Ent­täusch­te Lie­be wird es mit Hil­la­ry Cl­in­ton nicht ge­ben

Do­nald Trump ge­gen Hil­la­ry Cl­in­ton – das könn­te das Du­ell der US-Prä­si­dent­schafts­wah­len wer­den. Der Po­li­tik­wis­sen­schaft­ler Micha­el Werz hat schon ei­nen kla­ren Fa­vo­ri­ten.

Rheinische Post Moenchengladbach - - PANORAMA - MAT­THI­AS BEER­MANN STELL­TE DIE FRA­GEN.

Herr Werz, wie er­klä­ren Sie sich, dass ein bi­zar­rer Rechts­po­pu­list wie Do­nald Trump bei vie­len Ame­ri­ka­nern der­ar­tig gut an­kommt? WERZ Do­nald Trump pro­fi­tiert von weit ver­brei­te­ter Unsicherheit in der Be­völ­ke­rung: Sta­gnie­ren­de Re­al­ein­kom­men über ein Jahr­zehnt, mi­li­tä­ri­sche En­ga­ge­ments im Ori­ent mit frag­wür­di­gem Aus­gang, das Des­in­ter­es­se in Eu­ro­pa, Chi­na und In­di­en, ei­nen Bei­trag zu glo­ba­ler Sta­bi­li­tät zu leis­ten – die Ame­ri­ka­ner füh­len sich al­lein ge­las­sen mit den Pro­ble­men der Welt, und ein Teil der Be­völ­ke­rung kom­pen­siert das mit re­ak­tio­nä­rer Wel­t­an­schau­ung und un­dif­fe­ren­zier­tem Ge­schrei am po­li­ti­schen Stamm­tisch. Al­ler­dings muss man Trumps ver­meint­li­chen Er­folg im Kon­text se­hen: Die 35 Pro­zent der re­gis­trier­ten Re­pu­bli­ka­ner, die in den Vor­wah­len ab­stim­men wer­den, über­set­zen sich in nur acht oder neun Pro­zent der Be­völ­ke­rung. Nach den Um­fra­gen hat Hil­la­ry Cl­in­ton die mit Ab­stand bes­ten Chan­cen, 2017 in Wei­ße Haus ein­zu­zie­hen. Die bes­te Lö­sung für die USA? WERZ Ja. Hil­la­ry Cl­in­tons er­staun­li­cher Le­bens­weg spie­gelt zen­tra­le ame­ri­ka­ni­sche Mo­ti­ve – ih­re Bio­gra­fie at­met die Brü­che, Wi­der­stän­de und Kämp­fe der Ver­ei­nig­ten Staa­ten wäh­rend der zwei­ten Hälf­te des 20. Jahr­hun­derts. In ih­rem Le­bens­weg vom länd­li­chen Il­li­nois über Ar­k­an­sas, Wa­shing­ton nach New York spie­geln sich ei­ne Viel­zahl von so­zia­len, kul­tu­rel­len und po­li­ti­schen Er­fah­run­gen. Der Grund­ton ist al­ler­dings im­mer der glei­che: po­li­ti­sches Durch­set­zungs­ver­mö­gen und das Durch­bre­chen tra­di­tio­nel­ler Schran­ken. Hil­la­ry Cl­in­ton muss­te sich die Schnei­sen auf dem Weg in Rich­tung Wei­ßes Haus selbst schla­gen. Ih­re ame­ri­ka­ni­schen Er­fah­run­gen ha­ben sie mit Ein­sich­ten und Fer­tig­kei­ten aus­ge­stat­tet, die sie (zum zwei­ten Mal) zur stärks­ten Kan­di­da­tin ma­chen. Und für Eu­ro­pa? Schätzt man Cl­in­ton hier­zu­lan­de rea­lis­tisch ein oder wird es wie­der ei­ne ent­täusch­te Lie­be wie mit Oba­ma? WERZ Die ent­täusch­te Lie­be zu Oba­ma lag ja nicht nur in der Selbst­sti­li­sie­rung sei­ner Kam­pa­gne be­grün­det, son­dern auch in den rea­li­täts­un­ab­hän­gi­gen Pro­jek­tio­nen der Deut­schen. Das ist bei Hil­la­ry Cl­in­ton al­les an­ders. Ih­re Kam­pa­gne ist ei­neVa­ria­ti­on des Schrö­der­schen „Wir wol­len nicht al­les an­ders ma­chen, aber vie­les bes­ser“. Das ist ei­ne gu­te Vor­aus­set­zung, um die Er­war­tun­gen in ver­nünf­ti­gen Bah­nen zu hal­ten. Ich den­ke, das kommt in Deutsch­land auch so an.

Micha­el Werz Was wird po­li­tisch blei­ben aus zwei Amts­zei­ten Oba­ma? WERZ Ei­ne fas­zi­nie­ren­de de­mo­kra­ti­sche Wahl­ge­mein­schaft aus Min­der­hei­ten, Frau­en, Bil­dungs­eli­ten und Ein­wan­de­rern, die die De­mo­kra­ti­sche Par­tei auf Dau­er mehr­heits­fä­hig ge­macht hat. Da­zu kom­men sei­ne au­ßen­po­li­ti­schen Er­fol­ge trotz der re­pu­bli­ka­ni­schen Dau­er­blo­cka­de: der Kli­ma-De­al mit den Chi­ne­sen im ver­gan­ge­nen Jahr und dar­auf auf­bau­end die er­folg­rei­chen Pa­ri­ser Kli­ma­ver­hand­lun­gen, das Transpa­zi­fi­sche Frei­han­dels­ab­kom­men und die Neu­fo­kus­sie­rung der US-Po­li­tik auf den Pa­zi­fik, die Füh­rung der in­ter­na­tio­na­len Ko­ali­ti­on ge­gen den Is­la­mi­schen Staat, das Iran-Ab­kom­men, die Nor­ma­li­sie­rung der Be­zie­hun­gen zu Ku­ba, die zen­tra­le Rol­le der USA in der Un­ter­stüt­zung des Frie­dens­pro­zes­ses in Ko­lum­bi­en, der neue START-Ver­trag zur Re­duk­ti­on von Nu­kle­ar­waf­fen so­wie die ge­mein­sam mit der EU durch­ge­setz­ten Sank­tio­nen ge­gen Russ­land. In der In­nen­po­li­tik ra­gen die Ge­sund­heits­re­form, die stren­gen Kli­ma- und Um­welt­ge­set­ze so­wie die Le­ga­li­sie­rung von Kin­dern il­le­ga­ler Ein­wan­de­rer her­aus. Al­les in al­lem ei­ne so­li­de Bi­lanz.

„Die Ame­ri­ka­ner füh­len sich al­lein ge­las­sen mit den Pro­ble­men

der Welt“

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