125 Jah­re Ski­lauf im Schwarz­wald

Im Jahr 1891 kommt der fran­zö­si­sche Di­plo­mat Ro­bert Pi­let mit selt­sa­men Bret­tern auf den Feld­berg. Dort im Hoch­schwarz­wald be­ginnt vor 125 Jah­ren das Ski­lau­fen in Mit­tel­eu­ro­pa.

Rheinische Post Moenchengladbach - - KULTUR - VON BERND F. MEI­ER

Trägt der Rei­sen­de ein Nar­ren­kos­tüm? Zäh­len die selt­sa­men Holz­bret­ter und der Stock zu sei­ner Ver­klei­dung? Es ist der Fast­nachts­sonn­tag 1891, als Ro­bert Pi­let am Bahn­hof Ti­ti­see aus dem Zug steigt. Er macht sich auf den Weg zum Feld­berg und sorgt bei den Ein­hei­mi­schen für gro­ße Ver­wun­de­rung.

Zwei Me­ter Neu­schnee sol­len an die­sem Tag auf dem 1493 Me­ter ho­hen Gip­fel ge­le­gen ha­ben. Mehr als drei St­un­den wird der fran­zö­si­sche Di­plo­mat auf Ski­ern für die zehn Ki­lo­me­ter lan­ge We­gestre­cke bis zum Ho­tel „Feld­ber­ger Hof“brau­chen. Über 1000 Hö­hen­me­ter stapft Pi­let durch die Win­ter­welt berg­auf. Fünf St­un­den spä­ter steht der 33 Jah­re al­te Glo­be­trot­ter auf dem Gip­fel. In der Däm­me­rung des Nach­mit­tags kehrt der Pio­nier im Ho­tel ein und schreibt ins Gäs­te­buch: „R. Pi­let, Dr., Hei­del­berg, Fe­bru­ar 1891, mit Nor­we­gi­schen Schnee­schu­hen“.

„Das ist der Be­ginn des Ski­lau­fes im Schwarz­wald vor 125 Jah­ren und da­mit wohl auch in Mit­tel­eu­ro­pa“, sagt Rein­hard Ja­nus vom Skiclub Todt­nau. „Pi­let hat­te die Holz­bret­ter zum Glei­ten über den Schnee auf sei­nen Rei­sen in Skan­di­na­vi­en ken­nen­ge­lernt. In Nor­we­gen wur­den sie Ski ge­nannt.“In den Mo­na­ten nach Pi­lets Wan­de­rung auf Ski­ern ent­de­cken mehr und mehr Win­ter­tou­ris­ten den Feld­berg.

Über die An­fän­ge des Win­ter­sports in­for­miert heu­te das Schwarz­wäl­der Ski­mu­se­um, das im mehr als 300 Jah­re al­ten Bau­ern­ge­höft Hu­gen­hof in Hin­ter­zar­ten ein­ge­rich­tet wur­de. Nur die Be­tuch­ten kön­nen sich En­de des 19. Jahr­hun­derts den Win­ter­ur­laub auf Ski­ern leis­ten und ganz no­bel im „Feld­ber­ger Hof“näch­ti­gen. Im All­tag nut­zen bald auch Ein­hei­mi­sche die neu­en Fort­be­we­gungs­mit­tel: Pfar­rer, Po­li­zis­ten, Brief­trä­ger und Heb­am­men glei­ten auf Lang­lauf­ski­ern selbst zu ent­le­ge­nen Bau­ern­ge­höf­ten.

Schrei­ner Ernst Köp­fer aus Bernau süd­lich des Feld­bergs ist es, der das wirt­schaft­li­che Po­ten­ti­al des Win­ter­sports er­kennt. Er baut 1892 als ers­ter Mensch in Mit­tel­eu­ro­pa ei­ne Ski­pro­duk­ti­on in Se­rie auf. Vor­bild sind die Bret­ter aus Nor­we­gen. Als „Mar­ke Feld­berg“sind die Bret­ter von Ski-Köp­fer ab 1906 beim Kai­ser­li­chen Pa­tent- und Mar­ken­amt in Ber­lin ein­ge­tra­gen. En­kel­sohn Wal­ter hält in ei­nem pri­va­ten Mu­se­um lie­be­voll das An­den­ken an den Ski­pio­nier hoch.

Im ein­sa­men Schol­la­cher Tal grü­belt Gast­wirt Ro­bert Win­ter­hal­der zu Be­ginn des 20. Jahr­hun­derts dar­über, wie er Ski­fah­rer in sei­ne Pen­si­on „Schne­cken­hof“lo­cken könn­te. Der Tüft­ler baut am Hang ge­gen­über fünf Holz­mas­ten auf. Da­zu Ta­lund Berg­sta­ti­on mit Um­lauf­rä­dern und End­losseil, an das spe­zi­el­le Zangen und Holz­grif­fe für die Fahr­gäs­te ge­klemmt wer­den. Zum An­trieb des Mo­tors nutzt er die Was­ser­kraft sei­ner Müh­le in der Ta­laue.

Am 14. Fe­bru­ar 1908 geht der Schol­la­cher Ski­lift in Be­trieb. Er ist 280 Me­ter lang und über­win­det 23 Me­ter Hö­hen­un­ter­schied. „Es war der ers­te welt­weit“, be­kräf­tigt En­kel­sohn Klaus. Mit dem Lift löst Win­ter­hal­der ei­nen An­sturm von Win­ter­sport­lern aus. Wer­be­pro­spek­te prei­sen sei­ne Auf­zugs­bahn.

Am Feld­berg ist aus ei­nem Exo­ten­sport längst ein Win­ter­spaß für al­le ge­wor­den. Aus dem no­blen „Feld­ber­ger Hof“wur­de ein 500-Bet­ten-Ho­tel für Fa­mi­li­en mit Kin­dern. 14 Ses­sel­bah­nen und Lif­te am Feld­berg kön­nen stünd­lich über 24.000 Win­ter­sport­ler zu den 16 Pis­ten ver­schie­de­ner Schwie­rig­keits­gra­de trans­por­tie­ren. In­for­ma­tio­nen Hoch­schwarz­wald Tou­ris­mus, Tel. 07652 12060, www.hoch­schwarz­wald.de

FOTO: HO­TEL FELD­BER­GER HOF FOTO: GE­MEIN­DE FELD­BERG

Im „Feld­ber­ger Hof“– hier ei­ne his­to­ri­sche Auf­nah­me um 1911 – konn­ten sich frü­her nur wohl­ha­ben­de Men­schen ei­ne Über­nach­tung leis­ten. So sah der fran­zö­si­sche Di­plo­mat Ro­bert Pi­let aus, als er 1891 mit sei­nen neu­ar­ti­gen Ski­ern in den Schwarz­wald kam.

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