Glat­te Haut lässt Men­schen glaub­wür­di­ger wir­ken

Rheinische Post Moenchengladbach - - WISSEN - VON JÖRG ZITT­LAU

BRE­MEN Vor dem Be­wer­bungs­ge­spräch noch Pu­der und Rouge auf­tra­gen oder doch lie­ber auf den na­tür­li­chen Teint set­zen? Laut ei­ner Bre­mer Stu­die ist die Ant­wort jetzt klar: Bbes­ser nach­hel­fen und die Haut glät­ten. Denn Une­ben­hei­ten und Pi­ckel un­ter­gra­ben das Ver­trau­ens­ver­hält­nis. Ei­ne Zehn­tel­se­kun­de braucht das Ge­hirn, um sich ein ers­tes Ur­teil zur Person ge­gen­über zu bil­den. Ne­ben Mi­mik und Ge­sichts­form spie­len auch die Far­be von Au­gen, Haut und Haa­ren ei­ne Rol­le. So ge­nie­ßen braun­äu­gi­ge Män­ner ei­nen be­son­ders gro­ßen Ver­trau­ens­vor­schuss, wäh­rend blaue Au­gen eher Furcht ein­flö­ßen.

Ein For­scher­team der Ja­cobs Uni­ver­si­ty in Bre­men hat nun er­mit­telt, dass of­fen­bar auch die Glät­te und Rein­heit der Haut un­ser Ur­teil über ei­ne Person be­ein­flus­sen. Da­für zeig­te man 130 Pro­ban­den die Fotos von Ge­sich­tern, ent­we­der im Ori­gi­nal oder in ei­ner am Com­pu­ter op­ti­mier­ten Ver­si­on, bei der man al­le Mut­ter­ma­le, Pi­ckel und Un­rein­hei­ten her­aus­re­t­u­schiert hat­te. Die Test­per­so­nen soll­ten Glaub­wür­dig­keit, Kom­pe­tenz, At­trak­ti­vi­tät und Ge­sund­heit der ab­ge­bil­de­ten Per­so­nen ein­schät­zen.

Im Er­geb­nis zeig­te sich, dass ein glat­tes Ge­sicht nicht nur da­zu führt, dass man ei­nen Men­schen für ge­sün­der und at­trak­ti­ver hält. Man gibt ihm auch ei­nen grö­ße­ren Vor­schuss in Be­zug auf Ver­trau­en und Kom­pe­tenz. Wo­für es laut Stu­di­en­lei­te­rin Ele­na Ts­an­ko­va vor al­lem zwei Er­klä­run­gen gibt: Ge­sund­heit steht für Leis­tungs­fä­hig­keit, und des­halb trau­en wir je­man­dem, der ge­sund aus­sieht, be­son­ders viel zu. Und zwei­tens ver­knüp­fen wir, so die Bre­mer Psy­cho­lo­gin, „glat­te Haut mit Rei­fe und Sach­ver­stand“. Was vor al­lem da­mit zu tun hat, dass wir ihr Ge­gen­teil ent­we­der als Un­rei­fe (weil Haut­pro­ble­me ei­ne ty­pi­sche Pu­ber­täts­er­schei­nung sind) oder als Aus­druck von Ar­mut (weil ar­me Leu­te sich kei­ne Haut­pfle­ge­pro­duk­te leis­ten kön­nen) in­ter­pre­tie­ren.

Tat­sa­che ist frei­lich, dass un­rei­ne Haut vor al­lem Ver­an­la­gungs­sa­che ist und we­der Aus­kunft über die so­zia­le Her­kunft noch über die geis­ti­ge Rei­fe ei­nes Men­schen gibt.

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