Die Ra­di­ka­li­sie­rung der Rän­der stärkt die gro­ße Ko­ali­ti­on

Rheinische Post Moenchengladbach - - POLITIK - Chris­toph Schwen­ni­cke ist Chef­re­dak­teur des Ma­ga­zins „Ci­ce­ro“und schreibt re­gel­mä­ßig an die­ser Stel­le im Rah­men ei­ner Ko­ope­ra­ti­on. Ih­re Mei­nung? Schrei­ben Sie dem Au­tor: ko­lum­ne@rheinische-post.de

Als vor mehr als zehn Jah­ren die zwei­te gro­ße Ko­ali­ti­on über Deutsch­land kam, wa­ren sich vie­le Be­ob­ach­ter ei­nig: Ei­ne gro­ße Ko­ali­ti­on mag be­fris­tet ihr Gu­tes ha­ben und dem Land nut­zen. Sie darf aber nicht zum Dau­er­zu­stand wer­den. Dann nimmt die par­la­men­ta­ri­sche De­mo­kra­tie Scha­den. Ei­ne Le­gis­la­tur höchs­tens, auf kei­nen Fall län­ger, das war zu Recht der all­ge­mei­ne Te­nor.

In­zwi­schen er­le­ben wir das drit­te Jahr der drit­ten gro­ßen Ko­ali­ti­on in Deutsch­land und fak­tisch das elf­te Jahr der groß­ko­ali­tio­nä­ren Mer­kelRe­gie­rung. Denn zwi­schen­zeit­lich hat die Kanz­le­rin zwar ein­mal mit den Li­be­ra­len ko­aliert. Re­giert aber hat sie auch in die­sem In­ter­mez­zo im­mer mit der SPD. Und nach dem Zwi­schen­spiel mit Gui­do Wes­ter­wel­les FDP ist sie auch ger­ne und freu­dig wie­der in die Ar­me der SPD ge­lau­fen. An­ge­la Mer­kel selbst ist die fleisch­ge­wor­de­ne gro­ße Ko­ali­ti­on.

Heu­te ist die­ses Land nicht wie­der­zu­er­ken­nen. Weil sich die Mit­te so breit­ge­macht hat, drückt es die­je­ni­gen, die sich nicht mehr ver­tre­ten füh­len, zwangs­läu­fig an die Rän­der. Das Be­drü­cken­de an der Si­tua­ti­on: Es ist kein En­de in Sicht. Im Ge­gen­teil. Die gro­ße Ko­ali­ti­on ge­biert sich selbst. Am 13. März des kom­men­den Jah­res wer­den in drei Bun­des­län­dern gleich­zei­tig Land­tags­wah­len statt­fin­den. In Rhein­land-Pfalz, Ba­den-Würt­tem­berg und Sach­senAn­halt. Nach La­ge der Din­ge wird der ab­seh­ba­re Ein­zug der AfD in die drei Lan­des­par­la­men­te da­für sor­gen, dass da­nach in al­len drei Bun­des­län­dern gro­ße Ko­ali­tio­nen re­gie­ren wer­den. Bis­lang ist das nur in Sach­sen-An­halt der Fall.

So pa­ra­dox es klin­gen mag: Bis auf Wei­te­res stärkt und stützt die Ra­di­ka­li­sie­rung an den Rändern die gro­ße Ko­ali­ti­on, ge­gen die sie aus gu­ten de­mo­kra­ti­schen Grün­den auf­be­gehrt.

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