Gas­prei­se: So soll­ten Ver­brau­cher re­agie­ren

Nur we­ni­ge An­bie­ter ge­ben die bil­li­gen Groß­han­dels­prei­se für Gas an die pri­va­ten Haus­hal­te wei­ter. An­de­re Kos­ten sei­en ge­stie­gen. Das sind die Gas­prei­se in der Re­gi­on

Rheinische Post Moenchengladbach - - WIRTSCHAFT - VON KA­TRIN HAAS

DÜSSELDORF Nur et­was mehr als die Hälf­te der über 700 Gas­grund­ver­sor­ger hat seit An­fang 2015 die Prei­se für die Ver­brau­cher ge­senkt oder Sen­kun­gen zum Jah­res­wech­sel an­ge­kün­digt. Das hat das Ver­gleich­spor­tal Ve­ri­vox aus­ge­wer­tet. Für die Ver­brau­cher lohnt sich ein Wech­sel der­zeit be­son­ders. Denn bis­lang ha­ben die Ver­brau­cher kaum von den ge­sun­ke­nen Groß­han­dels­prei­sen pro­fi­tiert. Das er­gab ei­ne Stu­die des Ener­gie­in­for­ma­ti­ons­diens­tes Ener­gy­com­ment im Auf­trag der Bun­des­tags­frak­ti­on von Bünd­nis 90/Die Grü­nen. Laut der Stu­die sind An­fang 2016 „et­was stär­ke­re und brei­te­re Ta­rif­sen­kun­gen zu er­war­ten“. Und ge­nau das soll­ten die Ver­brau­cher nut­zen.

Zum 1. Ja­nu­ar 2016 ha­ben bis­her wei­te­re 149 Ver­sor­ger Preis­sen­kun­gen von durch­schnitt­lich 4,5 Pro­zent an­ge­kün­digt, sagt Ve­ri­vox. Nach An­ga­ben des Ver­gleich­spor­tals sind die Groß­han­dels­prei­se im Ver­gleich zum ver­gan­ge­nen Jahr um 17 Pro­zent ge­sun­ken, die Prei­se für die pri­va­ten Ver­brau­cher al­ler­dings nur um 2,7 Pro­zent. War­um ge­ben die Ver­sor­ger die sin­ken­den Prei­se nicht an die Ver­brau­cher wei­ter? Das lie­ge an den stei­gen­den Netz­ent­gel­ten, Steu­ern und Ab­ga­ben, sagt der Bun­des­ver­band der Ener­gie- und Was­ser­wirt­schaft (BDEW). Die er­hö­hen sich An­fang 2016 bun­des­weit um durch­schnitt­lich 5,5 Pro­zent. „Die Ver­sor­ger ver­ste­cken sich hin­ter den Netz­ent­gel­ten und ih­rer ge­hei­men Be­schaf­fungs­stra­te­gie, um vom ei­gent­li­chen Pro­blem ab­zu­len­ken“, sagt Udo Sie­ver­ding von der Ver­brau­cher­zen­tra­le NRW. Das Ziel sei rei­ne Pro­fit­ma­xi­mie­rung. Ins­be­son­de­re RWE und de­ren Toch­ter-Un­ter­neh­men fal­len seit Lan­gem durch be­son­ders ho­he Prei­se auf. Was soll­te im neu­en Ver­trag ste­hen? Es ist zu emp­feh­len, dass sich Haus­hal­te nicht län­ger als ein Jahr an ei­nen An­bie­ter bin­den. So kann recht­zei­tig auf Preis­än­de­run­gen re­agiert

An­bie­ter Gr­und­ver­sor­gungs­ta­rif* ab Jan. 2016 Preis­ver­än­de­rung

zu Dez. 2015 und zu ei­nem an­de­ren Ver­sor­ger mit güns­ti­ge­ren Prei­sen ge­wech­selt wer­den. Da­her soll­te auch die Kün­di­gungs­frist ma­xi­mal ei­nen Mo­nat be­tra­gen, emp­fiehlt die Ver­brau­cher­zen­tra­le NRW. Wie kün­di­ge ich? Vor ei­nem neu­en Ver­trags­ab­schluss soll­ten Ver­brau­cher erst ab­klä­ren, zu wel­chem Zeit­punkt der al­te Ver­trag ge­kün­digt wer­den kann. In der Gr­und­ver­sor­gung be­trägt die Kün­di­gungs­frist nur zwei Wo­chen. Bei ei­nem Wech­sel müs­sen Kun­den die Kün­di­gung beim al­ten An­bie­ter in der Re­gel nicht selbst über­neh­men, son­dern stel­len dem neu­en Ver­sor­ger da­für ei­ne Voll­macht aus. Falls sich der Ver­trag aber in we­ni­gen Ta­gen selbst ver­län­gert, zum Bei­spiel auf ein Jahr, soll­te der Kun­de selbst kün­di­gen. Was muss ich beim Wech­sel be­ach­ten? Auf der Jah­res­ab­rech­nung ist der jähr­li­che Ver­brauch auf­ge­lis­tet. An­hand des­sen soll­te auch der neue Ta­rif aus­ge­sucht wer­den. Wer nach ei­nem Um­zug zum ers­ten Mal ei­nen Ver­trag ab­schließt, kann sich an­hand des Durch­schnitts­ver­brauchs be­hel­fen. Wenn fest­steht, wie viel Gas der Haus­halt vor­aus­sicht­lich ver­braucht, kann auf der In­ter­net­sei­te des An­bie­ters oder über ein Ver­gleich­spor­tal der Ver­trag ab­ge­schlos­sen wer­den. Von den An­ga­ben soll­te im­mer ein Screenshot, al­so ein Foto des Com­pu­ter-Bild­schirms, ge­macht wer­den. Das Glei­che gilt für Ver­trags­un­ter­la­gen, die vom An­bie­ter zu­ge­schickt wer­den. Die­se soll­ten ein­mal ko­piert wer­den, um den Wech­sel zu do­ku­men­tie­ren. Ist ein Ta­rif mit Preis­ga­ran­tie sinn­voll? Sol­che Preis­ga­ran­ti­en ge­wäh­ren die Gas­ver­sor­ger häu­fig bei län­ge­ren Lauf­zei­ten. Das kann für Kun­den zum Nach­teil wer­den, weil er nicht auf sin­ken­de Prei­se re­agie­ren kann. Au­ßer­dem kön­nen die­se Ver­trä­ge Preis­an­pas­sungs­klau­seln ent­hal­ten. Al­ler­dings hat der Bun­des­ge­richts­hof (BGH) vie­le Er­hö­hun­gen als rechts­wid­rig an­ge­se­hen.

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