Ho­tels wer­den zu Flücht­lings­un­ter­künf­ten

Asyl­su­chen­de be­woh­nen be­reits das Ho­tel Gott­schalk an der Pe­scher Stra­ße. Jetzt mie­tet die Stadt zwei wei­te­re leer­ste­hen­de Häu­ser an – das Ho­tel zur Post am Rhe­ydter Bahn­hof und das Ho­tel Ama­deo an der Wald­hau­se­ner Stra­ße.

Rheinische Post Moenchengladbach - - WISSEN - VON IN­GE SCHNETTLER

3500 Flücht­lin­ge le­ben der­zeit in Mön­chen­glad­bach. Al­lein im De­zem­ber hat die Stadt 302 Asyl­su­chen­de auf­neh­men müs­sen. Da seit dem 23. De­zem­ber – und noch bis zum 4. Ja­nu­ar – ein vor­über­ge­hen­des Mo­ra­to­ri­um des Lan­des gilt, ist es in die­sen Ta­gen ein we­nig ru­hi­ger. „Die­se Atem­pau­se ist will­kom­men, sie darf aber nicht den Blick dar­auf ver­stel­len, dass die Si­tua­ti­on nach wie vor dra­ma­tisch ist“, so Bei­ge­ord­ne­ter Gert Fi­scher – ver­ant­wort­lich für die Schaf­fung von Un­ter­künf­ten für Flücht­lin­ge. „Wäh­rend der letz­ten Wo­chen sind im­mer noch so vie­le Flücht­lin­ge nach Nord­rhein-West­fa­len ge­kom­men, dass wir da­mit rech­nen müs­sen, dass Mön­chen­glad­bach in je­dem der nächs­ten Mo­na­te für mehr als 400 Men­schen zu­sätz­lich Vor­sor­ge zu tref­fen hat“.

Von den 3500 Flücht­lin­gen sind 2350 Men­schen in un­mit­tel­ba­rer Ob­hut der Stadt. Et­wa 1200 von ih­nen le­ben in Woh­nun­gen, die Üb­ri­gen in den zen­tra­len Über­gang­sein- rich­tun­gen der Stadt. Hin­zu kom­men 1140 Men­schen, die das Land Nord­rhein-West­fa­len in der Stadt un­ter­ge­bracht hat. 740 von ih­nen le­ben in den Leicht­bau-Con­tai­nern und im ehe­ma­li­gen Thea­ter (TiN) im Nord­park. 55 wur­den neu­lich im frü­he­ren JHQ un­ter­ge­bracht. Rein rech­ne­risch kom­men auf je 100 Ein­woh­ner 1,4 Flücht­lin­ge. Da­mit liegt Mön­chen­glad­bach im Lan­des­durch­schnitt.

Bis et­wa Mit­te März will die Stadt zu­sätz­lich 750 Plät­ze für Flücht­lin­ge schaf­fen. So sol­len das leer­ste­hen­de Ho­tel Zur Post in der Nä­he des Rhe­ydter Haupt­bahn­hofs und das Ho­tel Ama­deo an der un­te­ren Wald­hau­se­ner Stra­ße an­ge­mie­tet wer­den. Au­ßer­dem sol­len Flücht­lin­ge in die ehe­ma­li­ge För­der­schu­le in Hardt zie­hen. Und auf dem Platz ne­ben der Krah­nen­don­khal­le – wo zu­letzt die Zelt­stadt für 200 Flücht­lin­ge stand – sol­len zwei wei­te­re win­ter­fes­te Leicht­bau­hal­len (wie im Nord­park und auf der Krall’schen Wie­se) ge­baut wer­den. „Da­durch kann die Krah­nen­don­khal­le wie­der für Sport und Ver­an­stal­tun­gen ge- nutzt wer­den. Die Flücht­lin­ge, die in den Zel­ten leb­ten, hat­te die Ein­rich­tung als Auf­ent­halts- und Spei­se­raum ge­braucht. Den­noch be­fürch­tet Gert Fi­scher, dass das al­les nicht rei­chen wird. „Wir war­ten ab, was das Land uns zu Be­ginn des neu­en Jah­res mit­tei­len wird und wer­den dann si­cher­lich noch ein­mal nach­le­gen müs­sen.“

Die Stadt­ver­wal­tung stößt in­zwi­schen an ih­re Gren­zen. So­zi­al­de­zer- nen­tin Dör­te Schall sagt: „Die Schaf­fung von zu­sätz­li­chen Plät­zen ist das ei­ne, aber sie müs­sen ja auch be­trie­ben wer­den. In je­der Ein­rich­tung brau­chen wir Men­schen, die sie in­stand hal­ten und die den Be­trieb or­ga­ni­sie­ren. Wir be­nö­ti­gen Si­cher­heits­kräf­te und auch ein Mi­ni­mum an so­zia­ler Be­treu­ung. Al­les das kön­nen wir nur schwer si­cher­stel­len, denn wir kön­nen die Mit­ar­bei­ter gar nicht so schnell ein­stel­len, wie wir sie brau­chen. Ent­spre­chend wich­tig blei­ben die eh­ren­amt­li­chen Hel­fer.“

Das sieht auch Ober­bür­ger­meis­ter Hans Wil­helm Rei­ners so: „Die Be­wäl­ti­gung die­ser schwe­ren Auf­ga­be kann uns oh­ne die Un­ter­stüt­zung der Nach­barn und das En­ga­ge­ment der zahl­lo­sen eh­ren­amt­li­chen Hel­fe­rin­nen und Hel­fer nicht ge­lin­gen. Als Stadt tun wir was wir kön­nen, aber oh­ne die Hil­fe brei­ter Krei­se un­se­rer Ge­sell­schaft wer­den wir schei­tern. Des­halb bin ich al­len dank­bar, die ih­ren Teil zum Ge­lin­gen bei­tra­gen. Ich bit­te Sie herz­lich, die­sen Weg auch 2016 ge­mein­sam mit uns zu ge­hen.“

RP-ARCHIVFOTO: DETLEF ILGNER

Die Stadt mie­tet das Ho­tel Zur Post am Rhe­ydter Bahn­hof an, um Flücht­lin­ge in dem Haus un­ter­zu­brin­gen.

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