Ka­len­der­blatt 23. De­zem­ber 1954

Rheinische Post Moenchengladbach - - UNTERHALTUNG -

Jo­seph Ed­ward Mur­ray (Foto) hat­te sich als Arzt ei­gent­lich auf plas­ti­sche Chir­ur­gie spe­zia­li­siert. An­fang der 1950er Jah­re wur­de er von sei­nem Chef am Pe­ter Bent Brig­ham Ho­s­pi­tal in Bos­ton da­mit be­auf­tragt, die Ent­wick­lung von Nie­ren­trans­plan­ta­tio­nen vor­an­zu­brin­gen. Das tat Mur­ray – und so ge­lang ihm am 23. De­zem­ber 1954 das, wor­an an­de­re Me­di­zi­ner vor ihm ge­schei­tert wa­ren: ei­ne lang­fris­tig er­folg­rei­che Trans­plan­ta­ti­on. Sein Pa­ti­ent, der 23-jäh­ri­ge nie­ren­kran­ke Richard Her­rick, hat­te das Glück, ei­nen Zwil­lings­bru­der zu ha­ben, der sich auf das me­di­zi­ni­sche Aben­teu­er ein­ließ. Nach der Ope­ra­ti­on er­hol­ten sich bei­de, Richard er­krank­te al­ler­dings Jah­re spä­ter er­neut und starb neun Jah­re nach dem Ein­griff. Mur­ray wag­te die Ope­ra­ti­on ein wei­te­res Mal, wie­der mit Zwil­lin­gen. Die­ses Mal über­leb­te die Emp­fän­ge­rin vie­le Jahr­zehn­te, sie starb erst 2011 im Al­ter von 76 Jah­ren. Nun woll­te Mur­ray sei­nen Er­folg bei Men­schen wie­der­ho­len, die kei­nen Zwilling hat­ten. Bei ein­ei­igen Zwil­lin­gen kommt es durch die ge­ne­ti­sche Über­ein­stim­mung nicht zur Ab­sto­ßung– ge­nau die­se Re­ak­ti­on des Im­mun­sys­tems war aber das Haupt­pro­blem bei Or­gan­trans­plan­ta­tio­nen. Mur­ray er­prob­te ver­schie­de­ne Me­tho­den, die Im­mun­re­ak­ti­on zu un­ter­drü­cken, zu­nächst mit Rönt­gen­strah­len, spä­ter mit Me­di­ka­men­ten. 1990 wur­de der Me­di­zi­ner für sei­ne For­schung mit dem No­bel­preis für Me­di­zin aus­ge­zeich­net.

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