Neu­er Impf­stoff ge­gen Den­gue-Vi­rus

Süd­ame­ri­ka will das Fie­ber so in den Griff krie­gen. Ex­per­ten ha­ben Zwei­fel.

Rheinische Post Moenchengladbach - - WISSEN - VON GE­ORG ISMAR

RIO DE JANEI­RO (dpa) Für den Phar­ma-Rie­sen Sa­no­fi Pa­s­teur mit Sitz im fran­zö­si­schen Lyon ist es ein nach­träg­li­ches Weih­nachts­ge­schenk: Bra­si­li­ens Agen­tur für Ge­sund­heits­vor­sor­ge (An­vi­sa) setzt gro­ße Hoff­nun­gen in das Mit­tel Deng­va­xia und hat nun grü­nes Licht ge­ge­ben für den Ver­kauf des welt­weit ers­ten Impf­stof­fes ge­gen das sich ra­sant aus­brei­ten­de, mit­un­ter töd­li­che Den­gue-Vi­rus. Doch das neue Mit­tel stößt auch auf Skep­sis.

In spä­tes­tens drei Mo­na­ten soll der Ver­kauf star­ten. Sa­no­fi winkt in Süd­ame­ri­ka und Asi­en ein Mil­li­ar­den­ge­schäft. 100 Mil­lio­nen Do­sen pro Jahr kön­nen pro­du­ziert wer­den. An­fang De­zem­ber hat­ten erst Me­xi­ko, dann die Phil­ip­pi­nen die Zu­las­sung er­teilt.

Die star­ke Zu­nah­me der Er­kran­kungs­fäl­le droht ge­ra­de in Bra­si­li­en, wo im Au­gust 2016 die ers­ten Olym­pi­schen Spie­le in Süd­ame­ri­ka statt­fin­den, zah­lungs­kräf­ti­ge Tou­ris­ten ab­zu­schre­cken. In dem Land sind die­sem Jahr schon weit über 800 Men­schen an Den­gue ge­stor­ben. Bis De­zem­ber re­gis­trier­ten die Be­hör­den schon 1,5 Mil­lio­nen Fäl­le. Vom Den­gue-Vi­rus gibt es vier Va­ri­an­ten (Se­ro­ty­pen). Es wird durch Mü­cken der Gat­tung Ae­des ae­gyp­ti über­tra­gen, auch tags­über. Rund 40 Pro­zent der Erd­be­völ­ke­rung le­ben in Ri­si­ko­ge­bie­ten. Die Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on (WHO) sagt: „Den­gue ist bei den von Mos­ki­tos über­tra­ge­nen Vi­rus­krank­hei­ten die sich am schnells­ten aus­brei­ten­de der Welt.“Pro Jahr ge­be es 390 Mil­lio­nen In­fek­tio­nen, da­von sei­en aber nur rund 96 Mil­lio­nen so schwer, dass ei­ne Be­hand­lung nö­tig wer­de. Ein Heil­mit­tel gibt es al­ler­dings nicht. Wer die Er­kran­kung über­steht, ist le­bens­lang ge­gen den je­wei­li­gen Se­ro­typ im­mun, aber nicht ge­gen die an­de­ren Va­ri­an­ten. Die WHO will bei ih­rem nächs­ten Tref­fen im April über die Ver­wen­dung des neu­en Impf­stoffs be­ra­ten, ei­ne Impf­emp­feh­lung sah die Be­hör­de da­mit aber noch nicht ver­bun­den.

Laut Sa­no­fis kön­nen mit dem Impf­stoff, der das Er­geb­nis ei­ner jahr­zehn­te­lan­gen For­schung ist, Per­so­nen im Al­ter von neun bis 45 Jah­ren ge­gen al­le vier Se­ro­ty­pen ge­impft wer­den. Da­mit könn­ten nach dem Er­geb­nis kli­ni­scher Stu­di­en al­le vier Ty­pen bei rund 65 Pro­zent der Ge­impf­ten ver­hin­dert wer­den und so­gar 93 Pro­zent der schwe­ren Fäl­le. Bra­si­li­en ge­be bis­her 1,2 Mil­li­ar­den Dol­lar pro Jahr für die Be­hand­lung aus, 448 Dol­lar pro Fall. In 15 Län­dern mit 40.000 Frei­wil­li­gen sei der Stoff kli­nisch er­probt wor­den.

Fach­leu­te ha­ben aber Zwei­fel, ob das nun der Durch­bruch ist. So sag­te Jo­nas Schmidt-Cha­na­sit vom Bern­hard-Nocht-In­sti­tut für Tro­pen­me­di­zin: „Das Mit­tel muss drei­mal ge­impft wer­den, und der Impf­stoff ist teu­er.“Auch sei nicht nach­ge­wie­sen, ob er ge­gen al­le Den­gueSe­ro­ty­pen gleich gut wir­ke.

FOTO: DPA

Ei­ne Mü­cke der Gat­tung Ae­des ae­gyp­ti.

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