Der Han­del schafft sich ab

Dank gu­ter Kon­junk­tur wird auch 2016 der Kon­sum stei­gen. Im sta­tio­nä­ren Han­del bleibt da­von im­mer we­ni­ger hän­gen. Kein Wun­der.

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Wenn heu­te die Lä­den schlie­ßen, wer­den die Ver­käu­fer froh sein, dass es mit „Last Christ­mas“und drän­geln­den Kun­den vor­erst ein En­de hat und die Kas­se voll ist. Den Deut­schen sitzt dank Lohn­er­hö­hun­gen und ge­rin­ger In­fla­ti­on das Geld lo­cker. Auch für 2016 sind die Aus­sich­ten gut: Die Zahl der Ar­beits­lo­sen wird (trotz Flücht­lings­kri­se) un­ter drei Mil­lio­nen blei­ben, die Net­to­löh­ne wer­den um 2,4 Pro­zent stei­gen, er­war­tet die Bun­des­re­gie­rung.

Doch die Fra­ge ist, wie viel vom Kon­su­m­um­satz 2016 beim sta­tio­nä­ren Ein­zel­han­del hän­gen bleibt. Das liegt zum ei­nen an den Kun­den: Wer je­des Buch bei Ama­zon be­stellt, darf sich nicht wun­dern, wenn re­nom­mier­te Händ­ler wie der Stern-Buch­ver­lag in Düsseldorf schlie­ßen.

Der Ein­zel­han­del hat es aber auch selbst in der Hand, ob er über­lebt. Ein Bei­spiel: Als zwei Blu­sen, die ei­ne Kun­din in ei­nem re­nom­mier­ten Tex­til­haus kau­fen woll­te, nicht vor­rä­tig wa­ren, bot die Ver­käu­fe­rin an, die­se zu be­stel­len. Im haus­in­ter­nen Wa­ren­sys­tem such­te sie be­nach­bar­te Häu­ser durch, be­stell­te ei­ne Blu­se in So­lin­gen, ei­ne in Köln. In zehn Ta­gen sei­en die da – aber zu­schi­cken, nein zu­schi­cken kön­ne man sie nicht. Gut, dann geht die nächs­te Blu­se per Maus­klick in den Wa­ren­korb.

Wenn der Ein­zel­han­del nicht be­greift, dass er nicht nur Wa­ren, son­dern Ser­vice ver­kau­fen muss, um sich ge­gen die Online-Rie­sen ab­zu­set­zen, wird er nicht über­le­ben. Bei Bü­chern, Com­pu­tern und Han­dys ma­chen Online-Käu­fe in Deutsch­land be­reits über 50 Pro­zent des Um­sat­zes aus. Bei Spiel­wa­ren, Tex­ti­li­en un­dLe­bens­mit­teln­hat­der­sta­tio­nä­re Han­del die Na­se vorn – noch.

An­statt zu kla­gen oder nach staat­li­chen Re­gu­lie­run­gen zu ru­fen, soll­te der Han­del sein Schick­sal lie­ber in die Hand neh­men. Oder will er es hal­ten wie die Ker­zen­ma­cher in der Sa­ti­re des fran­zö­si­schen Öko­no­men Fre­de­ric Bas­ti­at von 1846? Die­se ba­ten den Kö­nig, tags­über das Ver­hän­gen der Fens­ter in ganz Frank­reich an­zu­ord­nen, da sie sich nur so der un­fai­ren Kon­kur­renz durch die Son­ne er­weh­ren könn­ten. Den Lauf der Ge­schich­te hält man so nicht auf.

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