So wird die TV-Quo­te künf­tig er­ho­ben

Ab Ja­nu­ar wer­den die Quo­ten an­ders er­fasst. Dann flie­ßen auch die Zu­griffs­zah­len der Me­dia­the­ken ein. Das stei­gert die Reich­wei­te er­heb­lich und wird nach An­ga­ben der Sen­der auch Aus­wir­kun­gen auf Wer­be­prei­se ha­ben.

Rheinische Post Moenchengladbach - - PANORAMA - VON CA­RO­LIN SKIBA Die ARD-Me­dia­thek wird kon­ti­nu­ier­lich wei­ter­ent­wi­ckelt. Ir­gend­wann sol­len al­le Pro­gram­me und In­hal­te zu­gäng­lich sein.

DÜSSELDORF Im kom­men­den Jahr wird die Fern­seh­quo­te nicht mehr sein, was sie mal war. Denn die von der Ge­sell­schaft für Kon­sum­for­schung (GfK) er­ho­be­nen Da­ten zum Fern­seh­ver­hal­ten in Deutsch­land wer­den dann mit Zah­len zur In­ter­net­nut­zung zu­sam­men­ge­legt. Dar­aus ent­steht dann die so­ge­nann­te in­te­grier­te Quo­te. Die neue Form der Er­he­bung soll laut der Ar­beits­ge­mein­schaft Fern­seh­for­schung (AGF) zum Jah­res­be­ginn star­ten.

Un­ge­nau­ig­kei­ten bei der bis­he­ri­gen Quo­ten­mes­sung ha­ben laut Ex­per­ten da­zu ge­führt, dass das Ver­fah­ren nun um­ge­stellt wird. So­wohl die Wer­be­in­dus­trie als auch die TVSen­der selbst ha­ben ein im­mer grö­ße­res In­ter­es­se an ex­ak­ten Zah­len, wer wie, wann und über wel­ches Me­di­um ei­ne Sen­dung an­sieht. Schließ­lich gibt es mitt­ler­wei­le di­ver­se Ka­nä­le und We­ge, über die Sen­dun­gen mehr­fach ab­ge­ru­fen wer­den kön­nen: Me­dia­thek, App, Ta­blet, Smart­pho­ne, Smart-TV oder der Fern­se­her. Und Wer­be­plät­ze wer­den an­hand der Quo­te zu­ge­wie­sen, je mehr Zu­schau­er bei ei­ner Sen­dung ein­schal­ten, des­to mehr kos­tet in die­ser Zeit ein Wer­be­platz.

Das mo­men­ta­ne Ver­fah­ren zur Quo­ten­er­he­bung funk­tio­niert über ei­ne so­ge­nann­te Stell­ver­tre­ter­mes­sung, er­klärt Ste­fan Gee­se von der Fern­seh­for­schung der ARD. In Fach­grup­pen sind Men­schen ver­schie­de­ner Pro­fi­le ver­tre­ten, die in ih­rer Zu­sam­men­set­zung die ge­samt­deut­sche Be­völ­ke­rung mit rund 37 Mil­lio­nen Fern­seh-Haus­hal­ten ab­bil­den. Kri­te­ri­en sind un­ter an­de­rem Haus­halts­grö­ße, Schul­bil­dung, Zahl der Kin­der und ob per Sa­tel­lit, Ka­bel oder DVB-T Fern­se­hen emp­fan­gen wird.

In der Quo­te wer­den bis­lang al­le pri­va­ten Haus­hal­te in Deutsch­land mit ei­nem EU-Bür­ger als Haupt­ein­kom­mens­be­zie­her ab­ge­bil­det. Dass Sen­dun­gen ei­gent­lich mehr Er­reich­bar­keit ha­ben, zeigt die Tat­sa­che, dass bei­spiels­wei­se Gast­stät­ten und Ho­tels, Kran­ken­häu­ser, Re­dak­tio­nen und ei­ni­ge öf­fent­li­che Or­te wie Post­fi­lia­len so­wie ver­schie­de­ne Per­so­nen­grup­pen nicht er­fasst wer­den. Auch da soll sich zu­künf­tig et­was än­dern. Das TV-Ver­hal­ten tür­ki­scher Bür­ger et­wa soll zu­künf­tig mit in die Quo­ten­er­he­bung ein­flie­ßen. Ge­ne­rell be­deu­tet das, dass die Reich­wei­te an­steigt – ins­ge­samt so­gar um meh­re­re Mil­lio­nen.

