„Wir brau­chen ei­ne an­de­re Stadt­pla­nung“

Die Um­welt­mi­nis­te­rin plä­diert für ei­ne ver­än­der­te Ar­beits­welt, um die Kli­ma­zie­le zu er­rei­chen.

Rheinische Post Moenchengladbach - - POLITIK - MICHA­EL BRÖ­CKER FASS­TE DAS INTERVIEW ZU­SAM­MEN.

Frau Hend­ricks, fei­ern Sie Weih­nach­ten im hei­mi­schen Kle­ve? HEND­RICKS Ja, ich feie­re Weih­nach­ten zu Hau­se, im Fa­mi­li­en- und Freun­des­kreis. Gibt es ei­ne be­stimm­te Tra­di­ti­on im Hau­se Hend­ricks? HEND­RICKS Wir ma­chen zu­sam­men Ra­clette, und an ei­nem der Fei­er­ta­ge gibt es für ge­wöhn­lich ei­ne Gans. Ein klas­si­sches Pro­gramm al­so. HEND­RICKS Bis auf die Lie­der (lacht), die ha­ben wir frü­her nicht ge­sun­gen. Wie­so? Was sin­gen Sie denn so? HEND­RICKS Na ja, „In der Weih­nachts­bä­cke­rei“zum Bei­spiel, da kom­men wir den Kin­dern ent­ge­gen, sol­che Lie­der sin­gen wir Er­wach­se­ne ja eher nicht. Bald wer­den die Kin­der auch den Schnee nur noch aus Weih­nachts­lie­dern ken­nen. 14 Grad an Hei­lig­abend – ist das der Kli­ma­wan­del? HEND­RICKS Das kann auch ein­fach nur ei­ne me­teo­ro­lo­gi­sche Lau­ne sein. Nicht al­les, was nach Kli­ma­wan­del aus­sieht, muss es auch sein. Aber na­tür­lich mer­ken die Men­schen, dass sich et­was ge­än­dert hat. Es gibt ja bei uns schon ganz kon­kre­te Aus­wir­kun­gen des Kli­ma­wan­dels. Die Win­zer zum Bei­spiel kön­nen heu­te ganz an­de­re Rebs­or­ten an­bau­en als frü­her. Und Wein­an­bau ist neu­er­dings so­gar in Nord­eu­ro­pa mög­lich. Das wirkt ja nicht be­droh­lich. An­de­re Län­der er­le­ben schlim­me­re Aus­wir­kun­gen. Ist es für Sie schwie­ri­ger, kon­kre­te Kon­se­quen­zen aus den Kli­ma­schutz­zie­len um­zu­set­zen, weil wir den Kli­ma­wan­del noch nicht so hef­tig spü­ren? HEND­RICKS Es ist tat­säch­lich so, dass die Aus­wir­kun­gen des Kli­ma­wan­dels in un­se­ren Brei­ten re­la­tiv gut be­herrsch­bar sind. Die Stür­me, die auch bei uns meh­re­re To­des­op­fer for­der­ten, sind nicht zu ver­glei­chen mit den Zehn­tau­sen­den Op­fern in an­de­ren Re­gio­nen, et­wa in­fol­ge von Flut­ka­ta­stro­phen oder Dür­ren. In vie­len Ent­wick­lungs- und Schwel­len­län­dern hat der Kli­ma­wan­del exis­ten­zi­el­le Fol­gen. Des­halb ist der Pa­ri­ser Welt­kli­ma­ver­trag so wich­tig. In Deutsch­land hat­ten wir schon 2007 in der da­ma­li­gen gro­ßen Ko­ali­ti­on weit­sich­ti­ge Kli­ma­schutz­zie­le ver­ein­bart. Aber bei der Um­set­zung hat die Nach­fol­ge-Ko­ali­ti­on viel Zeit ver­plem­pert, des­halb ist es jetzt ei­ne gro­ße Her­aus­for­de­rung, den selbst­ge­steck­ten Zie­len ge­recht zu wer­den. Uns fehl­ten noch fünf bis sie­ben Pro­zent­punk­te bis zu un­se­rem Ziel, den Treib­haus­gas-Aus­stoß bis 2020 um 40 Pro­zent ge­gen­über 1990 zu sen­ken. Mit dem Ak­ti­ons­pro­gramm Kli­ma­schutz 2020 ha­ben wir die Auf­hol­jagd be­gon­nen. Al­so ei­nen be­schleu­nig­ten Aus­stieg aus der Braun­koh­le? HEND­RICKS Nach mei­ner Über­zeu­gung könn­ten wir bis 2040 die Braun­koh­le­ver­stro­mung be­en­den, oh­ne dass es da­bei zu Struk­tur­brü­chen und so­zia­len Ver­wer­fun­gen kommt. Spä­tes­tens bis 2050 sind wir durch un­se­re Kli­ma­schutz­ver­pflich­tun­gen oh­ne­hin da­zu ge­zwun­gen, un­se­re Ener­gie­ver­sor­gung CO2-neu­tral zu or­ga­ni­sie­ren. Wie lan­ge die Braun­koh­le-Ta­ge­baue ge­nau lau­fen, wie vie­le Be­schäf­tig­te bis wann in Ru­he­stand ge­hen – das kann man doch al­les heu­te schon kal­ku­lie­ren. Die Bun­des­re­gie­rung muss sich jetzt mit den Bun­des­län­dern, den Ener­gie­kon­zer­nen, den Ge­werk­schaf­ten und al­len Be­tei­lig­ten zu­sam­men­set­zen. Was könn­te jen­seits ei­nes frü­he­ren Koh­le­aus­stiegs noch hel­fen, die Kli­ma­zie­le zu er­rei­chen? HEND­RICKS Es gibt sehr vie­le un­ter­schied­li­che An­sät­ze, wir brau­chen zum Bei­spiel ei­ne ganz an­de­re Stadt­pla­nung. Frü­her war es rich­tig, Le­ben und Ar­bei­ten zu tren­nen, um die Men­schen vor dem Aus­stoß gif­ti­ger Stof­fe zu schüt­zen. Heu­te hat sich die Ar­beits­welt ver­än­dert – wir müs­sen lan­ge We­ge zwi­schen Ar­beits­platz und Wohn­ort ver­mei­den.

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