Po­li­zei warnt vor Ba­by-Wi­ckel-Trick

Lan­des­weit sind der­zeit vie­le Trick­die­be un­ter­wegs. Sie ge­ben sich an Haus­tü­ren als Hil­fe­su­chen­de aus und wol­len sich Zu­tritt zu den Woh­nun­gen ih­rer Op­fer ver­schaf­fen. Das Lan­des­kri­mi­nal­amt klärt über die gän­gigs­ten Ma­schen auf.

Rheinische Post Moenchengladbach - - NORDRHEIN-WESTFALEN - VON CHRIS­TI­AN SCHWERDTFEGER

DÜSSELDORF Es ist ei­ner der äl­tes­ten Tricks, mit de­nen sich ein Mann und ei­ne Frau am ver­gan­ge­nen Sonn­tag­nach­mit­tag Zu­gang zur Woh­nung ei­ner Se­nio­rin in Meer­busch ver­schaff­ten. Sie klin­gel­ten bei ihr, ba­ten um ein Glas Was­ser und frag­ten, ob sie mal kurz die Toi­let­te be­nut­zen dürf­ten. Um ver­trau­ens­er­we­ckend zu wir­ken, ga­ben sie an, von der Ca­ri­tas zu sein. Die äl­te­re Frau ließ die bei­den dar­auf­hin in ih­re Woh­nung. Schon nach kur­zer Zeit hat­te die Se­nio­rin ein un­gu­tes Ge­fühl und for­der­te das Paar auf zu ge­hen. Doch erst als sie weg wa­ren, fiel ihr auf, dass sie be­stoh­len wur­de. Ihr Bar­geld war weg. Sie rief die Po­li­zei, die ihr dann er­klär­te, Op­fer von Trick­die­ben ge­wor­den zu sein.

Ers­tes Ziel der Tä­ter ist es, in die Woh­nun­gen ih­rer Op­fer zu kom­men. Denn dort gibt es

kei­ne Zeu­gen.

Lan­des­weit hat die Zahl von Trick­be­trü­ge­rei­en er­neut stark zu­ge­nom­men. Das Lan­des­kri­mi­nal­amt (LKA) warnt, dass ge­ra­de zu Jah­res­en­de Trick­be­trü­ger in gro­ßer Zahl un­ter­wegs sind und mit un­ter­schied­li­chen Me­tho­den ver­su­chen, die Men­schen wie mit dem Toi­let­ten-Trick in Meer­busch zu be­steh­len und zu be­trü­gen. „Ob an der Haus­tür, am Te­le­fon, in der Stadt, auf dem Markt – fast übe­r­all lau­ern die­se Kri­mi­nel­len“, be­tont ein Er­mitt­ler. „Sie wis­sen, dass die Men­schen nach Weih­nach­ten be­son­ders viel Bar­geld und an­de­re Wert­ge­gen­stän­de zu Hau­se ha­ben oder bei sich tra­gen“, sagt der Po­li­zist.

Das Lan­des­kri­mi­nal­amt hat für un­se­re Re­dak­ti­on ei­ne Aus­wer­tung der der­zeit gän­gigs­ten Trick­be­trü­ge­rei­en zu­sam­men­ge­stellt. Grund­sätz­lich sei das ers­te Ziel der Tä­ter, über­haupt in die Woh­nung ge­las­sen zu wer­den, um al­lei­ne mit ih­rem Op­fer zu sein. „Dann brau­chen sie kei­ne Zeu­gen und kei­ne Hil­fe für das Op­fer zu be­fürch­ten“, sagt ei­ne LKA-Spre­che­rin. In der Re­gel sind es äl­te­re, al­lein­ste­hen­de Men­schen, auf die es die Kri­mi­nel­len ab­ge­se­hen ha­ben. Glas-Was­ser-Trick Die Tä­ter klin­geln an der Haus­tür und täu­schen Übel­keit, Schwan­ger­schaft oder Arz­nei­mit­tel­ein­nah­me vor und fra­gen nach ei­nem Glas Was­ser. Pa­pier-und-Blei­stift-Trick Die Tä­ter ge­ben vor, dass sie für ei­nen Nach­barn, den sie an­geb­lich nicht an­ge­trof­fen ha­ben, ei­ne Nach­richt hin­ter­las­sen wol­len. Sie fra­gen nach

€€€ Schreib­zeug und Pa­pier und drän­gen dar­auf, die No­tiz in der Woh­nung schrei­ben zu dür­fen. Oder sie bit­ten das Op­fer, die Nach­richt für sie zu schrei­ben. Blu­men-oder-Ge­schen­k­ab­ga­beT­rick Die Tä­ter wol­len für ei­nen an­geb­lich ab­we­sen­den Nach­barn Blu­men oder ein Ge­schenk ab­ge­ben und drän­gen dar­auf, die Blu­men zu ver­sor­gen, oder bit­ten, das Ge­schenk zu ver­wah­ren. Ba­by-Wi­ckel-Trick In dem Fall sind es meist Frau­en, die klin­geln und fra­gen, ob sie ihr Kind wi­ckeln und es füt­tern kön­nen und ob sie da­für die Toi­let­te be­nut­zen dür­fen. Un­fall-Trick Die Kri­mi­nel­len be­haup­ten, ge­ra­de ei­ne Au­to­pan­ne ge­habt zu ha­ben und bit­ten, des­we­gen mal kurz das Te­le­fon be­nut­zen zu dür­fen, um die Po­li­zei zu ver­stän­di­gen. Oft sa­gen sie noch, ver­letzt zu sein, um Mit­leid zu er­re­gen. Geld­au­to­mat-Trick So­bald Bank­kun­den am Geld­au­to­ma­ten ih­re Ge­heim­zahl ein­ge­ge­ben ha­ben, wer­den sie von ei­nem Tä­ter an­ge­rem­pelt und ab­ge­lenkt. Der Kri­mi­nel­le ver­wi­ckelt sein Op­fer in ein Ge- spräch, in dem er et­wa nach dem Weg fragt. Ein zwei­ter Tä­ter kommt dann hin­zu, ver­deckt mit ei­nem Klemm­brett oder ei­nem Stadt­plan die Tas­ta­tur und wählt die höchst­mög­li­che Aus­zah­lungs­sum­me. Die Tä­ter neh­men dann das Geld aus dem Aus­ga­be­fach und flüch­ten. Spen­den-Trick Meist sind es Frau­en, die an der Haus­tür, aber auch in Fuß­gän­ger­zo­nen be­haup­ten, Spen­den zu sam­meln. Sie hal­ten ih­ren Op­fern ein Klemm­brett oder ei­ne an­geb­li­che Spen­der­lis­te di­rekt vor das Ge­sicht. Un­ter die­ser Ab­de­ckung ent­wen­den sie aus dem Porte­mon­naie ih­rer Op­fer Geld­schei­ne. In an­de­ren Fäl­len um­ar­men sie die Spen­der „aus Dank­bar­keit“und steh­len da­bei die Geld­bör­se oder das Han­dy. Geld­wech­sel-Trick Die­se Tä­ter­grup­pen bit­ten fast aus­schließ­lich äl­te­re Per­so­nen in Park­häu­sern und auf Park­plät­zen, ei­ne Mün­ze für Park­au­to­ma­ten oder zum Te­le­fo­nie­ren zu wech­seln. Wenn ein Op­fer die Geld­bör­se dann öff­net, bie­tet der Tä­ter sei­ne Hil­fe beim Su­chen nach der pas­sen­den Mün­ze an, greift ins Porte­mon­naie und ent­wen­det dann die Geld­schei­ne.

GRAFIK: FERL

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