Böl­ler, Bom­ben, Blit­ze

Nir­gend­wo in Deutsch­land wer­den so vie­le Bank­au­to­ma­ten ge­sprengt wie in Nord­rhein-West­fa­len. Was droht da in der Sil­ver­s­ter­nacht?

Rheinische Post Moenchengladbach - - POLITIK - Ih­re Mei­nung? Schrei­ben Sie un­se­rem Au­tor: ko­lum­ne@rheinische-post.de

Ob man es mag oder nicht – das neue Jahr wird auch die­ses Mal mit Feu­er­werk und Böl­lern be­grüßt. Nach den vie­len Hi­obs­bot­schaf­ten der ver­gan­ge­nen Wo­chen wür­de es al­ler­dings nicht über­ra­schen, wenn sich in der Nacht der Näch­te auch an dem ei­nen oder an­de­ren Geld­au­to­ma­ten ein Knall er­eig­ne­te. Die Ban­di­ten scheu­en of­fen­bar vor kei­nem Ver­such zu­rück, die Ge­rä­te mit Gas oder Spreng­stoff in die Luft zu ja­gen.

Man fragt sich, war­um nicht schon längst in al­le Geld­au­to­ma­ten Farb­pa­tro­nen ge­steckt wor­den sind. Die Ban­ken könn­ten den un­er­wünsch­ten „Kun­den“dann auf ei­nem gut sicht­ba­ren Schild mit­tei­len, dass Zer­stö­rungs­ver­su­che zweck­los sind, da im Fall ei­ner Ex­plo­si­on die Farb­beu­tel plat­zen und die Geld­schei­ne ent­wer­ten wür­den.

In Hol­land ist die­se Farb-Ab­schre­ckung gang und gä­be, wes­halb Au­to­ma­ten­kna­cker aus den Nie­der­lan­den an­schei­nend gern zu uns nach NRW kom­men und hier ihr Un­we­sen trei­ben. Bei die­sen De­lik­ten liegt NRW bun­des­weit an der Spit­ze.

Zwar ist es der Po­li­zei jetzt ge­lun­gen, drei mut­maß­li­che Tä­ter ding­fest zu ma­chen, auf de­ren Kon­to wohl ein gu­tes Dut­zend An­schlä­ge geht. Aber in­zwi­schen hat die Zahl der Über­fäl­le die 60 über­schrit­ten. Ein En­de dürf­te noch lan­ge nicht er­reicht sein, wenn sich die Geld­in­sti­tu­te wei­ter­hin so zö­ger­lich ver­hal­ten wie bis­her.

Bei­na­he hät­te die Po­li­zei bei ei­ner nächt­li­chen Kon­trol­le in Düsseldorf ei­ne Ban­de er­wischt, doch die­se konn­te mit ih­rem hy­per-mo­to­ri­sier­ten Au­di (450 PS) in ra­sen­der Fahrt ent­kom­men. Trotz Hub­schrau­ber- ein­sat­zes ver­lor sich die Spur in den Nie­der­lan­den. Die­ser „Kon­takt­ver­lust“(so der Be­hör­den­aus­druck) hat­te ein par­la­men­ta­ri­sches Nach­spiel: Die CDU woll­te wis­sen, wie ei­ne sol­che Ver­fol­gungs­plei­te künf­tig ver­hin­dert wer­den kann. Doch der für die Po­li­zei zu­stän­di­ge In­nen­mi­nis­ter Ralf Jä­ger (SPD) gab sich recht zu­ge­knöpft und ver­wies auf die lau­fen­den Er­mitt­lun­gen.

Weit­aus mit­teil­sa­mer war er, als es um ein Gut­ach­ten zu sei­nem um­strit­te­nen Blitz-Ma­ra­thon ging. Die RWTH Aa­chen will her­aus­ge­fun­den ha­ben, dass der Ab­schre­ckungs­ef­fekt zwei Wo­chen lang an­hält. So rich­tig über­zeu­gend klingt das aber nicht. Wirk­sa­mer als groß und breit an­ge­kün­dig­te Ma­ra­thons, die wie ei­ne ge­schick­te mi­nis­te­ri­el­le PR-Ak­ti­on wir­ken, dürf­ten un­an­ge­kün­dig­te Ge­schwin­dig­keits­mes­sun­gen sein. Hin­zu kommt, dass für ei­ne sol­che 24-St­un­den-Groß­ak­ti­on zu vie­le Po­li­zis­ten be­nö­tigt wer­den, die wo­an­ders feh­len.

Doch Jä­ger ficht das nicht an. In die­sem Jahr soll es wie­der ei­nen Blitz-Ma­ra­thon ge­ben.

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