Stadt ist so voll wie seit Jahr­zehn­ten nicht

Ver­stopf­te Stra­ßen, stei­gen­de Kauf­lau­ne, ein be­geis­ter­tes Ci­ty­ma­nage­ment: Der Auf­schwung der Ein­kaufs­stadt zu­rück zum Ober­zen­trum ist spür­bar. Nur Win­ter­mo­de er­weist sich als La­den­hü­ter. In Kür­ze sie­delt sich neue Gas­tro­no­mie an.

Rheinische Post Moenchengladbach - - WISSEN - VON JAN SCHNETTLER UND NI­CO­LE SCHARFETTER

Das Fa­zit von Jes­si­ca Qu­ei­ßer fällt ge­mischt aus. „Klar, es ist ge­ra­de rich­tig, rich­tig voll bei uns“, sagt die Cen­terma­na­ge­rin des Min­to. „Aber der Fa­shion-Be­reich lei­det doch ziem­lich.“An­ge­sichts der ho­hen Tem­pe­ra­tu­ren kau­fe schlicht­weg nie­mand Win­ter­mo­de und -schu­he. Und falls es im neu­en Jahr doch noch rich­tig kalt wird? „Lei­der ist der deut­sche Ein­zel­han­del noch nicht fle­xi­bel ge­nug, um auf so et­was dann ent­spre­chend zu re­agie­ren“, sagt Qu­ei­ßer. Denn im Früh­jahr sei das Klei­dungs­an­ge­bot oft schon wie­der in Rich­tung Som­mer aus­ge­rich­tet. Heißt: Die be­trof­fe­nen Händ­ler ha­ben Um­satz­ein­bu­ßen.

„Wenn im Ja­nu­ar und Fe­bru­ar 2016 die Tem­pe­ra­tu­ren sin­ken, wird auch hier ei­ne hö­he­re Nach­fra­ge er­war­tet“, pro­gnos­ti­ziert hin­ge­gen Björn Mu­si­ol, Re­gio­nal­re­fe­rent beim Han­dels­ver­band Nord­rheinWest­fa­len-Rhein­land. Über­haupt froh­lockt der Han­dels­ver­band an­ge­sichts ho­her Be­su­cher­fre­quen­zen in den In­nen­städ­ten an Rhein und Ruhr. „Bei den meis­ten Ein­zel­händ­lern wur­de am vier­ten Ad­vents­sams­tag, wie in den letz­ten Jah­ren, der höchs­te Um­satz im Weih­nachts­ge­schäft ver­bucht. Vie­le Kun­den tä- ti­gen ih­re Weih­nachts­ein­käu­fe im­mer dich­ter an Hei­lig­abend. Ein Um­satz­plus spü­ren ins­be­son­de­re Ein­zel­händ­ler, die ihr sta­tio­nä­res Ge­schäft mit dem Online-Han­del sinn­voll ver­knüp­fen oder ih­ren Kun­den be­son­de­re Ser­vice­leis­tun­gen an­bie­ten“, so Mu­si­ol wei­ter.

Das Glad­ba­cher Ci­ty­ma­nage­ment be­stä­tigt die po­si­ti­ve Grund­stim­mung. Vor­sit­zen­der Ste­fan Wim­mers spricht von „sen­sa­tio­nel­len“Be­suchs­zah­len: „Der letz­te Ad­vents­sams­tag war der ab­so­lu­te Kra- cher. Selbst Sonn­tag war die Stadt bei gu­tem Spa­zier­wet­ter voll, ob­wohl gar kei­ne Ge­schäf­te auf hat­ten.“Selbst die­je­ni­gen Händ­ler, die sich nor­ma­ler­wei­se zu­rück­hal­tend äu­ßern, hät­ten ein „brei­tes Grin­sen“im Ge­sicht. Mön­chen­glad­bach sei wie­der wer, der Weg zu­rück zum Ober­zen­trum sei er­folg­reich ab­ge­schlos­sen: „Ein Quan­ten­sprung.“

Und in der Tat: Wer der­zeit rund um die Hin­den­burg­stra­ße mit dem Au­to un­ter­wegs ist, kommt nicht um­hin zu be­mer­ken, wie voll­ge- stopft die Stra­ßen zum und vom Min­to oft sind. Mit Au­tos mit vie­len, vie­len aus­wär­ti­gen Kenn­zei­chen. Er kön­ne sich nicht er­in­nern, sagt Wim­mers, dass die Stadt in den letz­ten 25 Jah­ren ein­mal der­art voll ge­we­sen sei: „Und wenn es so voll ist wie noch nie, müss­ten die Um­sät­ze ja ei­gent­lich fol­gen.“

Für die Rich­tig­keit die­ser Fol­ge­rung gibt es ge­nü­gend Bei­spie­le. Bo­rus­si­as Fan­shop im Min­to ha­be das „bes­te Er­geb­nis al­ler Zei­ten im Weih­nachts­ge­schäft“er­zielt, sagt et­wa Club­spre­cher Lüb­bo Pop­ken – „mehr als frü­her im Ma­ri­en­hof und in Rhe­ydt zu­sam­men“. Auch bei der May­er­schen Buch­hand­lung gibt man sich „sehr zu­frie­den“mit dem Weih­nachts­ge­schäft.

Vie­le Händ­ler er­war­te­ten für die die ver­blei­ben­den St­un­den bis Hei­lig­abend, dass sich noch et­li­che Kun­den ins­be­son­de­re mit hoch­wer­ti­gen Le­bens­mit­teln ein­de­cken und Last-Mi­nu­te-Käufer ih­re Weih­nachts­ge­schen­ke er­ste­hen (Be­richt: Sei­te C 3), sagt Björn Mu­si­ol. Die Kauf­lau­ne dürf­te je­doch auch da­nach kaum ab­neh­men – der deut­sche Kon­sum­kli­ma-In­dex der Markt­for­schungs­fir­ma GFK legt der­zeit erst­mals seit fünf Mo­na­ten wie­der zu, un­ge­ach­tet der Flücht­lings­kri­se und Ter­ror­angst.

Ab dem kom­men­den Früh­jahr kön­nen sich die Mön­chen­glad­ba­cher üb­ri­gens auf neue Gas­tro­no­mie im Au­ßen­be­reich des Min­to freu­en. Im zum Cen­ter ge­hö­ri­gen Ge­schäfts­haus rechts vom Haus­ein­gang, in dem bis­her noch kei­ne Mie­ter sind, wer­de mög­li­cher­wei­se schon zu März 2016 ein „rich­tig coo­les Gas­tro­no­mie­kon­zept“um­ge­setzt, sagt Jes­si­ca Qu­ei­ßer. Der Mie­ter sei ge­fun­den, nun er­fol­ge der In­nen­aus­bau. Um wen es sich han­delt, wird al­ler­dings der­zeit noch nicht ver­ra­ten.

FOTO: JÖRG KNAP­PE

Ein Hauch von„Ab­bey Road“: die mit Au­tos und Pas­san­ten prall ge­füll­te St­ein­metz­stra­ße ges­tern Mit­tag.

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