Par­tei­en wer­den im­mer klei­ner

Bin­nen fünf Jah­ren ver­lo­ren die gro­ßen Sechs je­des fünf­te Mit­glied.

Rheinische Post Moenchengladbach - - POLITIK - VON GREGOR MAYNTZ

BER­LIN Die Schrump­fung der Par­tei­en in Deutsch­land hält an. Wenn der Trend so an­hält, brin­gen es CDU, CSU, SPD, Lin­ke, Grüne und FDP zu­sam­men bald nur noch auf so vie­le Mit­glie­der, wie die SPD 1976 al­lei­ne zähl­te. Das wa­ren da­mals 1,022 Mil­lio­nen, al­le sechs ha­ben nun le­dig­lich noch 1,211 Mil­lio­nen. In den ver­gan­ge­nen fünf Jah­ren ver­rin­ger­te sich die Mit­glie­der­zahl der eta­blier­ten Par­tei­en um ein Zehn­tel (10,72 Pro­zent). 2010 brach­ten sie es zu­sam­men noch auf 1,357 Mil­lio­nen Mit­glie­der.

Wie ei­ne ak­tu­el­le Um­fra­ge un­se­rer Re­dak­ti­on wei­ter er­gab, ver­lor die SPD bis No­vem­ber 14.428 Mit­glie­der und zählt nun nur noch 445.534. Weil die CDU bis zum No­vem­ber im Vor­jah­res­ver­gleich „nur“13.019 Mit­glie­der ver­lor, ist sie nach drei Jah­ren wie­der an der SPD vor­bei­ge­zo­gen und mit nun noch 446.859 Mit­glie­dern wie­der stärks­te Par­tei in Deutsch­land. Hin­zu kom­men noch rund 146.000 Mit­glie­der der CSU, die et­wa 1000 Par­tei­freun­de we­ni­ger zählt. Die FDP konn­te den frei­en Fall und den Ver­lust Tau- sen­der Mit­glie­der jähr­lich deut­lich brem­sen: von 54.976 Mit­glie­dern schrumpf­te sie auf nun­mehr rund 54.000. Auch die Grü­nen sind nur mo­de­rat von der Schrump­fung be­trof­fen: von 60.329 auf et­wa 59.520 bis En­de Sep­tem­ber. Da­für soll auch ei­ne Um­stel­lung mit Strei­chen von „Kar­tei­lei­chen“ver­ant­wort­lich sein.

Auch die Lin­ke hat den ra­san­ten Ver­lust hin­ter sich und lei­det nicht mehr so stark un­ter Mit­glie­der- schwund wie noch vor Jah­ren: Ak­tu­ell ging es von 60.551 En­de letz­ten Jah­res bis En­de Sep­tem­ber die­ses Jah­res auf 59.634 her­un­ter. Al­ler­dings: Ge­star­tet war die Lin­ke En­de 1990 in das wie­der­ver­ei­nig­te Deutsch­land noch mit 186.000 Mit­glie­dern – mehr als dem Drei­fa­chen.

Schwer ein­zu­schät­zen sind Ge­win­ne und Ver­lus­te bei der AfD. Ak­tu­ell zählt die rechts­po­pu­lis­ti­sche Par­tei 19.012 Mit­glie­der zu­züg­lich 1203 stän­di­ger För­de­rer. Da­zu kä- men wei­te­re 1800 noch un­be­ar­bei­te­te Mit­glieds­an­trä­ge. Der Stand vom Vor­jahr sei nicht er­fasst, be­rich­tet die Par­tei­zen­tra­le und schätzt, dass die Mit­glie­der­zah­len um 25 Pro­zent zu­ge­nom­men ha­ben. Über 20.000 Mit­glie­der wa­ren je­doch auch in der ers­ten Hälf­te die­ses Jah­res be­reits ge­mel­det wor­den – vor dem Bruch mit Grün­der Bernd Lu­cke, mit dem rund 20 Pro­zent die Par­tei ver­las­sen ha­ben sol­len. Dem­nach hät­te die AfD die­sen Schwund wett­ge­macht und leicht zu­ge­legt. Pro Tag gin­gen 30 Mit­glieds­an­trä­ge ein, heißt es von der AfD.

30 pro Tag sind 900 pro Mo­nat. Auf durch­schnitt­lich 1000 Ein­trit­te im sel­ben Zei­t­raum kommt die CDU. Im Zu­ge der De­bat­te über die Flücht­lings­po­li­tik der CDU hat nach Aus­kunft des Kon­rad-Ade­nau­erHau­ses so­wohl die Zahl der Aus­trit­te als auch die der Ein­trit­te deut­lich zu­ge­nom­men. Die Lin­ke freut sich ins­be­son­de­re über ver­mehrt jün­ge­re Ge­nos­sen. 4300 Ne­u­mit­glie­der hät­ten im Jahr 2014 ge­won­nen wer­den kön­nen, für das lau­fen­de Jahr sei mit ei­ner ähn­li­chen Zahl zu rech­nen, er­klär­te ei­ne Par­tei­spre­che­rin.

CDU, CSU, SPD, Lin­ke, Grüne und FDP ha­ben zu­sam­men so vie­le Mit­glie­der wie 1976 die SPD

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