Fortuna in der War­te­schlei­fe

Mar­kus Gis­dol ist ein neu­er Trai­ner­kan­di­dat – aber er spe­ku­liert auf Leip­zig.

Rheinische Post Moenchengladbach - - SPORT - VON BERND JOLITZ

PA­DER­BORN Pe­ter Her­manns letz­tes Spiel als In­te­rims­trai­ner von Fortuna Düsseldorf ge­hör­te si­cher nicht zu den at­trak­tivs­ten, die der 63-Jäh­ri­ge in sei­ner lan­gen Kar­rie­re ge­se­hen hat. Der SC Pa­der­born und Her­manns Düs­sel­dor­fer quäl­ten sich zu ei­nem 0:0, das den Gäs­ten un­term Strich mehr half als den Ost­west­fa­len, de­ren ein­falls­lo­se Vor­stel­lung sich Trai­ner Ste­fan Ef­fen­berg auf fast schon pein­li­che Wei­se schön­re­de­te: „Ich ha­be gro­ße Lei­den­schaft und gro­ßen Wil­len ge­se­hen. Wir hät­ten den Sieg ver­dient ge­habt.“Schön, dass we­nigs­tens der „Ti­ger“das ge­se­hen hat­te – den üb­ri­gen Zu­schau­ern blieb die­ses tol­le Spiel des SCP lei­der ver­bor­gen.

Her­mann hat­te sol­che ver­ba­len Ver­ren­kun­gen nicht nö­tig. Er lob­te die kämp­fe­ri­sche Ein­stel­lung so­wie die de­fen­si­ve Sta­bi­li­tät sei­ner Trup­pe und fass­te an­sons­ten rea­lis­tisch zu­sam­men: „Wir kön­nen mit dem Punkt gut le­ben. Es war wich­tig, mit ei­nem ei­ni­ger­ma­ßen gu­ten Er­geb­nis in die Win­ter­pau­se zu ge­hen.“Und „ei­ni­ger­ma­ßen gut“war das Re­sul­tat al­lein schon, weil Fortuna die auf dem Re­le­ga­ti­ons­platz lie­gen­den Pa­der­bor­ner auf Dis­tanz hielt: Drei Zäh­ler Ab­stand sind deut­lich be­ru­hi­gen­der als Punkt­gleich­heit.

Was die bei­den so grund­ver­schie­de­nen Trai­ner nach dem Schluss­pfiff ein­te, war die un­ge­wis­se Zu­kunft. Ef­fen­berg bleibt über die Win­ter­pau­se mas­siv un­ter Druck, weil die von ihm aus­ge­spro­che­ne Su­s­pen­die­rung der nam­haf­ten Pro­fis Ma­hir Saglik, Srd­jan La­kic und Da­ni­el Brück­ner die Mann­schaft mit Si­cher­heit nicht stärk­te. Noch steht die Klub­füh­rung hin­ter dem gla­mou­rö­sen Coach, doch die Zwei­fel an des­sen Kom­pe­tenz wach­sen.

Mit sol­chen Pro­ble­men muss sich Her­mann nicht be­fas­sen, da er sein oh­ne­hin her­vor­ra­gen­des Stan­ding als Co-Trai­ner in sei­ner Zeit als In­te­rims­chef (im­mer­hin sie­ben Punk­te aus vier Spie­len) wei­ter ver­bes­sert hat. Da­für macht der Rou­ti­nier nun selbst ein Fass auf: „Noch kann ich ja gar nicht wis­sen, ob ich in der Rück­run­de über­haupt noch in Düsseldorf bin. Schließ­lich kommt ja ein neu­er Chef­trai­ner, und man­che brin­gen ja ih­ren ei­ge­nen As­sis­ten- ten mit.“Da sta­pel­te Her­mann al­ler­dings tief: Wenn je­mand in die­sen un­ru­hi­gen Zei­ten sei­nen Job bei Fortuna si­cher hat, dann der gänz­lich un­um­strit­te­ne Co-Trai­ner.

Doch wer wird nun sein Chef? Und wann tritt er sei­nen Di­enst an? Sport­di­rek­tor Ra­chid Az­zou­zi mau­ert zu bei­den Fra­gen. „Wir sind in gu­ten Ge­sprä­chen, aber im Fuß­ball­ge­schäft kann man nichts ver­spre­chen“, sag­te er. „Zum Vor­be­rei­tungs­start am 7. Ja­nu­ar wol­len wir ei­nen Trai­ner ha­ben, das ist klar.“

Eben­so klar scheint da­mit frei­lich, dass es bis Weih­nach­ten kei­ne Ent­schei­dung in die­ser so wich­ti­gen Fra­ge ge­ben wird. Fortuna hängt in der War­te­schlei­fe, weil Kan­di­dat Jos Lu­hu­kay auf ei­nen Job in der ers­ten Li­ga hofft (Han­no­ver, Bre­men) – und auch ein wei­te­rer Aspi­rant, der neu in den Fo­kus ge­rückt ist, spe­ku­liert mit lu­kra­ti­ve­ren En­ga­ge­ments. Mar­kus Gis­dol, im Ok­to­ber in Hof­fen­heim be­ur­laubt, wird mit dem po­ten­ti­el­len Auf­stei­ger Leip­zig in Ver­bin­dung ge­bracht. Und so in­ter­es­sant der 46-Jäh­ri­ge für Fortuna auch ist: Mit dem Brau­se­klub könn­te sie fi­nan­zi­ell nicht mit­hal­ten.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.