Park­be­su­cher füt­tern Wild­tie­re zu To­de

In vie­len Tier­parks gilt ein strik­tes Füt­te­rungs­ver­bot – doch nicht al­le Be­su­cher hal­ten sich dar­an. Durch das fal­sche Fut­ter er­lei­den Hir­sche, Po­nys und Wild­schwei­ne im­mer wie­der Ko­li­ken. Jetzt wur­de in Bad Orb ein Po­ny ein­ge­schlä­fert.

Rheinische Post Moenchengladbach - - NORDRHEIN-WESTFALEN - VON OLI­VER BURWIG UND JES­SI­CA KUSCHNIK

DÜSSELDORF Übe­r­all im Wild­tier­park Bad Orb hän­gen die Schil­der: „Tie­re füt­tern ver­bo­ten“. Päch­te­rin Eva Ap­pel hat sie aus gu­tem Grund auf­ge­stellt, denn in dem Park in Hes­sen wa­ren im­mer wie­der Tie­re krank ge­wor­den, weil Be­su­cher ih­nen Fut­ter ge­ge­ben hat­ten, das sie nicht ver­tra­gen. Doch an das Ver­bot hal­ten sich nicht al­le. Zu­letzt muss­te Ap­pel die 36 Jah­re al­te Stu­te Bon­nie ein­schlä­fern las­sen, nach­dem ein äl­te­res Ehe­paar das Tier mit Weiß­brot ge­füt­tert hat­te und Bon­nie sich dar­auf­hin mit schwe­ren Ko­li­ken quäl­te. Im­mer wie­der ster­ben auch in NRW Wild­tie­re wie Hir­sche, Wild­schwei­ne und Zie­gen, weil Park­be­su­cher sie trotz Ver­bo­tes füt­tern. Ei­ni­ge Parks den­ken über stren­ge­re Kon­trol­len nach, doch ganz so ein­fach ist das nicht, wie der Fall in Hes­sen zeigt.

Eva Ap­pel macht ih­rem Är­ger bei Face­book Luft und schil­dert, wie sie ver­such­te, das Paar dar­an zu hin­dern, die Tie­re zu füt­tern: „Ich bin gleich hin und hab höf­lich ge­be­ten, die Tie­re nicht zu füt­tern. Ich wur­de an­ge­pflaumt, seit wann das denn so wä­re, und über­haupt hät­ten sie ja nur Brot“, er­zählt sie. Aus­führ­lich ha­be sie er­klärt, war­um es ver­bo­ten ist, doch das Paar sei ein­fach wei­ter­ge­zo­gen und ha­be an an­de­rer Stel­le wei­ter­ge­macht. Nach dem Vor­fall zog die Be­trei­be­rin ers­te Kon­se­quen­zen und schloss den Park vor­läu­fig. „Wir müs­sen un­se­rer Ver­nunft ver­trau­en. Ei­ne 24-St­un­denKon­trol­le geht nicht. Auch Wild­ka­me­ras ma­chen auf solch ei­nem gro­ßen Are­al kei­nen Sinn“, so Ap­pel.

Auch der Gruga­park Es­sen hat Er­fah­rung ge­macht mit un­ein­sich­ti­gen Be­su­chern. Ver­gan­ge­nes Jahr starb dort Po­ny Zap­pan an ei­ner Ko­lik, nach­dem es fal­sches Fut­ter be­kom­men hat­te. Her­mann-Jo­sef Gol­bach, Lei­ter des Tier­hofs, sprach da­mals von falsch ver­stan­de­ner Tier­lie­be, ge­gen die man nur schwer an­kom­me. Ver­bots­schil­der und Si­cher­heits­leu­te wür­den schlicht­weg igno­riert.

Um dem ent­ge­gen­zu­wir­ken, er­lau­ben ei­ni­ge Parks das Füt­tern, ge­ben aber gleich­zei­tig An­wei­sun­gen, was die Tie­re zu sich neh­men dür­fen und was nicht. Im Wild­park Gra­fen­berg in Düsseldorf ist es et­wa er­laubt, Wild­schwei­ne, Muff­lons, Dam- und Rot­wild mit Möh­ren, Kohlrabi, Kar­tof­feln, Äp­fel, Bir­nen, Ei­cheln und Kas­ta­ni­en zu füt­tern. An­de­re „Mit­bring­sel“der Be­su­cher kön­nen für die Tie­re hin­ge­gen ge­fähr­lich wer­den. „Ge­flü­gel­fleisch kann bei den Wild­kat­zen zu Ver­dau­ungs­be­schwer­den und bei den Wasch­bä­ren zu Über­ge­wicht füh­ren“, er­klärt Park­lei­ter Björn Por­sche. Ge­ne­rell soll­te man den Tie­ren kei­ne Res­te ge­ben, die man selbst nicht mehr es­sen wür­de. Kar­tof­fel­scha­len, schimm­li­ges Obst und al­tes Brot sind ta­bu. Auch Pop­corn oder ge­würz­te Nah­rungs­mit­tel sind schäd­lich, da sie Durst oder Ka­ries ver­ur­sa­chen, sagt Por­sche.

