Lou­is Rat­los

Lou­is van Gaal ist als Trai­ner von Man­ches­ter Uni­ted schwer un­ter Druck ge­ra­ten. José Mour­in­ho könn­te ihn ab­lö­sen.

Rheinische Post Moenchengladbach - - SPORT - VON RO­BERT PE­TERS

MAN­CHES­TER/DÜSSELDORF Vor ein paar Jah­ren hat Aloy­si­us Pau­lus Ma­ria Lou­is van Gaal die Ams­ter­da­mer Are­na ge­mie­tet und un­ter Flut­licht aus sei­nem Buch der Fuß­ball-Weis­hei­ten ge­le­sen. Spä­ter drück­te er Karl-Heinz Rum­me­nig­ge, dem Vor­stands­chef sei­nes da­ma­li­gen Ar­beit­ge­bers Bay­ern München, ein Ex­em­plar des drei Ki­lo schwe­ren Druck­werks in die Hand und sag­te: „Für Sie ist das auch wich­tig zu le­sen.“Rum­me­nig­ge fiel kei­ne pas­sen­de Ant­wort ein.

Es ist nicht her­aus, ob der Trai­ner Lou­is van Gaal nun das Sta­di­on von Man­ches­ter Uni­ted mie­ten und nach ei­ner wei­te­ren Le­sung sei­nen der­zei­ti­gen Ar­beit­ge­ber zum Stu­di­um der Schrift an­hal­ten wird. Es ist nicht ein­mal wahr­schein­lich. Denn der Hol­län­der ist der­art stark un­ter Druck ge­ra­ten, dass er mög­li­cher­wei­se noch vor Be­ginn des neu­en Jah­res gar kei­nen Ar­beit­ge­ber mehr hat. Eng­li­sche Me­di­en be­rich­ten über­ein­stim­mend, dass der Klub Kon­takt mit dem ver­gan­ge­ne Wo­che bei Chel­sea Lon­don ent­las­se­nen José Mour­in­ho auf­ge­nom­men ha­be. Die „Dai­ly Mail“glaubt so­gar, dass ManUni­ted noch in die­ser Wo­che van Gaal den Lauf­pass ge­ben könn­te.

Der Man­gel an Er­fol­gen und der selt­sam mü­de Fuß­ball, den van Gaals Spie­ler dem Pu­bli­kum an­bie­ten, ste­hen in kras­sem Miss­ver­hält­nis zur Selbst­ein­schät­zung des nie­der­län­di­schen Trai­ners. Er hat das nach dem Ti­tel­ge­winn mit AZ Alk­maar 2009 sehr tref­fend zu­sam­men­ge­fasst. „Ich bin der Bes­te“, sag­te er. Die Bay­ern glaub­ten es aufs Wort und ver­pflich­te­ten den selbst­be­wuss­ten Hol­län­der.

Er hat in München nach­ge­wie­sen, dass er zu­min­dest zu den wirk­lich gu­ten Trai­nern ge­hört – nicht nur am Vor­trags­pult. Er ver­pass­te den Bay­ern ei­nen neu­en Fuß­ball­stil, der Ver­ein hat­te un­ter sei­ner Lei­tung nicht mehr nur die bes­ten Spie­ler, son­dern auch die bes­te Mann­schaft. Je­den­falls so lan­ge, wie das Team ihm folg­te und sei­ne Ei­gen­ar­ten er­trug.

Erst als sich die Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten zwi­schen den Klub­Bos­sen (an ers­ter Stel­le Uli Ho­en­eß) und dem Coach in der Mann­schaft her­um­ge­spro­chen hat­ten, riss auch das Band zu den Spie­lern. So ähn­lich könn­te das auch in Man­ches­ter sein. Zu Be­ginn der Zu­sam­men­ar­beit vor an­dert­halb Jah­ren stand die Ehr­furcht der Fuß­bal­ler vor ei­nem Trai­ner, der ein nicht rund­her­um top be­setz­tes hol­län­di­sches Na­tio­nal­team mit tak­ti­schem Ge­schick zum drit­ten Platz bei der WM ge­führt hat­te.

Van Gaal schien der rich­ti­ge Mann für ei­nen Neu­auf­bau beim vor­ma­li­gen Se­ri­en­meis­ter. Und als sich sei­ne Vor­stel­lung von Fuß­bal­lkul­tur lang­sam durch­setz­te, fand ManUni­ted wie­der An­schluss an die Plät­ze in der obe­ren Eta­ge der Ta­bel­le. Zu­nächst ging es auch in die­ser Sai­son so wei­ter. Und es schien ein durch­dach­ter Griff zu sein, als van Gaal sei­nen ehe­ma­li­gen Münch­ner Schütz­ling Bas­ti­an Schwein­stei­ger als Chef­stra­te­gen fürs Mit­tel­feld ver­pflich­te­te. Den Kri­ti­kern in En­g­land ist das Spiel des Ka­pi­täns der deut­schen Na­tio­nal­mann­schaft al­ler­dings zu lang­sam. Und van Gaal muss sich den Vor­wurf ge­fal­len las­sen, ei­ni­ge Miss­er­fol­ge öf­fent­lich dem ehe­ma­li­gen Münch­ner in die Schu­he ge­scho­ben zu ha­ben.

Das wirk­te nicht sou­ve­rän. Und es kann nicht als al­lei­ni­ger Grund für Man­ches­ters un­be­frie­di­gen­de Zwi­schen­bi­lanz gel­ten. Denn auch oh­ne Schwein­stei­ger fand Uni­ted kei­nen Rhyth­mus. Die Spie­ler mo­sern hin­ter vor­ge­hal­te­ner Hand über die Tak­tik und ein ein­tö­ni­ges Trai­ning, da­mit nie­mand auf die Idee ver­fällt, dass sie selbst für die fal­len­de Form­kur­ve ver­ant­wort­lich sein könn­ten. Am Wo­che­n­en­de gab es ei­ne 1:2-Nie­der­la­ge ge­gen den Ab­stiegs­kan­di­da­ten Nor­wich Ci­ty, und van Gaals Team rutsch­te auf Rang fünf ab – mei­len­weit ent­fernt von der Plat­zie­rung, die Uni­teds An­sprü­chen ge­recht wird.

Der Trai­ner hat da­zu we­nig mehr als die Stan­dard­aus­künf­te zu ge­ben. „Die­se Nie­der­la­ge ist ei­ne Be­stä­ti­gung, dass wir in ei­ner schlech­ten Pha­se sind, aus der wir wie­der raus müs­sen“, sag­te er. Es klang nicht so, als ha­be er ein taug­li­ches Re­zept zur Hand, wie der Klub aus die­ser Pha­se kom­men kön­ne.

Viel­leicht denkt Mour­in­ho be­reits dar­über nach. Der Por­tu­gie­se ließ je­den­falls über sei­nen Agen­ten ver­brei­ten, er sei „nicht mü­de“, brau­che kein Sab­bat­jahr, und es ge­be „ei­ni­ge Jobs, die man nicht ab­lehnt“. Da­zu ge­hört der bei Man­ches­ter Uni­ted auf je­den Fall.

Van Gaal räum­te im­mer­hin ein, er wis­se nicht, ob er im Klub vol­len Rück­halt ge­nie­ße. Selbst­zwei­fel be­schlei­chen ihn des­halb aber be­stimmt nicht.

FOTO: REU­TERS

Es wird ein­sam um Lou­is van Gaal – hier nach der Nie­der­la­ge von Man­ches­ter Uni­ted ge­gen Nor­wich.

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