DAK hofft auf we­ni­ger als 500.000 Kün­di­gun­gen

Nach Er­hö­hung des Zu­satz­bei­trags ist die DAK die zweit­teu­ers­te Kran­ken­kas­se. Be­rich­te über ein dro­hen­des Aus weist sie zu­rück. Die neu­en Bei­trä­ge der Kran­ken­kas­sen

Rheinische Post Moenchengladbach - - WIRTSCHAFT - VON ANTJE HÖNING 1,7% +0,8 Punk­te

HAM­BURG Mil­lio­nen Ver­si­cher­te be­kom­men in die­sen Ta­gen Post von ih­rer Kran­ken­kas­se, die ei­ne Er­hö­hung der Zu­satz­bei­trä­ge ab Ja­nu­ar an­kün­di­gen. Be­son­ders be­trof­fen sind Ver­si­cher­te der DAK Ge­sund­heit. Die Num­mer drei der Bran­che er­höht den Zu­satz­bei­trag von 0,9 auf 1,5 Pro­zent des Brut­to­lohns. Da­mit steigt der DAK-Bei­trag ins­ge­samt auf 16,1 Pro­zent. Die DAK (6,1 Mil­lio­nen Ver­si­cher­te, 4,9 Mil­lio­nen Mit­glie­der) ist nun die zweit­teu­ers­te Kas­se in Deutsch­land. Nur die Be­triebs­kran­ken­kas­se Vi­ac­tiv nimmt mit 16,3 Pro­zent noch mehr.

In den Brie­fen müs­sen Kas­sen ih­re Mit­glie­der auch auf das Son­der­kün­di­gungs­recht hin­wei­sen. Bis zum 31. Ja­nu­ar ha­ben sie das Recht, der teu­ren Kas­se zu kün­di­gen. Da­mit steht teu­ren An­bie­tern ei­ne Kün­di­gungs­wel­le ins Haus. „Die DAK­kann noch nicht sa­gen, wie vie­le Mit­glie­der sie we­gen der An­he­bung des Zu­satz­bei­trags auf 1,5 Pro­zent ver­liert. Die Brie­fe an die Mit- glie­der sind ge­ra­de erst raus“, sagt DAK-Spre­cher Jörg Bo­da­no­witz. „Die Re­ak­tio­nen in un­se­ren Ser­vice­zen­tren und den so­zia­len Netz­wer­ken wa­ren bis­her ver­hal­ten. Wir er­war­ten nicht, dass wir we­gen der Er­hö­hung des Zu­satz­bei­trags wie­der 500.000 Ver­si­cher­te ver­lie­ren, wie es im Jahr 2011 der Fall war.“Da­mals sei die DAK die ein­zi­ge gro­ße Kas­se ge­we­sen, die ei­nen Zu­satz­bei­trag nahm. Der lag bei acht Eu­ro pro Mo­nat und muss­te ei­gens vom Ver­si­cher­ten über­wie­sen wer­den. „Heu­te lie­gen wir im Trend“, be­tont Bo­da­no­witz. Fast al­le Kas­sen er­hö­hen ih­ren Bei­trag zum Jah­res­wech­sel. „Zu­dem gibt es bei uns für mehr Geld auch mehr Leis­tun­gen: So bie­ten wir in fast al­len Leis­tungs­be­rei­chen mehr als an­de­re Kas­sen.“

Den­noch mach­te die DAK jüngst Schlag­zei­len: Die „Apo­the­ker Zei­tung“ti­tel­te: „Steht die DAK vor dem Aus?“Sie frag­te, ob das „schi­ka­nö­se“Ver­hal­ten der Kas­se ge­gen­über Apo­the­ken (Re­ta­xa­ti­on) mit dem wirt­schaft­li­chen Druck zu­sam­men­hin­ge. Die „Stutt­gar­ter Zei­tung“

Vi­ac­tiv Zu­satz­bei­trag

2016 Bei­trags­satz

2016 Ve­rän­de­rung zu

2015 spe­ku­lier­te gar, die DAK kämp­fe ums Über­le­ben. Das weist Bo­da­no­witz zu­rück: „Me­dien­be­rich­te, wo­nach der DAK die Plei­te droht, sind völ­lig ab­we­gig. Wir ha­ben für 2016 ei­nen or­dent­lich kal­ku­lier­ten Haus­halt, den das Bun­des­ver­si­che­rungs­amt ge­neh­migt hat.“Mehr noch: „Wir ge­hen da­von aus, dass wir da­mit auch den Zu­satz­bei­trag im Ge­gen­satz zu an­de­ren Kas­sen über 2016 hin­aus sta­bil hal­ten kön­nen.“

In der Kas­sen­sze­ne strei­tet man, wie viel Kri­se haus­ge­macht und wie viel sys­tem­be­dingt ist. Die DAK hat 10.900 Be­schäf­tig­te und ein gro­ßes Fi­li­al­netz, ihr Chef Her­bert Rebs­cher zählt mit ei­ner Jah­res­ver­gü­tung von rund 250.000 Eu­ro zu den Gut­ver­die­nern der Bran­che.

Für al­le Kas­sen gilt: Sie lei­den un­ter stei­gen­den Aus­ga­ben für Kli­ni­ken, Arz­nei­en und Ärz­te. Die­se wach­sen so stark, dass vie­le Kas­sen trotz Be­schäf­ti­gungs-Boom und Ein­nah­mep­lus mit ih­rem Geld nicht hin­kom­men. Selbst der Bran­chen­pri­mus Tech­ni­ker Kas­se er­höht nun den Zu­satz­bei­trag, wenn auch un- ter­durch­schnitt­lich. Die DAK sieht sich durch das Um­ver­tei­lungs­sys­tem der Kas­sen be­nach­tei­ligt und er­klärt: „Grund­sätz­lich hal­ten wir die Fi­xie­rung auf den Preis­wett­be­werb un­ter den Kas­sen für pro­ble­ma­tisch. Kas­sen, die wie wir be­son­ders vie­le äl­te­re und kran­ke Mit­glie­der ver­si­chern, wer­den vom be­ste­hen­den Um­ver­tei­lungs­sys­tem be­nach­tei­ligt. Wir be­kom­men die hö­he­ren Kos­ten nicht voll­stän­dig aus­ge­gli­chen.“

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