Platz 7: „Blood­li­ne“

Die US-Se­rie er­zählt ein düs­te­res Fa­mi­li­en­dra­ma auf den Flo­ri­da Keys.

Rheinische Post Moenchengladbach - - PANORAMA - VON JÖRG ISRINGHAUS

DÜSSELDORF Wie klei­ne Un­wahr­hei­ten, fal­sche Er­in­ne­run­gen und nie­mals ver­wun­de­ne De­mü­ti­gun­gen in­ner­halb ei­ner Fa­mi­lie ir­gend­wann in die Ka­ta­stro­phe füh­ren kön­nen, das er­zählt die fa­mo­se US-Se­rie „Blood­li­ne“. All­mäh­lich wird vor dem Zu­schau­er ein Dra­ma von ar­chai­scher Wucht ent­fal­tet, in dem es we­der Schul­di­ge noch Un­schul­di­ge gibt, son­dern nur Ver­damm­te. „Wir sind kei­ne schlech­ten Men­schen“, sagt John Ray­burn als Er­zäh­ler am An­fang fast be­schwö­rend aus dem Off, „aber wir ha­ben et­was Schlech­tes ge­tan.“Doch na­tür­lich ist auch das nur die hal­be Wahr­heit.

Meh­re­re Din­ge ma­chen „Blood­li­ne“be­son­ders. Da ist der Schau­platz, Is­la­mo­ra­da auf den Flo­ri­da Keys, ei­ne In­sel, die mit Palmen, Strand und tür­kis­blau­em Was­ser den Nie­der­gang ei­ner Fa­mi­lie aufs Feins­te kon­tras­tiert. Da ist der Er­zäh­ler, der zweit­äl­tes­te Bru­der, der den Zu­schau­er erst auf sei­ne Sei­te zieht, um sich dann als Heuch­ler zu ent­pup­pen. Da sind die Vor­grif­fe auf ei­ne Zu­kunft, die aber ge­zielt in die Ir­re füh­ren. Und da ist ei­ne gran­dio­se Schau­spiel­er­rie­ge, die das fins­te­re Rän­ke­spiel mü­he­los trägt.

Al­len vor­an Ben Men­delsohn als ver­sto­ße­ner Sohn Dan­ny, der heim­kehrt in den Schoß der Ho­te­lier-Fa­mi­lie Ray­burn, um sie, ge­wollt oder nicht, in den Ab­grund zu rei­ßen. Er und Kyle Chand­ler, der Dan­nys Bru­der John spielt, bil­den die Ach­se der Se­rie, die von der dich­ten Sto­ry her eher an ei­nen über­lan­gen Spiel­film er­in­nert. Ih­nen zur Sei­te ste­hen so ver­dien­te Alt­dar­stel­ler wie Sis­sy Spacek und Sam She­pard.

„Blood­li­ne“er­zeugt von An­fang an ei­nen un­glaub­li­chen Sog. So lang­sam und da­bei so ef­fekt­voll wer­den die Ge­heim­nis­se der Ray­burns ent­blät­tert, dass man ver­sucht ist, im­mer wei­ter­zu­schau­en. Da­nach aber sind die Flo­ri­da Keys kein Sehn­suchts­ort mehr, son­dern ein Gr­ab ver­lo­re­ner Il­lu­sio­nen. Info Seit 2015, 13 Fol­gen, ei­ne zwei­te Staf­fel wur­de in Auf­trag ge­ge­ben.

FOTO: NET­FLIX

Zwei un­glei­che Brü­der: John (l.) und Dan­ny Ray­burn.

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