Nicht nur Park­be­trei­ber, auch vie­le Be­su­cher be­ob­ach­ten im­mer wie­der, wie El­tern ih­re Kin­der die Tie­re füt­tern las­sen – und for­dern stren­ge­re Kon­se­quen­zen. Nach­dem im Kai­ser­gar­ten Ober­hau­sen ein Schaf an fal­schem Fut­ter ge­stor­ben war, for­der­ten Be­su­cher auf Face­book mehr Per­so­nal und ho­he Buß­gel­der bei Nicht­ein­hal­tung des Füt­te­rungs­ver­bots – doch die oft städ­tisch be­trie­be­nen Parks kön­nen sich so viel Si­cher­heits­per­so­nal gar nicht leis­ten. „Wie sol­len wir ei­nen zwölf Hekt­ar gro­ßen Park mit an­nä­hernd vier Ki­lo­me­tern Zaun kon­trol­lie­ren?“, fragt Eva Ap­pel.

Die Parks set­zen nun ver­mehrt auf Auf­klä­rungs­ar­beit. So er­klä­ren sie den Be­su­chern, was das fal­sche Fut­ter mit den Tie­ren macht. Un­ge­koch­te Nu­deln et­wa kön­nen die Spei­se­röh­re der Tie­re ver­let­zen. Wie­der­käu­er wie Dam­hir­sche be­kom­men durch sie ein wei­te­res Pro­blem: Sie es­sen die Nu­deln, bis sie satt sind – im Pan­sen kommt dann Ver­dau­ungs­flüs­sig­keit da­zu, die sie auf­quel­len las­sen und Bauch­schmer­zen ver­ur­sa­chen. Park­lei­ter Por­sche er­klärt, dass ge­ra­de bei Pfer­den und Po­nys in Strei­chel­zoos Vor­sicht ge­bo­ten ist: „Da ihr Hun­ger­ge­fühl nicht durch den vol­len Ma­gen ge­dämpft wird, kön­nen sie sich le­bens­ge­fähr­lich über­fres­sen.“

Doch nicht nur bei Wild­tie­ren soll­te man auf­pas­sen, was man ih­nen zu fres­sen gibt. Glei­ches gilt für Wild­vö­gel, die vor al­lem im Win­ter ger­ne ge­füt­tert wer­den. „Das soll­te man aber nur ma­chen, wenn es an­hal­tend kalt ist und ei­ne Schnee­de­cke liegt“, sagt Birgit Kö­nigs vom Na­tur­schutz­bund NRW. Das Füt­tern ha­be kei­nen Ein­fluss auf die Art­er­hal­tung und hel­fe nur ein­zel­nen Tie­ren. Im Han­del gibt es spe­zi­el­le Kör­nermi­schun­gen, die Wa­chol­der­dros­sel, Kie­bitz und Spech­te ger­ne mö­gen. Rot­kehl­chen und He­cken­brau­nel­len ver­tra­gen Obst und Ro­si­nen sehr gut. Für En­ten, Schwä­ne und Gän­se gilt ähn­li­ches wie für Gar­ten­vö­gel, sagt Kö­nigs. Sie brau­chen Fut­ter, wenn die Tei­che zu­ge­fro­ren sind. Statt Brot soll­te man ih­nen aber lie­ber Mais ge­ben.

An­ders als im Gar­ten gilt in der Wild­nis ein stren­ges Füt­te­rungs­ver­bot, sagt Pe­ter Schütz vom Um­welt­amt NRW. Bei Miss­ach­tung von Ver­bots­schil­dern an Ge­wäs­sern („Hier kei­ne En­ten füt­tern!“) droht ein Buß­geld. Für die Durch­set­zung sind die Städ­te zu­stän­dig. Die Kom­mu­nen sind es auch, die sich bei be­son­ders har­ter Wit­te­rung um die Not­füt­te­rung von Schwä­nen und En­ten küm­mern.

FOTO: BERND SCHALLER

Im Wild­park Gra­fen­berg in Düsseldorf dür­fen Wild­schwei­ne ge­füt­tert wer­den – je­doch nur mit be­stimm­ten Le­bens­mit­teln. Park­lei­ter Björn Por­sche küm­mert sich dar­um, dass sich die Be­su­cher auch dar­an hal­ten.

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