Mo­men­tan ist für die Quo­te wich­tig, wie viel Reich­wei­te ei­ne ein­zel­ne Sen­dung hat­te. Durch die Nut­zung der Me­dia­the­ken soll sich das än­dern. Denn ei­ne Sen­dung, die zum fest­ge­setz­ten Aus­strah­lungs­ter­min viel­leicht nur we­ni­ge Zu­schau­er hat­te, er­zielt durch spä­te­re Ab­ru­fe in der Me­dia­thek ei­ne grö­ße­re

Wie vie­le Zu­grif­fe zäh­len die Me­dia­the­ken im Schnitt pro Mo­nat? Reich­wei­te. „Im Ver­gleich könn­te ei­ne re­le­van­te Zu­schau­er­zahl her­aus­kom­men“, sagt Gee­se. Schon heu­te nut­zen vie­le Men­schen die Me­dia­the­ken, um un­ab­hän­gig vom TV-Pro­gramm Fil­me und Se­ri­en zu se­hen – die­se fle­xi­ble Nut­zung könn­te sich wei­ter durch­set­zen.

Ob hö­he­re Er­lö­se auch da­zu füh­ren, dass Pro­du­zen­ten und Schau­spie­ler zu­künf­tig an­ders be­zahlt wer­den, ist nach An­ga­ben von Sen­der­spre­chern nicht pau­schal zu be­ant­wor­ten. „Das hängt im Ein­zel­fall von der ge­wähl­ten Fi­nan­zie­rungs­form ab“, heißt es bei der ARD. Bei­spiel „Tat­ort“: Die Fol­gen dürf­ten recht­lich längs­tens für ei­ne Dau­er von drei Mo­na­ten im Netz zur Ver­fü­gung ge­stellt wer­den. Mo­men­tan

Was wird be­vor­zugt an­ge­schaut? wer­de mit ei­ner Ver­weil­dau­er von in der Re­gel 30 Ta­gen „das rund­funk­recht­lich Zu­läs­si­ge nicht aus­ge­schöpft“, so die ARD. Zu­dem sei zu be­rück­sich­ti­gen, dass es sich bei den „Tat­ort“-Fol­gen um voll­fi­nan­zier­te Auf­trags­pro­duk­tio­nen der Lan­des­rund­funk­an­stal­ten han­delt, „bei de­nen die Rech­te an den je­wei­li­gen Pro­duk­tio­nen um­fäng­lich er­wor­ben und ver­gü­tet“wür­den. Auch der WDR un­ter­schei­det zwi­schen teil- und voll­fi­nan­zier­ten Auf­trags­pro­duk­ten. Bei ei­ner vom WDR voll­fi­nan­zier­ten Pro­duk­ti­on lie­gen die Rech­te oh­ne­hin di­rekt beim Sen­der, bei teil­fi­nan­zier­ten Pro­duk­tio­nen wer­de „bei den Kal­ku­la­ti­ons­und Fi­nan­zie­rungs­ver­hand­lun­gen je­des mal in­di­vi­du­ell ver­han­delt“. Soll das An­ge­bot wei­ter

aus­ge­baut wer­den?

Ar­te er­klärt, dass es rei­ne Ver­hand­lungs­sa­che mit den Pro­du­zen­ten sei, aber dass in der Re­gel nicht mehr be­zahlt wer­de. ProSie­ben/ Sat.1 sieht das ähn­lich. Pro­du­zen­ten wür­den zu­künf­tig nicht an­ders be­zahlt, denn „zu­sätz­li­che Ab­ru­fe be­deu­ten in ei­ner Zeit, in der es im­mer mehr Aus­spiel­we­ge gibt, Sta­bi­li­tät“. Das ZDF ant­wor­tet, dass bei voll­fi­nan­zier­ten Pro­duk­tio­nen die Her­stel­lungs­kos­ten, all­ge­mei­ne Hand­lungs­kos­ten und ein Ge­winn­auf­schlag be­rück­sich­tigt sei­en, nicht aber die kon­kre­te Nut­zung ein­zel­ner Rech­te. Was die Be­zah­lung von Schau­spie­lern an­geht, so lau­fen laut ARD und WDR der­zeit Ver­hand­lun­gen mit den Schau­spie­ler­ver­bän­den.

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