INTERVIEW MIT HAN­NA MASUHR Um­tausch ist kein Ver­brau­cher­recht

Die Lei­te­rin der Ver­brau­cher­zen­tra­le Mön­chen­glad­bach, Han­na Masuhr, er­klärt den Un­ter­schied zwi­schen Um­tausch und Wi­der­ruf, wor­auf man bei Gut­schei­nen ach­ten muss und was sich im neu­en Jahr für Ver­brau­cher än­dern wird.

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALES - AN­GE­LA RIET­DORF FÜHRTE DAS INTERVIEW MIT HAN­NA MASUHR.

Weih­nach­ten ist vor­bei und der gro­ße An­sturm auf die Ge­schäf­te setzt noch ein­mal ein. Vie­le der Be­schenk­ten wol­len ih­re Ge­schen­ke um­tau­schen, zum Bei­spiel, weil sie mehr­mals das sel­be Spiel be­kom­men ha­ben oder weil der Pull­over nicht passt. Wor­auf müs­sen sie ach­ten? MASUHR Vie­le Ver­brau­cher glau­ben, dass sie ein Recht auf Um­tausch oder Rück­ga­be ha­ben. Das stimmt erst mal so nicht. Der Um­tausch ist im Ge­setz nicht ver­an­kert. Ku­lan­te Händ­ler, und das sind die meis­ten, ma­chen aber kei­ne Pro­ble­me und neh­men Un­ge­brauch­tes zu­rück. Aber das ist kein Recht, auf das der Ver­brau­cher po­chen kann. Schon gar nicht kann der Kun­de dar­auf be­ste­hen, das Geld zu­rück­zu­be­kom­men. Das re­gelt je­der Händ­ler selbst: Die ei­nen er­stat­ten den Kauf­preis, die an­de­ren ge­ben Gut­schei­ne aus, die drit­ten tau­schen Wa­re ge­gen Wa­re. Und wenn ich beim Kauf mit dem Händ­ler aus­ge­macht ha­be, dass die Wa­re um­ge­tauscht wer­den kann? MASUHR Dann soll­te man das auf dem Kas­sen­zet­tel fest­hal­ten las­sen. Auf dem Kas­sen­zet­tel ist üb­ri­gens auch oft ver­merkt, wenn der Um­tausch nur ge­gen an­de­re Wa­re er­fol­gen kann. Vie­le Ver­brau­cher ver­ste­hen nicht, dass sie bei Online-Käu­fen ihr Geld pro­blem­los zu­rück­be­kom­men, beim Ein­zel­händ­ler vor Ort aber nicht. MASUHR Das liegt dar­an, dass beim Online-Han­del in der Re­gel ein vier­zehn­tä­gi­ges Wi­der­rufs­recht exis­tiert. Das ist et­was an­de­res als ein Um­tausch. Im All­ge­mei­nen sind aber die Händ­ler vor Ort sehr ku­lant und kom­men dem Kun­den weit­ge­hend ent­ge­gen. Wir hö­ren ins­ge­samt von we­nig Pro­ble­men. Wenn man als Schen­ken­der das Pro­blem des Um­tau­schens um­ge­hen will, greift man oft zum Gut­schein. Wie lan­ge ist ein Gut­schein ei­gent­lich gül­tig? MASUHR Grund­sätz­lich ist ein Gut­schein drei Jah­re lang gül­tig, aber er kann auch be­fris­tet sein. Dann kann er nur in der an­ge­ge­be­nen Zeit ge­gen Wa­re ein­ge­tauscht wer­den. Ist die­se Frist ab­ge­lau­fen, ist er aber nicht wert­los. In­ner­halb der drei Jah­re nach Aus­stel­lung muss der Händ­ler dann den Wert aus­zah­len, je­doch kann er da­bei sei­nen Ge­winn ab­zie­hen. Wie viel der Kun­de dann al­ler­dings zu­rück­be­kommt, hängt von der Ge­winn­mar­ge des Händ­lers ab. Und was pas­siert, wenn ein Ge­schenk tat­säch­lich ei­nen Man­gel auf­weist? MASUHR Dann kann man na­tür­lich re­kla­mie­ren. Der Händ­ler hat als ers­tes die Mög­lich­keit, in­ner­halb ei­ner an­ge­mes­se­nen Zeit nach­zu­bes­sern, das heißt, zu re­pa­rie­ren, wenn das mög­lich ist. Er kann auch Er­satz leis­ten. Und schließ­lich gibt es noch die Mög­lich­keit der Min­de­rung. Wenn das al­les nicht funk­tio­niert, kann man die Wa­re zu­rück­ge­ben und er­hält auch das Geld zu­rück. Wich­tig ist bei all dem, dass man ers­tens die Kauf­be­le­ge auf­be­wahrt und zwei­tens die Re­kla­ma­ti­on auch schrift­lich fest­hält. Was muss man beim On­li­ne­kauf bei Re­kla­ma­tio­nen und Rück­sen­dun­gen be­ach­ten? MASUHR Vie­le Kun­den den­ken, dass es für ei­nen Wi­der­ruf reicht, die Wa­re zu­rück­zu­schi­cken. Das ist aber nicht so. Ich muss den Wi­der­ruf auch schrift­lich ma­chen. Wenn ich wirk­lich si­cher ge­hen will, schi­cke ich ihn per Ein­schrei­ben mit Rück­schein. Man kann auch per Email