Kön­nen zwei Frau­en Spa­ni­ens Spal­tung ver­hin­dern?

Die Re­gie­rungs­bil­dung nach der Wahl ist schwie­rig. Denn kei­ne Par­tei will bis­her Kom­pro­mis­se ma­chen.

Rheinische Post Moenchengladbach - - POLITIK - VON GO­DE­HARD UH­LE­MANN

DÜSSELDORF Spa­ni­ens Re­gie­rungs­chef Ma­ria­no Ra­joy muss sich aus­ge­grenzt füh­len wie ein Schmud­del­kind, mit dem nie­mand spie­len will. Der Mi­nis­ter­prä­si­dent und sei­ne kon­ser­va­ti­ve Volks­par­tei (PP) hat­ten bei der Par­la­ments­wahl am 20. De­zem­ber die ab­so­lu­te Mehr­heit ver­lo­ren, aber die meis­ten Sit­ze im Par­la­ment er­hal­ten. Zur Re­gie­rungs­bil­dung un­ter Ra­joys Füh­rung reicht es bei Wei­tem nicht. So blieb ihm nichts an­de­res üb­rig, als bei an­de­ren Par­tei­en zu an­ti­ch­am­brie­ren, ob es nicht doch noch ei­ne Mög­lich­keit gä­be für ei­ne Re­gie­rungs­bil­dung – wohl un­ter sei­ner Füh­rung.

Al­le Um­schmei­chel­ten lehn­ten das bis ges­tern ab. Die So­zia­lis­ten (PSOE) wol­len kei­ne gro­ße Ko­ali­ti­on mit der PP. So­zia­lis­ten­chef Pe­dro Sán­chez fürch­tet den Zorn sei­ner An­hän­ger. Er hat­te das schwächs­te Wah­l­er­geb­nis in der Par­tei­ge­schich­te ein­ge­fah­ren. Sán­chez sitzt in der Zwick­müh­le: Ent­we­der ist er Mehr­heits­be­schaf­fer für Ra­joy, oder er muss sich mit der neu­en lin­ken Pro­test­par­tei Po­de­mos („Wir kön­nen“) ein­las­sen, die sich nach dem Vor­bild der grie­chi­schen Syriza-Par­tei zum Züng­lein an der Waa­ge ent­wi­ckelt hat. Das wä­re wohl noch schlim­mer als ein Zu­ge­hen auf die PP, denn Po­de­mos hat sich da­für stark­ge­macht, im auf­müp­fi­gen Ka­ta­lo­ni­en ein Re- fe­ren­dum für ei­ne Ab­spal­tung der Re­gi­on von Spa­ni­en durch­zu­zie­hen. Das leh­nen die So­zia­lis­ten aber ve­he­ment ab. Für sie – wie auch für die kon­ser­va­ti­ve PP – wä­re das der Be­ginn des Zer­falls Spa­ni­ens, denn das wür­de ähn­li­che Ge­lüs­te der Bas­ken we­cken. Wür­de Po­de­mos um der Macht wil­len aber auf ein Re­fe­ren­dum ver­zich­ten? Die Par­tei hät­te dann ein Wahl­ver­spre­chen ge­bro­chen und müss­te mit dem Zorn ih­rer An­hän­ger rech­nen. Am En­de könn­te das zum Zer­fall der noch jun­gen Par­tei füh­ren, was wohl nur den eta­blier­ten Par­tei­en ge­nehm wä­re.

Po­de­mos-Chef Pa­blo Igle­si­as (37) hat­te nach ei­nem Tref­fen mit Ra­joy An­fang der Wo­che klar­ge­macht: „Wir wer­den we­der ak­tiv noch pas­siv zu­las­sen, dass die PP re­giert.“Da ei­ne Ko­ali­ti­on zwi­schen den bei­den oh­ne­hin nicht in­fra­ge kommt, ist auch ei­ne To­le­rie­rung ei­ner rech­ten Min­der­heits­re­gie­rung durch Po­de­mos vom Tisch.

Was bleibt noch? So­zia­lis­ten­chef Sán­chez könn­te ver­su­chen, ein Mit­te-links-Bünd­nis zu zim­mern. Da wä­ren wohl auch die li­be­ra­len Ci­u­dad­a­nos („Bür­ger“) im Boot, de­ren Chef Al­bert Rivera den Kon­ser­va­ti­ven be­reits ei­ne Ab­fuhr er­teilt hat­te.

Gibt es in die­ser schein­bar aus­weg­lo­sen Si­tua­ti­on Neu­wah­len? Am 13. Ja­nu­ar tritt das neue Par­la­ment zu sei­ner kon­sti­tu­ie­ren­den Sit­zung zu­sam­men. Kö­nig Fe­li­pe VI. wird mit den Par­tei­füh­rern Kon­takt auf­neh­men und ei­nen Kan­di­da­ten für das Amt des Mi­nis­ter­prä­si­den­ten vor­schla­gen. Er­reicht der in­ner­halb von zwei Mo­na­ten kei­ne Mehr­heit, ste­hen Neu­wah­len an.

Doch da wä­re noch ein weib­li­cher Trumpf. Soll­ten Ra­joy und Sán­chez den Hut neh­men und die bis­he­ri­ge Vi­ze­re­gie­rungs­che­fin Sora­ya Sáenz de Santa­ma­ria (PP) und beim PSOE die an­da­lu­si­sche Mi­nis­ter­prä­si­den­tin Sus­a­na Díaz zu na­tio­na­len Gestal­tungs­per­sön­lich­kei­ten auf­rü­cken, könn­te viel­leicht das ge­spal­te­ne Spa­ni­en erst­mals mit ei­ner gro­ßen Ko­ali­ti­on Ge­schich­te schrei­ben. Das könn­te das Land ret­ten.

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