Das ul­ti­ma­ti­ve „Weih­nach­ten är­ge­re Dich n

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALES - VON NI­CO­LE SCHARFETTER

Al­le Jah­re wie­der hat vor dem tra­di­tio­nel­len Weih­nachts­es­sen die Gast­ge­be­rin den größ­ten Stress. Sie muss das Haus put­zen, das Wohn­zim­mer de­ko­rie­ren und das Es­sen vor­be­rei­ten. Noch be­vor die Son­ne un­ter­ge­gan­gen ist, steht sie kurz vor dem Ner­ven­zu­sam­men­bruch. Vor al­lem, weil sie es der Schwie­ger­mut­ter, die seit Mit­tag nör­gelnd auf dem So­fa sitzt, so­wie­so nicht recht ma­chen kann. Von ih­rer Schwie­ger­toch­ter wird sie ger­ne auch Schwie­ger­mons­ter ge­nannt, weil sie im­mer et­was an der Fri­sur der Gast­ge­be­rin aus­zu­set­zen hat, und an der Fi­gur. An der Ein­rich­tung und am Es­sen so­wie­so. Über- haupt wür­de die Schwie­ger­mut­ter viel lie­ber mit ih­rem ein­zi­gen Sohn zu­hau­se fei­ern, so wie frü­her, da war al­les bes­ser. Ihr Mann üb­ri­gens sitzt seit der An­kunft auf dem Oh­ren­ses­sel und schnarcht. Ver­mut­lich, weil er das Ge­nör­gel auch nicht mehr er­trägt.

Der ein­zi­ge Sohn steht zwi­schen den Fron­ten, ist ja Ma­mas Lieb­ling, will es sich mit sei­ner Frau aber auch nicht ver­scher­zen. Die aber hat schon lan­ge die Na­se voll – so­wie­so muss sie im­mer al­les al­lein ma­chen. Zum Glück ist da noch die Schwes­ter der Gast­ge­be­rin, die im­mer für Stim­mung sorgt. Je mehr Eier­li­kör, um­so lus­ti­ger. Fin­det zu­min­dest sie. Noch vor dem Es­sen sitzt sie in der Kü­che auf ei­nem Bar­ho­cker und schwankt ge­fähr­lich von links nach rechts, so dass sie je­den Mo­ment run­ter­zu­fal­len droht.

In der Zwi­schen­zeit spie­len die Zwil­lin­ge (sie­ben Jah­re alt) – auch be­kannt als das schreck­lichs­te Block­flö­ten-Gei­gen-Duo der Welt – flei­ßig ih­re No­ten­bü­cher rauf und run­ter. Hö­ren will das ei­gent­lich nie­mand, bis auf die Schmu­se-Oma, die be­geis­tert „Zu­ga­be, Zu­ga­be“ruft. Dann gibts Küss­chen und das ob­li­ga­to­ri­sche Wan­gen­ge­knei­fe – am bes­ten gleich für al­le, die Schmu­se-Oma ver­teilt ja so gern ih­ren Lip­pen­stift. Und die Zwil­lin­ge dür­fen end­lich ih­re Ge­schen­ke aus­pa­cken. Na­tür­lich nicht oh­ne Streit. We­nigs­tens gibt der Nef­fe Ru­he, so lan­ge er sei­ne trag- ba­re Spie­le­kon­so­le hat. Schlim­mer ist da die zi­cki­ge Schwes­ter, die den gan­zen Abend auf ihr Han­dy starrt und Sät­ze sagt wie: „Weih­nach­ten ist doch voll ka­cke, im­mer die­ser Fa­mi­li­en-Sch***.“Üb­ri­gens hält sie auch gar nichts von fest­li­cher Gar­de­ro­be, sie bleibt bei ih­rem Mi­ni-Rock und dem bauch­frei­en Top.

Im­mer­hin macht sich der son­der­ba­re On­kel mal nütz­lich und geht mit dem Hund ei­ne Run­de Gas­si. Der Vier­bei­ner hat näm­lich schon al­ler­lei Un­sinn ge­trie­ben, fast die Gans ge­stoh­len und an den Weih­nachts­baum ge­strul­lert. Nur an das Tou­pet, das der On­kel im­mer so schief trägt, hat sich noch nie­mand so recht ge­wöhnt. Lei­der bringt der son­der­ba­re On- kel auf dem Rück­weg die pe­ne­tran­te Nach­ba­rin mit, die man so schlecht wie­der los­wird. Wäh­rend die Gast­ge­be­rin Töp­fe schwenkt und die Gans be­gießt und die Sah­ne schlägt und den Rot­kohl zupft, hat die Nach­ba­rin die Ru­he weg und plau­dert und plau­dert und plau­dert.

Für al­le, die den ei­nen oder an­de­ren Cha­rak­ter wie­der­er­ken­nen, ha­ben wir die­ses Spiel er­fun­den; zur Ablen­kung oder Un­ter­hal­tung, zum Zeit­ver­treib, bis das Es­sen auf dem Tisch steht, oder für je­ne, die mit ih­rem Weih­nachts­ge­schenk nichts an­fan­gen kön­nen. Viel Spaß und Fro­he Weih­nach­ten!

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