Mehr­heit will Bun­des­wehr zur Ter­ror-Ab­wehr ein­set­zen

Ei­ne Um­fra­ge be­stärkt die Uni­on in ih­rer For­de­rung nach ei­ner Ver­fas­sungs­än­de­rung. SPD und Grüne leh­nen ab.

Rheinische Post Moenchengladbach - - POLITIK - VON GREGOR MAYNTZ

BER­LIN Nach ei­nem kla­ren Ja der Be­völ­ke­rung zu ei­nem Ein­satz der Bun­des­wehr im In­nern bei ei­ner ak­tu­el­len Um­fra­ge ha­ben CDU und CSU sich er­neut für ei­ne Grund­ge­setz­än­de­rung aus­ge­spro­chen. „Die Bun­des­wehr muss dann hel­fen kön­nen, wenn die Fä­hig­kei­ten der Po­li­zei bei­spiels­wei­se bei der Ter­ror­ab­wehr nicht mehr aus­rei­chen“, sag­te Uni­ons­vi­ze Franz Jo­sef Jung (CDU) un­se­rer Re­dak­ti­on. „Hier­für wä­re ei­ne Klar­stel­lung im Grund­ge­setz sinn­voll“, er­gänz­te er.

In ei­ner Um­fra­ge des Mei­nungs­for­schungs­in­sti­tuts You­gov hat­ten nur sie­ben Pro­zent ei­nen Ein­satz der Bun­des­wehr im In­nern ab­ge­lehnt. 87 Pro­zent spra­chen sich da­für aus, der Bun­des­wehr bei ei­nem Ter­ror­an­schlag be­grenz­te Auf­ga­ben wie den Schutz von Ge­bäu­den zu über­tra­gen. 53 Pro­zent sag­ten, sie sei­en „auf je­den Fall“für ei­nen sol­chen Ein­satz.

CSU-Si­cher­heits­ex­per­te Flo­ri­an Hahn nann­te es ab­surd, dass die Bun­des­wehr Es­sen und Hand­tü­cher in Flücht­lings­un­ter­künf­ten ver­tei­len, aber nicht die Ein­rich­tung selbst schüt­zen dür­fe. „Die Bun­des­wehr hat sich als sta­bi­le und über­aus de­mo­kra­ti­sche In­sti­tu­ti­on un­se­res Lan­des be­währt“, er­klär­te Hahn. Vor­be­hal­te ge­gen ei­nen Ein­satz im In­nern sei­en da­her „völ­lig un­be­rech­tigt und fast schon ei­ne Be­lei­di­gung“für Sol­da­ten.

SPD-Ver­tei­di­gungs­ex­per­te Rai­ner Ar­nold räum­te ein, dass sich die Be­dro­hun­gen nicht mehr scharf zwi­schen in­nen und au­ßen tren­nen lie­ßen. Doch be­waff­ne­te Sol­da­ten auf Bahn­hö­fen sei­en nur ei­ne „Pseu­doSi­cher­heit“, un­ter­strich Ar­nold. Der Glau­be, dass Sol­da­ten wie Po­li­zei ar­bei­ten könn­ten, al­so Stra­ßen­kon­trol­len ma­chen und Da­ten von Bür­gern aus­wer­ten, sei schlicht ab­we­gig. Im Zu­ge der Amts­hil­fe und in ei­ner Not­stands­si­tua­ti­on kom­me die Bun­des­wehr im In­nern oh­ne­hin zum Ein­satz.

Kla­re Zu­stän­dig­kei­ten sei­en ei­ne Vor­aus­set­zung, um mit Kri­sen­si­tua­tio­nen ver­nünf­tig um­ge­hen zu kön­nen, sag­te Ar­nold. „Soll man die Po­li­zei der Bun­des­wehr un­ter­ord­nen oder sol­len die Sol­da­ten Be­feh­le von Po­li­zis­ten krie­gen?“, frag­te er. Er sah da­mit be­legt, dass die der­zei­ti­ge Dis­kus­si­on „Un­sinn“und Deutsch­land bis­lang „mit un­se­rer ge­teil­ten Si­cher­heit sehr gut ge­fah­ren“sei.

Auch die Grü­nen im Bun­des­tag er­ken­nen nach den Wor­ten ih­rer Ver­tei­di­gungs­ex­per­tin Agnies­z­ka Brugger „ab­so­lut kei­nen Be­darf“für ei­ne Grund­ge­setz­än­de­rung. „Die Uni­on be­treibt mit ih­rer stän­di­gen For­de­run­gen, die Streit­kräf­te im In­ne­ren ein­zu­set­zen, Sym­bol­po­li­tik und Pa­nik­ma­che und sät zu Un­recht Zwei­fel an den Fä­hig­kei­ten der Po­li­zei“, er­klär­te Brugger. Bei Be­darf und in eng de­fi­nier­ten Gren­zen sei ein Ein­satz der Bun­des­wehr im In­nern mög­lich.

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