Schlös­ser und Mu­sik, Bier und Brat­wurst

Wer an Bay­reuth denkt, denkt an Richard Wa­gner, die Fest­spie­le und den Grü­nen Hü­gel. Aber: Bay­reuth hat noch mehr zu bie­ten, wie Tou­ris­tik-Chef Manuel Be­cher im Interview er­klärt.

Rheinische Post Moenchengladbach - - WISSEN - WWWW.BAY­REUTH.DE

Mu­sik ist das ei­ne, das man mit Bay­reuth ver­bin­det. Schließ­lich fin­den ja bei Ih­nen jähr­lich die Fest­spie­le statt. Aber ist das nicht zu kurz ge­dacht? Lässt sich Bay­reuth nicht auch mit an­de­ren At­trak­tio­nen er­le­ben? MANUEL BE­CHER Auf je­den Fall. Den­ken Sie nur an die viel­fäl­ti­ge Kul­tur in der Stadt mit dem Mark­gräf­li­chen Opern­haus, das seit 2012 Welt­kul­tur­er­be ist. Oder die Ere­mi­ta­ge, ei­ne Gar­ten­kunst- und Schloss­an­la­ge. Mit dem Som­mer­nachts­fest fin­det dort je­des Jahr ei­nes der ro­man­tischs­ten Fes­te Fran­kens statt. Auch das Neue Schloss mit Hof­gar­ten so­wie der Fel­sen­gar­ten San­s­pa­reil und das Schloss Fan­tai­sie sind tol­le Aus­flugs­zie­le. Die Gar­ten­und Par­k­land­schaf­ten in und um Bay­reuth sind ab­so­lu­tes Al­lein­stel­lungs­merk­mal. Bay­reuth liegt in Fran­ken, ge­hört da­mit zu Bay­ern. Er­war­tet Tou­ris­ten denn auch die welt­weit be­kann­te und be­lieb­te bay­ri­sche Ge­müt­lich­keit? BE­CHER Si­cher, auch wenn wir nicht in Le­der­ho­sen her­um­lau­fen. Bei uns zählt zum Bei­spiel in Sa­chen baye­ri­sche Ge­müt­lich­keit die Wirts­haus­kul­tur. Bay­reuth blickt auf ei­ne lan­ge Brau-Tra­di­ti­on zu­rück. Das in Bay­reuth ge­brau­te Mai­sel’s Weis­se ist ei­nes der be­lieb­tes­ten Wei­zen­bie­re Deutsch­lands. Das Braue­rei­mu­se­um gilt als das um­fang­reichs­te Bier­mu­se­um der Welt. Man kann aber auch ei­ne „BierTour“durch die Bay­reu­ther Ka­ta­kom­ben ma­chen. Was isst man bei Ih­nen zum Bier? BE­CHER Da gibt es noch ei­ne Spe­zia­li­tät bei uns: die Bay­reu­ther Brat­wurst. Sie ist fin­ger- dick, et­wa 20 Zen­ti­me­ter lang, ganz fein, salz- und ver­gleichs­wei­se fett­arm und wird im­mer mit Senf ser­viert. Bei al­lem Ge­nuss – Richard Wa­gner und die Mu­sik prä­gen schon die Stadt, oder? BE­CHER Na­tür­lich, der Kom­po­nist ist noch heu­te in der Stadt all­ge­gen­wär­tig. Zum Bei­spiel auf dem „Walk of Wa­gner“, bei dem Be­su­cher wäh­rend ei­nes Spa­zier­gangs vom Haus Wahn­fried bis zum Fest­spiel­haus viel über die Le­bens­sta­tio­nen Wa­g­ners er­fah­ren. Wer mehr wis­sen will, dem sei das erst 2015 wie­der­er­öff­ne­te Richard-Wa­gner-Mu­se­um emp­foh­len. Wa­gner ist 1813 in Leip­zig ge­bo­ren und 1883 in Ve­ne­dig ge­stor­ben. Was hat­te ihn ei­gent­lich nach Bay­reuth ge­lockt? BE­CHER Er war an­ge­zo­gen vom präch­ti­gen Opern­haus der Mark­grä­fin Wil­hel­mi­ne, der Schwes­ter Fried­rich des Gro­ßen. Sie hat in nur zwei Jahr­zehn­ten mit ih­rem Mann, Mark­graf Fried­rich, Bay­reuth zu ei­ner eu­ro­päi­schen Re­si­denz um­ge­baut. Und so kam Wa­gner 1871 erst­mals nach Bay­reuth. Und hat eben nach­hal­tig sei­ne Spu­ren bei uns hin­ter­las­sen. Wie se­hen die heu­te aus? BE­CHER Nur ein Bei­spiel: Wahn­fried, das Haus, in dem Wa­gner sei­ner­zeit ge­wohnt hat, ist seit den 70er Jah­ren das Richard Wa­gner Mu­se­um und wur­de jetzt im Som­mer nach um­fang­rei­cher Sa­nie­rung wie­der­er­öff­net. Die­ses Haus hat Wa­gner selbst ge­baut. Das Be­son­de­re: Nach sei­nem Tod in Ve­ne­dig wur­de er im Gar­ten be­er­digt. Dort liegt auch sei­ne Frau Co­si­ma, die 1930 ver­stor­ben ist. Für das Jahr 2016 lo­cken Sie die Tou­ris­ten mit ei­ner be­son­de­ren Schau, der Lan­des­gar­ten­schau. Was er­war­tet Ih­re Be­su­cher? BE­CHER Die neue Park­an­la­ge, die für die Lan­des­gar­ten­schau ent­steht, heißt Wil­hel­mi­ne­n­Aue. Die Pla­ner der Schau ha­ben sich von Wil­hel­mi­nes Vi­sio­nen und die in ih­rer Zeit ge­schaf­fe­nen ba­ro­cken Grün­an­la­gen und Bau­ten in­spi­rie­ren las­sen. Das Er­geb­nis ist ein mo­der­ner und den­noch ver­spiel­ter „Lust-Gar­ten“, der Ap­pe­tit ma­chen soll auf ei­ne land­schaft­li­che Ent­de­ckungs­rei­se.

Die Ere­mi­ta­ge ist ei­ne der im­po­san­tes­ten Park­an­la­gen Deutsch­lands. Sie war die Som­mer­re­si­denz der Mark­grä­fin Wil­hel­mi­ne.

FOTO: BAYE­RI­SCHE SCHLÖS­SER­VER­WAL­TUNG, FRAHM

Das Mark­gräf­li­che Opern­haus – hier ein Blick in den Zu­schau­er­raum – ist seit 2012 Unesco-Welt­kul­tur­er­be.

Manuel Be­cher, Ge­schäfts­füh­rer von Bay­reuth Mar­ke­ting & Tou­ris­mus

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