Mehr deut­sche Sol­da­ten in die Tür­kei

Die „Pa­tri­ot“-Be­sat­zun­gen keh­ren heim. Bald sol­len Awacs-Auf­klä­rer star­ten.

Rheinische Post Moenchengladbach - - POLITIK -

BER­LIN (RP) Die Bun­des­wehr be­rei­tet sich im Zu­ge des Sy­ri­en-Kon­flikts auf ei­nen neu­en Ein­satz in der Tür­kei vor. Awacs-Auf­klä­rungs­flug­zeu­ge der Na­to mit deut­schen Be­sat­zungs­mit­glie­dern sol­len den Luf­t­raum über dem Staats­ge­biet des Bünd­nis­part­ners über­wa­chen. Da­für wer­den sie von Geilenkirchen bei Aa­chen in das süd­tür­ki­sche Konya ver­legt, wie das Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um den Fach­aus­schüs­sen des Bun­des­tags mit­teil­te. Die Be­sat­zung ei­nes Awacs-Flug­zeugs be­steht aus 16 Sol­da­ten. In der Re­gel ge­hört et­wa ein Drit­tel da­von der Bun­des­wehr an.

Auch nach dem Ab­zug von „Pa­tri­ot“-Ra­ke­ten aus der Tür­kei bleibt die Bun­des­wehr da­mit am Schutz des Na­to-Part­ners be­tei­ligt. Die letz­ten von einst 300 „Pa­tri­ot“-Sol­da­ten sol­len am Mitt­woch zu­rück­keh­ren. Sie wa­ren dort drei Jah­re lang zum Schutz vor Luft­an­grif­fen aus Sy­ri­en sta­tio­niert.

In dem Schrei­ben des Aus­wär­ti­gen Amts an den Bun­des­tag wird nach Me­dien­be­rich­ten klar­ge­stellt, dass der Awacs-Ein­satz nichts mit den in­ter­na­tio­na­len Luft­an­grif­fen ge­gen den Is­la­mi­schen Staat in Sy­ri­en und im Irak zu tun ha­be: „Nach gel­ten­der Be­schluss­la­ge hat die Na­to kei­ne Rol­le in der mi­li­tä­ri­schen Be­kämp­fung der Ter­ror­mi­liz IS.“Die Bun­des­wehr ist be­reits mit ei­nem Tank­flug­zeug an den Luft­an­grif­fen be­tei­ligt. Im Ja­nu­ar sol­len auch sechs deut­sche Tor­na­do-Auf­klä­rungs­flug­zeu­ge in den Ein­satz ein­grei­fen. Die Jets sind in In­cir­lik im Sü­den der Tür­kei sta­tio­niert. Im Ge­gen­satz zu den Tor­na­dos, die Zie­le am Bo­den aus­fin­dig ma­chen kön­nen, über­wa­chen die Awacs nur den Luf­t­raum. Da­her ist aus Sicht der Re­gie­rung auch kei­ne Zu­stim­mung des Bun­des­tags not­wen­dig. Wann der Ein­satz be­ginnt, sei noch un­klar.

An­ge­sichts der welt­wei­ten Kri­sen wird der Ruf nach ei­ner Ver­grö­ße­rung der Bun­des­wehr im­mer lau­ter. Der Wehr­be­auf­trag­te Hans-Pe­ter Bar­tels for­der­te ei­ne Auf­sto­ckung der Trup­pen­stär­ke um min­des­tens 7000 Sol­da­ten. Auch der Bun­des­wehr­ver­band sieht die Trup­pe „ab- so­lut im ro­ten Be­reich“und will bis zu 10.000 zu­sätz­li­che Sol­da­ten.

Der Ver­band for­der­te au­ßer­dem ei­ne Per­spek­ti­ve zur Be­en­di­gung des Ein­sat­zes von Sol­da­ten in der Hil­fe für Flücht­lin­ge. „Es ist nicht un­se­re Kern­kom­pe­tenz“, sag­te der Vor­sit­zen­de An­dré Wüst­ner dem Deutsch­land­funk. Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin Ur­su­la von der Ley­en (CDU) ha­be sich aus po­li­ti­schen Grün­den für die Amts­hil­fe ent­schie­den. Doch fehl­ten da­durch bis zu 9000 Sol­da­ten am Tag. Er glau­be, „dass wir spä­tes­tens En­de nächs­ten Jah­res aus der Flücht­lings­hil­fe raus­müs­sen“, sag­te Wüst­ner: „Die Län­der und Kom­mu­nen müs­sen auch in der La­ge sein, die­se Pro­ble­me wie­der selbst zu lö­sen.“

IS-An­füh­rer Abu Ba­kr al Bag­da­di soll sich un­ter­des­sen nach mehr als sie­ben Mo­na­ten wie­der zu Wort ge­mel­det ha­ben. In ei­ner 24 Mi­nu­ten lan­gen Au­dio­bot­schaft, de­ren Echt­heit zu­nächst un­klar war, heißt es un­ter an­de­rem in Rich­tung Is­ra­els, Pa­läs­ti­na wer­de zum Fried­hof der Ju­den wer­den. Im Irak steht der IS al­ler­dings vor ei­ner emp­find­li­chen Nie­der­la­ge: Nach mo­na­te­lan­gen Kämp­fen ste­hen Re­gie­rungs­trup­pen kurz vor der Rück­er­obe­rung der wich­ti­gen Pro­vinz­haupt­stadt Ra­ma­di. In Nord­sy­ri­en ver­lor der IS ei­nen wich­ti­gen Stau­damm an kur­di­sche und ara­bi­sche Re­bel­len.

FOTO: DPA

Ein Drit­tel der Awacs-Be­sat­zun­gen ge­hört der Bun­des­wehr an.

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