Als die Kur­den den Land­tag stürm­ten

Par­la­ments­prä­si­den­tin Ca­ri­na Gö­de­cke (SPD) zeigt sich groß­zü­gig, doch der Zweck hei­ligt nicht die Mit­tel. Der Haus­frie­dens­bruch muss Kon­se­quen­zen ha­ben.

Rheinische Post Moenchengladbach - - POLITIK - Ih­re Mei­nung? Schrei­ben Sie un­se­rem Au­tor: ko­lum­ne@rheinische-post.de

Sechs Me­ter hoch ist die Nord­mann­tan­ne, die zu Be­ginn der Ad­vents­zeit im Foy­er (der „Bür­ger­hal­le“) des Land­tags auf­ge­stellt wur­de. Das Pracht­stück, ge­spen­det vom Wald­bau­ern­ver­band NRW, ist mit ro­ten und sil­ber­nen Ku­geln ge­schmückt und ver­brei­tet be­hag­li­che weih­nacht­li­che Stim­mung. Doch in der ver­gan­ge­nen Wo­che war’s da­mit plötz­lich vor­bei. Viel­mehr herrsch­ten Hek­tik und Stim­men­ge­wirr, weil es ei­ner Grup­pe von zwölf Kur­den ge­lun­gen war, in die „Bür­ger­hal­le“ein­zu­drin­gen. Dort setz­ten sich die Frau­en und Män­ner auf den Bo­den und hiel­ten Pla­ka­te des eins­ti­gen Füh­rers der Kur­di­schen Ar­bei­ter­par­tei PKK, Ab­dul­lah Öca­lan, in die Hö­he, um auf die de­sas­trö­se La­ge der Kur­den in der Tür­kei auf­merk­sam zu ma­chen.

Die De­mons­tran­ten wa­ren of­fen­bar blitz­ar­tig durch den mit Dre­hund Schie­be­tür ge­si­cher­ten Ein­gangs­be­reich in den Land­tag ge­schlüpft. Äl­te­re Be­ob­ach­ter hat­ten Ähn­li­ches schon ein­mal erlebt: Im Früh­jahr 1992 wa­ren rund 100 auf­ge­brach­te Kur­den in das Land­tags­foy­er ge­stürmt. Vor der von Po­li­zis­ten ge­si­cher­ten Trep­pe, die hin­auf zum Plenar­saal führt, reck­ten sie ih­re Fäus­te be­droh­lich in die Luft und skan­dier­ten Pa­ro­len. Den her­bei­ge­eil­ten Po­li­ti­kern ge­lang es je­doch nach ei­ni­ger Zeit, die Män­ner zum Ver­las­sen des Ge­bäu­des zu be­we­gen.

Jah­re spä­ter wur­de der Land­tag mit ei­ner Tor-Son­de für Be­su­cher (ähn­lich wie auf dem Flug­ha­fen) so­wie mit wei­te­ren Si­che­rungs­ein­rich­tun­gen ver­se­hen. Doch das al­les hat nicht ver­hin­dern kön­nen, dass jetzt aber­mals auf­ge­brach­te De- mons­tran­ten ins Par­la­ment vor­ge­drun­gen sind. Wäh­rend sich Land­tags­prä­si­den­tin Ca­ri­na Gö­de­cke (SPD) be­reit­er­klär­te, mit ei­ner Ab­ord­nung zu re­den, um zu de­es­ka­lie­ren, tru­gen die am Land­tag pos­tier­ten Po­li­zis­ten sich wi­der­set­zen­de Kur­den aus dem Ge­bäu­de.

Al­les halb so schlimm? Das sieht der CDU-Ab­ge­ord­ne­te Wer­ner Lohn, selbst aus­ge­bil­de­ter Po­li­zist, zu Recht völ­lig an­ders. Er hat jetzt An­zei­ge ge­gen die Kur­den we­gen Haus­frie­dens­bruchs und Wi­der­stands ge­gen Po­li­zis­ten er­stat­tet. Lohn kann nicht nach­voll­zie­hen, dass Gö­de­cke von recht­li­chen Schrit­ten ab­se­hen will.

Es mag ja sein, dass die Land­tags­prä­si­den­tin vor­weih­nacht­lich mil­de ge­stimmt war, aber ih­re Nach­sicht ist das fal­sche Si­gnal. Das Par­la­ment ist aus gu­ten Grün­den ein be­son­ders ge­schütz­ter Raum, den es zu re­spek­tie­ren gilt. Wer sich nicht dar­an hält, muss mit Kon­se­quen­zen rech­nen. Auch im Fal­le der Kur­den hei­ligt der Zweck nicht die Mit­tel. Im Üb­ri­gen muss der Land­tag jetzt un­be­dingt sein Si­cher­heits­kon­zept ver­bes­sern.

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