Fisch­ver­käu­fer und Pas­tor an der Krip­pe

Bri­git­te Meyer baut je­des Jahr ei­ne pro­ven­za­li­sche Krip­pen­sze­ne auf. Die ers­ten Fi­gu­ren kauf­te sie 1974 – für drei Mark.

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALE KULTUR - VON AN­GE­LA RIET­DORF

Die­se Krip­pen­sze­ne um­fasst mehr als Ochs, Esel, Kö­ni­ge und Hir­ten. Um den Stall, den Bri­git­te Meyer je­des Jahr auf­stellt, ste­hen rund fünf­zig klei­ne Ton­fi­gu­ren: Bäue­rin und Fisch­ver­käu­fe­rin, Mu­si­kant und Pas­tor, ein Blin­der, der von sei­nem Sohn ge­führt wird und vie­le mehr, al­le in bun­ten pro­ven­za­li­schen Trach­ten, lie­be­voll von Hand be­malt. Es sind San­tons, süd­fran­zö­si­sche Krip­pen­fi­gu­ren. Bri­git­te Meyer hat sie über vie­le Jah­re hin­weg ge­sam­melt. Nun zie­hen sie in Bri­git­te Mey­ers Wohn­zim­mer die Bli­cke auf sich und ver­brei­ten pro­ven­za­li­sche Weih­nachts­stim­mung am Nie­der­rhein.

„Die ers­ten ha­be ich 1974 für drei Mark ge­kauft“, er­zählt die ehe­ma­li­ge Fran­zö­sisch-Über­set­ze­rin mit ei­ner be­son­de­ren Lie­be zu un­se­rem west­li­chen Nach­bar­land. „Bei je­der

Die Pro­ven­za­len re­agier­ten mit Krea­ti­vi­tät auf das Ver­bot, in den

wei­te­ren Rei­se ha­be ich sie er­gänzt.“Heu­te be­sitzt sie ein bun­tes und de­tail­ver­lieb­tes Ab­bild süd­fran­zö­si­schen Le­bens im 18. und 19. Jahr­hun­dert. Denn zu die­sem Zeit­punkt ist die Tra­di­ti­on der San­tons, der klei­nen Hei­li­gen, ent­stan­den.

Die Pro­ven­za­len re­agier­ten mit Krea­ti­vi­tät auf das Ver­bot, in den Kir­chen gro­ße Krip­pen auf­zu­bau­en, das wäh­rend der Fran­zö­si­schen Re­vo­lu­ti­on er­las­sen wur­de und der an­ti-christ­li­chen Hal­tung herr­schen­der Re­vo­lu­tio­nä­re ge­schul­det war. Die pro­ven­za­li­sche Be­völ­ke­rung aber woll­te sich ih­re Krip­pen nicht neh­men las­sen und be­gann, klei­ne Fi­gu­ren aus Brot­teig her­zu­stel­len und zu be­ma­len. Die­se San­tons ge­nann­ten Fi­gür­chen wur­den dann in der Weih­nachts­zeit zu Hau­se auf­ge­baut.

Aus die­sem Brauch ent­wi­ckel­te sich ein ei­ge­ner Be­ruf, der San­to­nier, der sei­ne ei­ge­nen Fi­gu­ren ent­wirft und be­malt. Cha­rak­te­ris­tisch ist die Darstel­lung der Hand­werks­be­ru­fe in ih­ren re­gio­na­len Trach­ten, die in­ner­halb der idea­li­sier­ten Wie­der­ga­be ei­nes pro­ven­za­li­schen Dor­fes auf­ge­baut wer­den. So wird das all­täg­li­che Dorf­le­ben nach­ge­stellt mit Dorf­häu­sern und Brun­nen, Back­haus, Müh­le und Oli­ven­bäu­men. Die San­tons sind tra­di­tio­nell dau­men­groß, aber es exis­tie­ren auch bis zu zwan­zig Zen­ti­me­ter gro­ße Fi­gu­ren, die wie Pup­pen rich­tig be­klei­det sind.

Zu Bri­git­te Mey­ers wun­der­schö­ner tra­di­tio­nel­ler Samm­lung ge­hö­ren na­tür­lich auch die Hei­li­gen drei Kö­ni­ge samt Ge­schen­ken, Och­sen, Scha­fe und Ka­me­le und so­gar ein Schla­fen­der. Auch der Lou Ra­vi, ein Mann, der vol­ler Be­wun­de­rung sei­ne Ar­me zum Him­mel hebt, ist da­bei.

Das Um­feld hat Bri­git­te Meyer selbst er­gänzt: den Berg im Hin­ter­grund bil­det im Wald ge­fun­de­ne Bor­ke, den Stall hat ih­re Schwes­ter aus St­ei­nen zu­sam­men­ge­setzt. Und auch die be­rühm­te Müh­le, in der der fran­zö­si­sche Dich­ter Alp­hon­se Dau­det sei­ne Brie­fe schrieb, ist – zu- min­dest als Mo­dell – vor­han­den. Es ist ei­ne ein­drucks­vol­le Samm­lung, die Bri­git­te Meyer in et­li­chen Jahr­zehn­ten zu­sam­men­ge­tra­gen hat und es macht Ar­beit, sie auf­zu­bau­en. „Manch­mal über­le­ge ich, ob ich das wirk­lich ma­chen will“, sagt die 84-Jäh­ri­ge.

Aber dann tut sie es doch, denn die klei­nen bun­ten Hei­li­gen ge­hö­ren schließ­lich für sie zum Weih­nachts­fest und ver­brei­ten me­di­ter­ra­ne Weih­nachts­freu­de an grau­en Win­ter­ta­gen.

FOTO: ILGNER

Seit 1974 wächst Bri­git­te Mey­ers Samm­lung von pro­ven­za­li­schen Krip­pen­fi­gu­ren – so­ge­nann­ten San­tons – an.

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