Wie ge­fähr­lich ist ve­ga­ne Kost für Kin­der?

Fleisch­lo­se Kost kön­ne laut Er­näh­rungs­mi­nis­ter Schmidt (CSU) zu Man­gel­er­schei­nun­gen füh­ren.

Rheinische Post Moenchengladbach - - POLITIK -

BER­LIN (dpa/RP) Rein pflanz­li­che Er­näh­rung ist aus Sicht von Bun­des­er­näh­rungs­mi­nis­ter Chris­ti­an Schmidt (CSU) nichts für Kin­der und Ju­gend­li­che. „Ve­ga­nes Es­sen kann zu ge­fähr­li­cher Man­gel­er­näh­rung füh­ren – vor al­lem bei Kin­dern“, sag­te Schmidt der „Bild“-Zei­tung. Ge­ra­de ein Man­gel an Vit­amin B12 kön­ne schäd­lich sein. Er for­de­re ein Schul­fach, in dem aus­ge­wo­ge­ne Er­näh­rung ge­lehrt wer­de.

Nach Schät­zun­gen des Ve­ge­ta­rier­bunds (Ve­bu) ver­zich­ten im­mer mehr Deut­sche auf tierische Pro­duk­te wie Fleisch, Milch und Eier. Ve­gan lebt dem­zu­fol­ge 1,1 Pro­zent der hie­si­gen Be­völ­ke­rung. Zu ei­ner ve­ga­nen Le­bens­wei­se zäh­len bei­spiels­wei­se auch der Ver­zicht auf Ge­la­ti­ne und Ho­nig. Als Flei­scher­satz wird häu­fig So­ja be­nutzt. Vit­amin B12 gilt da­bei als kri­ti­scher Nähr­stoff, da es von Na­tur aus fast aus­schließ­lich in tie­ri­schen Pro­duk­ten ent­hal­ten ist. Das An­ge­bot an Nah­rungs­er­gän­zungs­mit­teln oder an­ge­rei­cher­ten Pro­duk­ten für Ve­ga­ner ist des­halb groß.

We­gen des be­son­de­ren Nähr­stoff­be­darfs im Wachs­tum ha­ben rein ve­gan er­nähr­te Kin­der nach An­ga­ben der Deut­schen Ge­sell­schaft für Er­näh­rung (DGE) ein er­höh­tes Ri­si- ko für Man­gel­zu­stän­de – auch weil sie et­wa Vit­amin B12 schlech­ter spei­chern könn­ten als Er­wach­se­ne. Spu­ren des Vit­amins fin­den sich zum Bei­spiel in sau­er­ver­go­re­nen Al­gen oder Sau­er­kraut, sie rei­chen aber nicht aus, um den Be­darf zu de­cken. Bei ei­nem B12-Man­gel droh­ten ver­zö­ger­tes Wachs­tum und neu­ro­lo­gi­sche Sym­pto­me. An­ge­sichts des Ve­gan-Trends sag­te kürz­lich auch Star­kö­chin Sa­rah Wie­ner, Kin­der ve­gan zu er­näh­ren sei „ab­surd und nicht sinn­voll“.

In an­de­ren Län­dern wie den USA oder Ka­na­da steht man der ve­ga­nen Er­näh­rung nicht so kri­tisch ge­gen- über. Dort geht man da­von aus, dass et­wai­ge Man­gel­er­schei­nun­gen über Er­gän­zungs­pro­duk­te aus­ge­gli­chen wer­den. Hier­zu­lan­de folgt man eher der Phi­lo­so­phie, dass bei ei­ner aus­ge­wo­ge­nen Er­näh­rung kei­ner­lei Supple­men­te not­wen­dig sind. Be­last­ba­re Stu­di­en zur ve­ga­nen Er­näh­rung von so ge­nann­ten Ri­si­ko­grup­pen gibt es bis­lang nicht.

Ve­bu-Chef Se­bas­ti­an Joy wehrt sich ge­gen die Kri­tik. Ei­ne aus­ge­wo­ge­ne, viel­fäl­ti­ge ve­ga­ne Er­näh­rung, sagt Joy, sei für al­le Le­bens­pha­sen ge­eig­net und ver­sor­ge den Kör­per mit al­len nö­ti­gen Nähr­stof­fen und an­nä­hernd al­len Vit­ami­nen.

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