Fest der Nächs­ten­lie­be

Hei­lig­abend. Zeit zum In­ne­hal­ten. Nach ei­nem Jahr der Kri­sen und Kon­flik­te scheint dies drin­gend not­wen­dig. Die Flücht­lings­de­bat­te hat die Ge­sell­schaft ver­här­tet. Der Hass ist ein­ge­zo­gen. Die Weih­nachts­bot­schaft kann hel­fen.

Rheinische Post Moenchengladbach - - STIMME DES WESTENS - VON MICHA­EL BRÖ­CKER

Weih­nach­ten kommt recht­zei­tig. Durch­at­men. Be­sinn­lich­keit ver­su­chen. Fa­mi­lie. Zu­hau­se. Nach­den­ken. Auch in­ne­re Ru­he? Ein an­stren­gen­der Ge­dan­ke am En­de ei­nes Jah­res, das den Ter­ror und den Krieg nach Eu­ro­pa und die Angst vor Frem­den in die Mit­te der Ge­sell­schaft ge­bracht hat. Das Fest der Lie­be ist nun mehr als ka­len­da­risch an­ge­zeigt. Das auf­ge­wühl­te Land braucht die Weih­nachts­bot­schaft. stau­ge­plag­ten Fah­rers exag­ge­riert, ist das Netz ei­ne denk­bar be­que­me Platt­form zur ver­ba­len Hetz­jagd. Im Ba­de­man­tel am hei­mi­schen Schreib­tisch pes­tet es sich gut ge­gen „das Sys­tem“. In die­ser schwü­len Hit­ze gras­siert auch das Vi­rus der Ver­schwö­rungs­theo­ri­en. Der Bür­ger als Op­fer ei­nes Ge­sin­nungs­kar­tells aus Me­di­en, Po­li­tik, US-ame­ri­ka­ni­schen Ge­heim­diens­ten und der Hoch­fi­nanz. Die­se Welt­sicht stif­tet ver­meint­lich Klar­heit, die dif­fu­sen Ängs­te vor den Frem­den wer­den ei­ner ein­zi­gen Ur­sa­che zu­ge­ord­net. Ei­nem staat­lich dem Ob­dach­lo­sen ei­nen Eu­ro ge­schenkt oder der Nach­ba­rin die Was­ser­kis­te hoch­ge­tra­gen. Und ein kur­zes Ge­fühl des Glücks schleicht sich ein. Mit­mensch­lich­keit ist er­staun­lich kon­kret – und so ein­fach. Sie lässt sich im All­tag üben. Sie gibt Zuf­rie­den­heit. Manch­mal ist es schon ein net­tes Wort, ein Lä­cheln, ei­ne Ges­te.

Wenn der gro­ße Pes­si­mist un­ter den deut­schen Den­kern, Ar­thur Scho­pen­hau­er, recht hat und der Wil­le An­fang und En­de al­len Han­delns ist, dann könn­te der un­be­ding­te Wil­le zum Mit- Bür­gers noch weit ent­fernt sind. Ent­schei­dend ist, dass der Rechts­staat un­ser Recht durch­setzt. Oh­ne An­se­hen der Person. Jus­ti­tia ist be­kannt­lich blind.

Es ist auch rich­tig, dass die Flücht­lin­ge, die blei­ben dür­fen, ei­ne im­men­se Her­aus­for­de­rung für das oh­ne­hin an man­cher Stel­le ma­ro­de Bil­dungs­sys­tem dar­stel­len. Die Ant­wort dar­auf muss aber ei­ne Bil­dungs­de­bat­te sein, kei­ne Flücht­lings­de­bat­te. Man kann auch lan­ge dar­über strei­ten, wie vie­le Flücht­lin­ge we­ni­ger ge­kom­men wä­ren, wenn An­ge­la Mer­kel nicht vor je­des Flücht-

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