Ex­per­te für die Zeit der Völ­ker­wan­de­rung

Rheinische Post Moenchengladbach - - POLITIK - FRANK VOLL­MER FÜHRTE DAS GE­SPRÄCH.

Die Zeit Als Völ­ker­wan­de­rung wird meist die Epo­che vom Ein­fall der Hun­nen 375 bis ins 6. Jahr­hun­dert be­zeich­net. Im Jahr 395 wur­de das Rö­mi­sche Reich ge­teilt; der West­teil lös­te sich 476 auf. Os­trom (By­zanz) exis­tier­te bis 1453. Der His­to­ri­ker Micha­el Bor­gol­te (67), ei­ner der be­kann­tes­ten deut­schen Me­diä­vis­ten, lehrt mit­tel­al­ter­li­che Ge­schich­te an der Hum­boldt-Uni­ver­si­tät Ber­lin. Zu sei­nen Wer­ken ge­hö­ren „Chris­ten, Ju­den, Mu­sel­ma­nen“(Sied­lerVer­lag, Ge­schich­te Eu­ro­pas, 2006) und „Die mit­tel­al­ter­li­che Kir­che“(Ol­den­bourg- Ver­lag, zu­letzt 2004). schen muss mög­lichst eng sein. Nur so kön­nen bei­de Sei­ten er­ken­nen, dass sie von­ein­an­der pro­fi­tie­ren – wenn sie be­reit sind, sich zu än­dern. Was heißt das kon­kret? BOR­GOL­TE Ich könn­te mir vor­stel­len, dass man, wenn der An­spruch der mus­li­mi­schen Mit­bür­ger auf Par­ti­zi­pa­ti­on zu­nimmt, et­wa das mus­li­mi­sche Zu­cker­fest als ge­setz­li­chen Fei­er­tag ein­führt. Das wür­de un­ser Be­wusst­sein sehr grund­sätz­lich än­dern, da dann ne­ben po­li­ti­sche und christ­li­che Fei­er­ta­ge mus­li­mi­sche trä­ten. Das ist na­tür­lich rei­ne Spe­ku­la­ti­on, aber oh­ne Än­de­rung un­se­res Le­bens­stils wird es nicht ge­hen. Hel­fen Zäu­ne? Der Li­mes hat ein paar Hun­dert Jah­re ge­hal­ten. BOR­GOL­TE Im Prin­zip nein. Zäu­ne mö­gen die Strö­me ka­na­li­sie­ren, aber sie kön­nen Leu­te, die so ver­zwei­felt sind, dass sie für ih­re Kin­der kei­ne Zu­kunft in ih­rer Hei­mat se­hen, nicht dar­an hin­dern, an­ders­wo ih­ren Le­bens­mit­tel­punkt zu su­chen. Dau­er­haf­te Ab­schot­tung macht die Kon­flik­te nur noch schlim­mer.

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