­nem Platz­ver­weis ent­schei­dend schwächt.

Man wer­de das mit ihm in­tern be­spre­chen, sag­te Trai­ner An­dré Schu­bert über Xha­ka im Nach­gang des Darm­stadt-Spiels. Es ist das, was sie im­mer sa­gen in Mön­chen­glad­bach, wenn Xha­ka mal wie­der zur ne­ga­ti­ven Haupt­fi­gur ei­nes Spiels ge­wor­den ist. Al­lein, der Mund der Ver­ant­wort­li­chen dürf­te längst fus­se­lig sein. Die Ro­te Kar­te jetzt war be­reits Xha­kas sechs­ter Platz­ver­weis im 127. Pflicht­spiel für Bo­rus­sia. Die Sper­re ist be­reits die ne­un­te Sper­re, die er als Glad­ba­cher ab­sit­zen muss, und weil er wei­ter bei vier Gel­ben Kar­ten steht, ist die zehn­te Zwangs­pau­se nur ei­ne Fra­ge der Zeit.

Xha­kas Spiel lebt von der Emo­ti­on. Wenn der Schwei­zer mit Ko­so­vo-Wur­zeln die Emo­ti­on un­ter Kon­trol­le hat, macht sie ihn zu ei­nem der bes­ten Mit­tel­feld­spie­ler der Li­ga. Wenn nicht, reicht die Pro­vo­ka­ti­on ei­nes Ge­gen­spie­lers aus, um Xha­ka aus der Par­tie zu neh­men. Er flog in die­ser Hin­run­de drei­mal vom Platz – in Bre­men und ge­gen die Auf­stei­ger In­gol­stadt und Darm­stadt. Schu­bert hat­te bei sei­nem Amts­an­tritt im Sep­tem­ber ver­sucht, Xha­ka über die Er­nen­nung zum Ka­pi­tän zu mehr Selbst­kon­trol­le zu er­zie­hen. Nun müs­sen Schu­bert und ganz Bo­rus­sia ein­se­hen: Es blieb ein Ver­such. Bei der Au­f­ar­bei­tung der Platz­ver­wei­se spielt auch die Ein­sicht Xha­kas ei­ne Rol­le. Und die ist zu­min­dest vor­han­den: So ent­schul­dig­te er sich in der Halb­zeit bei der Mann­schaft für sein Fehl­ver­hal­ten und sag­te laut Team­kol­le­ge Lars St­indl: „Ihr lasst euch das nicht neh­men!“und „Ihr kriegt das heu­te noch hin!“Ges­tern nun ent­schied er sich zu­dem, ei­ne Spen­de an die Bo­rus­sia-Stif­tung zu leis­ten.

Als es Sport­di­rek­tor Max Eberl An­fang die­ses Jah­res ge­lun­gen war, den Ver­trag mit Xha­ka bis 2019 zu ver­län­gern, galt das zu­recht als Coup. Denn Xha­ka stand da­mals und steht heu­te wei­ter­hin im Fo­kus eu­ro­päi­scher Spit­zen­ver­ei­ne, und die wer­den mal ei­ne statt­li­che Ab­lö­se­sum­me zah­len müs­sen, um ihn aus Glad­bach los­zu­ei­sen. Al­lein, auch die­se Spit­zen­ver­ei­ne re­gis­trie­ren, wel­che Ne­ben­wir­kun­gen sie mit Xha­ka ein­kau­fen wür­den. Und wo­mög­lich lässt das den ein oder an­de­ren In­ter­es­sen­ten der­zeit noch in die­ser Per­so­na­lie zö­gern.

FOTO: IMAGO

Gra­nit Xha­ka

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