wi­der­ru­fen, aber dann soll­te man sich den Emp­fang der Mail be­stä­ti­gen las­sen. Die Ver­sand­kos­ten kann ich als Kun­de bei Wi­der­ruf zu­rück­ver­lan­gen, die Kos­ten der Rück­sen­dung kann der Händ­ler dem Kun­den auf­brum­men. Wich­tig ist, so vie­le Un­ter­la­gen wie mög­lich auf­zu­he­ben, Ko­pi­en zu ma­chen und Be­le­ge auf­zu­be­wah­ren. Neh­men wir mal an, Oma schließt für ih­ren En­kel zu Weih­nach­ten ei­nen Han­dy­ver­trag ab. Kann der En­kel wie­der aus dem Ver­trag aus­stei­gen? MASUHR Grund­sätz­lich ist der­je­ni­ge ge­bun­den, der den Ver­trag ab­ge- schlos­sen hat, in die­sem Fall al­so die Oma. Wenn der Ver­trag in ei­nem Te­le­fon­la­den ab­ge­schlos­sen wur­de, ist die Kün­di­gung erst nach der an­ge­ge­be­nen Lauf­zeit mög­lich. Wur­de der Ver­trag online ab­ge­schlos­sen, gilt wie­der das vier­zehn­tä­gi­ge Wi­der­rufs­recht. Aber On­li­ne­käu­fe kön­nen auch ih­re Tü­cken ha­ben. MASUHR Ja, bei­spiels­wei­se wenn ich mich durch ei­nen Schnäpp­chen­preis ab­len­ken las­se und gleich noch ei­ne Ver­si­che­rung mit ab­schlie­ße. Das kann dann noch teu­er wer­den. In vier Ta­gen be­ginnt das neue Jahr. Mit wel­chen Pro­ble­men und Fra­gen kom­men die Men­schen er­fah­rungs­ge­mäß im Ja­nu­ar in die Ver­brau­cher­zen­tra­le? MASUHR Im letz­ten und im ers­ten Mo­nat des Jah­res wer­den vie­le Jah­res­prä­mi­en fäl­lig. Vie­le ent­de­cken dann, dass sie mit ih­rem Bud­get nicht hin­kom­men und su­chen Rat. Aber auch ganz ge­ne­rell kön­nen wir emp­feh­len, den Jah­res­wech­sel zu nut­zen und mit der Füh­rung ei­nes Haus­halts­bu­ches zu be­gin­nen. Dann über­blickt man sei­ne Ein­nah­men und Aus­ga­ben leich­ter und hat sei­ne Fi­nan­zen bes­ser im Griff. Was än­dert sich 2016 für Ver­brau­cher? MASUHR Be­kannt­lich ha­ben die Kran­ken­kas­sen an­ge­kün­digt, ih­re Zu­satz­bei­trä­ge zu er­hö­hen. Da­mit ha­ben die Mit­glie­der ein Son­der­kün­di­gungs­recht. Sie kön­nen bis zum En­de des Mo­nats kün­di­gen, an dem der Zu­satz­bei­trag erst­mals er­ho­ben wird. Al­ler­dings soll­ten Ver­brau­cher ih­re Kran­ken­kas­se nicht aus­schließ­lich nach dem Preis aus­wäh­len, son­dern auch auf die Leis­tun­gen ach­ten. Im Lau­fe des Jah­res wer­den ver­schie­de­ne recht­li­che Än­de­run­gen in Kraft tre­ten, zum Bei­spiel das Recht auf ein Gi­ro­kon­to. MASUHR Ja, end­lich pas­siert, was die Ver­brau­cher­zen­tra­len schon lan­ge for­dern. Spä­tes­tens im Sep­tem­ber 2016 muss ei­ne ent­spre­chen­de EURicht­li­nie in deut­sches Recht um­ge­setzt. wer­den. Dann hat je­der ein Recht auf ein Gi­ro­kon­to und ist nicht mehr vom Wohl­wol­len der Ban­ken ab­hän­gig. Es gibt im Fi­nanz­be­reich noch ei­ne wei­te­re Än­de­rung: Die Ban­ken brau­chen für die Frei­stel­lungs­auf­trä­ge in Zu­kunft die Steu­e­ri­den­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer der Kun­den. Auch das Kin­der­geld wird nur noch aus­ge­zahlt, wenn die­se ID vor­liegt. Auch bei den Im­mo­bi­li­en­dar­le­hen wird sich et­was än­dern. Das unend­li­che Wi­der­rufs­recht, das bis­her bei ei­ni­gen feh­ler­haf­ten Ver­trä­gen galt, wird auf­ge­ho­ben. MASUHR Da­bei geht es um äl­te­re Ver­trä­ge, die fal­sche Wi­der­rufs­be­leh­run­gen be­inhal­te­ten. Durch die­sen Feh­ler wa­ren sol­che Ver­trä­ge un­end­lich wi­der­ruf­bar, der Kun­de braucht sich nicht zu be­ei­len. Das soll nun ge­än­dert wer­den. Je­der, der glaubt, dass sein Ver­trag be­trof­fen sein könn­te, soll­te das jetzt zü­gig recht­lich prü­fen las­sen.

„Im All­ge­mei­nen sind aber die Händ­ler vor Ort

sehr ku­lant und kom­men dem Kun­den weit­ge­hend ent­ge­gen“

„ Al­ler­dings soll­ten Ver­brau­cher ih­re Kran

ken­kas­se nicht aus­schließ­lich nach dem

Preis aus­wäh­len“

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