Tom­my, der be­kehr­te Ka­bel­bei­ßer

Rheinische Post Moenchengladbach - - DIE TIERWELT -

Tom­my war nicht nur ein Fi­lou, er hat­te auch ein ge­spann­tes Ver­hält­nis zum Te­le­fon. Da wir abends nach ge­ta­ner Ar­beit zwangs­läu­fig auch mal te­le­fo­nie­ren muss­ten, räch­te er sich ger­ne an der lan­gen Schnur: Er biss sie ein­fach durch. Dies pas­sier­te im­mer wie­der, die Schnur wur­de ge­flickt und an an­de­rer Stel­le wie­der durch­ge­bis­sen. Wie konn­ten wir ihm das nur ab­ge­wöh­nen? Ei­ne neue Schnur muss­te her – aber schon war es wie­der pas­siert!

So um die Weih­nachts­zeit er­le­dig­te sich das dann von selbst. Wir hat­ten ei­nen schö- nen gro­ßen Tan­nen­baum und Tom­my hat­te die­sen auch ak­zep­tiert. Er war ja, wie je­des Jahr, mit dem Ent­fer­nen des Hei­li­gen Jo­sefs aus der Krip­pe be­schäf­tigt. Den konn­te er näm­lich nicht lei­den, nur die­se Fi­gur schmiss er im­mer wie­der aus der Krip­pe.

Auch nach Weih­nach­ten war der Baum noch schön be­leuch­tet mit elek­tri­schen Ker­zen, wir sa­ßen ge­müt­lich im Wohn­zim­mer, be­wun­der­ten ihn und ahn­ten nichts Bö­ses. Plötz­lich ein Schrei – das Licht geht aus, der Baum fällt um, die gan­zen Ku­geln und Tan- nen­na­deln ver­tei­len sich im Wohn­zim­mer – und aus cir­ca ei­nem Me­ter Hö­he kommt ein ro­tes Et­was quer durch den Baum ins Zim­mer ge­schos­sen! Was war denn das? Wir rann­ten nach dem ers­ten Schreck hin­ter dem Ka­ter her nach oben, und dort saß Tom­my als Häuf­chen Elend zit­ternd un­ter dem Bett und hat­te am Mäul­chen lau­ter klei­ne schwar­ze Fle­cken. Aber sonst war er heil ge­blie­ben. Wir brauch­ten ihm das Ka­bel­bei­ßen nicht mehr ab­zu­ge­wöh­nen – er hat es nie wie­der pro­biert.

Si­grid Mül­les-Evertz, Er­kelenz

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