Blat­ter will ge­gen Sper­re vor­ge­hen

Der Prä­si­dent des Fuß­bal­lwelt­ver­bands Fi­fa ist von der Ethik­kom­mis­si­on für acht Jah­re ge­sperrt wor­den – eben­so lan­ge ist auch Ue­fa-Chef Mi­chel Pla­ti­ni von al­len Äm­tern aus­ge­schlos­sen. Blat­ter gab ei­ne denk­wür­di­ge Pres­se­kon­fe­renz.

Rheinische Post Moenchengladbach - - SPORT - VON GI­AN­NI COS­TA

ZÜ­RICH/DÜSSELDORF Ver­mut­lich macht sich Jo­seph, ge­nannt Sepp, Blat­ter schon über sein Come­back Ge­dan­ken. Wenn der Prä­si­dent des Welt­ver­bands Fi­fa die von der so­ge­nann­ten rechts­spre­chen­den Kam­mer der Ethik­kom­mis­si­on ver­häng­te acht­jäh­ri­ge Sper­re ab­ge­brummt hat, ist er ge­ra­de ein­mal 87 Jah­re alt. Al­so im bes­ten Funk­tio­närs­al­ter.

Mi­chel Pla­ti­ni, Prä­si­dent der Ue­fa, ist dann so­gar erst 68 und qua­si noch am An­fang sei­ner Lauf­bahn in der Or­ga­ni­sa­ti­on. Bei­de sind je­den­falls fins­ter ent­schlos­sen, wei­ter um ih­re be­ruf­li­che Zu­kunft zu Sepp Blat­ter Fi­fa-Prä­si­dent kämp­fen und ha­ben Ein­spruch ge­gen das Ur­teil an­ge­kün­digt. Blat­ter hat das auf ei­ner Pres­se­kon­fe­renz trot­zig an­ge­kün­digt. Es war ein denk­wür­di­ger Auf­tritt, bei dem er zu­nächst noch ein­mal in Er­in­ne­rung schwelg­te, wie er vor fünf Jah­ren an sel­ber Stel­le in Zü­rich ne­ben Nel­son Man­de­la saß. Der ver­trat WM-Gast­ge­ber Süd­afri­ka in der Schweiz. Und Blat­ter sieht sich selbst eher in der Ka­te­go­rie Frie­dens­no­bel­preis­trä­ger denn als Ma­fia-Boss. „Ich wer­de kämp­fen – für die Fi­fa, für mich“, kün­dig­te Blat­ter an. „Für mich gel­ten auch Rech­te.“Oh­ne­hin sei die Ethik­kom­mis­si­on über­haupt nicht be­rech­tigt, über ihn, den von den Mit­glieds­ver­bän­den ge­wähl­ten Prä­si­den­ten, zu ur­tei­len. Das könn­ten eben nur die in der Fi­fa or­ga­ni­sier­ten Län­der. Die­se ei­gen­wil­li­ge In­ter­pre­ta­ti­on der Sta­tu­ten hat er einst­wei­len ex­klu­siv.

Vor dem Sport­ge­richts­hof CAS und dem Schwei­zer Bun­des­ge­richt wä­ren noch Kla­gen ge­gen die Sank­tio­nen mög­lich. Die Aus­sicht auf Er­folg sind in­des nicht be­son­ders groß. Ge­gen die bei­den Fuß­ball­funk­tio­nä­re wird we­gen ei­ner du­bio­sen Zah­lung von zwei Mil­lio­nen Fran­ken im Jahr 2011 er­mit­telt. Bei­de be­haup­ten, es han­de­le sich um ei­ne ver­spä­te­te Ho­nor­ar­zah­lung für Pla­ti­nis Di­ens­te für die Fi­fa aus den Jah­ren 1998 bis 2002.

Die Kam­mer der Ethik­kom­mis­si­on sieht dies an­ders. In ei­ner schrift­li­chen Stel­lung­nah­me heißt es, „es gab kei­ne recht­li­che Ba­sis für die Zah­lung“. Au­ßer­dem hät­ten so­wohl Blat­ter als auch Pla­ti­ni ih­re Treue­pflicht ge­gen­über der Fi­fa ver­letzt. Die er­mit­teln­de Kam­mer hat­te für Blat­ter und Pla­ti­ni so­gar ei­ne le­bens­lan­ge Sper­re ge­for­dert. Blat­ter muss zu­sätz­lich ei­ne Geld­stra­fe von 50.000 Schwei­zer Fran­ken zah­len, Pla­ti­ni wur­de mit 80.000 Schwei­zer Fran­ken Stra­fe be­legt.

Blat­ter, der, bis sei­ne Nach­fol­ge auf dem Fi­fa-Kon­gress am 26. Fe­bru­ar ge­klärt wird, of­fi­zi­ell im Amt bleibt, klam­mert sich noch im­mer fest an die Macht. Er will nicht ein­se­hen, dass sei­ne Zeit ab­ge­lau­fen ist. Ver­mut­lich macht er das auch des­halb so hart­nä­ckig, weil er weiß, dass sich das Sys­tem nicht än­dern wird. In der DNA der Fi­fa ist Klün­ge­lei ein fes­ter Be­stand­teil. Hilfst du mir, hel­fe ich dir. Sehr lan­ge ist das so gut­ge­gan­gen. Weil je­der ein be­rech­tig­tes In­ter­es­se dar­an hat­te, dass es eben kei­ne Trans­pa­renz in der Fi­fa gibt. Maß­geb­lich vor­an­ge­trie­ben wer­den die Er­mitt­lun­gen von der US-Jus­tiz. Auf­ge­deckt wur­de ein Sumpf aus Kor­rup­ti­on, Geld­wä­sche und an­de­ren kri­mi­nel­len Ver­ge­hen. Den Er­geb­nis­sen konn­ten sich auch die Schwei­zer Be­hör­den nicht mehr durch jah­re­lang ein­ge­üb­tes Weg­se­hen ent­zie­hen.

Die Fi­fa braucht drin­gend ei­nen Neu­an­fang. Die Fi­fa braucht noch

„Ich wer­de kämp­fen – für die Fi­fa, für mich“

viel drin­gen­der neue Struk­tu­ren. Doch wer soll­te das for­dern? Die Eu­ro­pä­er, die in der Ver­gan­gen­heit auf die Ein­hal­tung ethi­scher und mo­ra­li­scher Stan­dards be­son­ders laut­stark ge­pocht ha­ben, wur­den in gro­ßen Tei­len als ge­nau­so kor­rupt de­mas­kiert und ha­ben sich so als Auf­klä­rer dis­qua­li­fi­ziert. Un­längst ist Wolf­gang Niers­bach über Un­ge­reimt­hei­ten bei der WM 2006 ge­stol­pert. Niers­bach wur­de als mög­li­cher Nach­fol­ger von Pla­ti­ni bei der Ue­fa ge­han­delt. Doch nach sei­nem Rück­tritt als DFB-Prä­si­dent steht Niers­bach im Ab­seits. In Deutsch­land ist nie­mand in Sicht, der in ab­seh­ba­rer Zeit auf dem in­ter­na­tio­na­len Par­kett Kon­tak­te knüp­fen könn­te. Der DFB ist viel zu sehr mit sich selbst be­schäf­tigt.

FOTO: DPA

Ge­zeich­net: Sepp Blat­ter hat sich ein Mut­ter­mal ent­fer­nen las­sen.

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Mi­chel Pla­ti­ni

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