Tou­ris­mus in Beth­le­hem bricht we­gen Ge­walt ein

Rheinische Post Moenchengladbach - - WIRTSCHAFT -

BETH­LE­HEM (dpa) Zu Weih­nach­ten blei­ben in Beth­le­hem we­gen der an­hal­ten­den Ge­walt­wel­le in Is­ra­el und den Pa­läs­ti­nen­ser­ge­bie­ten die Tou­ris­ten aus. Die Ho­tels sei­en nicht ein­mal zu 40 Pro­zent aus­ge­bucht, sag­te Bür­ger­meis­te­rin Ve­ra Ba­bun. Üb­li­cher­wei­se sei­en die Un­ter­künf­te zu Weih­nach­ten voll be­legt. Die Stadt im West­jor­dan­land ist nach christ­li­chem Glau­ben der Ge­burts­ort von Je­sus Chris­tus.

Seit An­fang Ok­to­ber ha­ben Pa­läs­ti­nen­ser in Is­ra­el und den Pa­läs­ti- nen­ser­ge­bie­ten bei zahl­rei­chen An­grif­fen 18 Is­rae­lis ge­tö­tet. Die An­grei­fer wur­den oft von Si­cher­heits­kräf­ten er­schos­sen. Ins­ge­samt star­ben 128 Pa­läs­ti­nen­ser. Als ein Aus­lö­ser für die Ge­walt­wel­le gilt ein Streit um Be­suchs- und Ge­bets­rech­te auf dem Tem­pel­berg in Je­ru­sa­lem, der Mus­li­men und Ju­den hei­lig ist.

Auf dem Platz vor der Ge­burts­kir­che in Beth­le­hem steht der 15 Me­ter ho­he Weih­nachts­baum mit Lich­ter­ket­ten. Da­ne­ben hän­gen Leuchts­ter­ne. Doch vie­le Tou­ris­ten sind nicht un­ter­wegs, selbst die son­ni­gen Plät­ze in Re­stau­rants blei­ben leer. Me­for Phi­na ist mit ei­ner Grup­pe aus Ni­ge­ria nach Beth­le­hem ge­kom­men. „Ich ha­be kei­ne Angst“, sagt die 36-Jäh­ri­ge nach ei­nem Be­such der Kir­che. Zehn Ta­ge sind sie im Hei­li­gen Land un­ter­wegs. „Wir ha­ben dar­über nach­ge­dacht, aber man hat uns ge­sagt, dass es si­cher ist“, sagt ihr Be­glei­ter Jo­el Gi­wa.

2014 wa­ren laut Tou­ris­ten-Po­li­zei im De­zem­ber 78.783 Be­su­cher nach Beth­le­hem ge­kom­men, im gan­zen Jahr rund 1,1 Mil­lio­nen. 2013 wa­ren es 1,2 Mil­lio­nen. Zum Ver­gleich: Bis En­de No­vem­ber reis­ten 798.000 Tou­ris­ten an.

„Ich ha­be kei­ne Hoff­nung, dass das Ge­schäft wie­der läuft“, sagt Ma­kram Kum­se­jeh, der ein tür­ki­sches Bad be­treibt. „Die Tou­ris­ten kom­men nicht.“Oh­ne Frie­den wer­de sich das auch nicht än­dern. Für die ers­ten Mo­na­te des kom­men­den Jah­res ha­be er erst­mals zu die­ser Jah­res­zeit kei­ne Re­ser­vie­run­gen. Tou­ris­ten­füh­rer Is­sa Abu Daud war- tet auf Tou­ris­ten, de­nen er die Ge­burts­kir­che zei­gen kann: „Die­ses Jahr kom­men 80 Pro­zent we­ni­ger, 2014 wa­ren es schon 50 Pro­zent we­ni­ger.“Frü­her sei­en auch noch vie­le rus­si­sche Gäs­te von Ägyp­ten aus in die Re­gi­on ge­kom­men. Nach dem Ab­sturz des rus­si­schen Pas­sa­gier­jets über dem Si­nai En­de Ok­to­ber blie­ben die­se aus. Bür­ger­meis­te­rin Ba­bun spricht von ei­nem Zu­stand der Ab­nor­ma­li­tät: „Beth­le­hem ist die Stadt des Frie­dens“, sagt sie: „Und hier herrscht kein Frie­den.“

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