Mit Rou­ti­ne zum gro­ßen Spek­ta­kel

Noch bis 10. Ja­nu­ar gas­tiert der Zir­kus Flic Flac in der Stadt, Tau­sen­de Mön­chen­glad­ba­cher wa­ren über die Fei­er­ta­ge zu Gast. Wir er­klä­ren, wie es wäh­rend der zwei­stün­di­gen Show hin­ter der Büh­ne zu­geht.

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALES - VON SE­BAS­TI­AN EUSSEM

Es ist 14.45 Uhr, in 15 Mi­nu­ten star­tet der Zir­kus Flic Flac mit der ers­ten von zwei Vor­stel­lun­gen an die­sem Tag. Die Mie­nen der bei­den Ar­tis­ten Dmi­triy Ma­krus­hin und Dmi­triy Ta­ra­sen­ko zeu­gen von An­span­nung und Kon­zen­tra­ti­on. Es gilt, sich auf die Auf­ga­be vor­zu­be­rei­ten und auf den Punkt fo­kus­siert zu sein. Doch wor­auf kon­zen­trie­ren sie sich? Auf den gleich an­ste­hen­den ge­mein­sa­men Auf­tritt zu­min­dest jetzt noch nicht. Ein klei­nes Fuß­ball­tor im Back­s­tage-Be­reich gibt die Ant­wort – Elf­me­ter­schie­ßen. Ma­krus­hin ver­wan­delt und po­siert vor den an­de­ren Ar­tis­ten, ge­ra­de so, als hät­te er sei­ne Akro­ba­tik-Num­mer be­reits hin­ter sich ge­bracht.

Von An­span­nung und Ner­vo­si­tät ist auch bei den an­de­ren nicht viel zu er­ken­nen. Die Band Al­ca­traz, die wäh­rend der Show für die mu­si­ka­li­sche Un­ter­ma­lung sorgt, sitzt ei­ni­ge Mi­nu­ten vor dem Start ge­müt­lich auf ei­nem al­ten So­fa und scherzt. Mit da­zu ge­sellt hat sich der Mann, des­sen Ele­ment das Feu­er ist: Hu­ber­tus Wa­wra, in der Show nur als „Mas­ter of Hell­fi­re“be­kannt, be­geis­tert das Pu­bli­kum als Ko­mi­ker und Feu­er­spu­cker. Auch im Back­s­tage-Be­reich sorgt er bei sei­nen Kol­le­gen für gu­te Stim­mung. Ein Plausch hier, ein Witz­chen da, im­mer wird ge­lacht, wenn der „Mas­ter“in der Nä­he ist.

Wie er sich als Ko­mi­ker auf die Show vor­be­rei­tet? Bei die­ser Fra­ge wird er kurz nach­denk­lich. „Ich be­rei­te mei­ne Re­qui­si­ten vor, wäh­rend ich die letz­te Show Re­vue pas­sie­ren las­se und mich fra­ge, was gut und was schlecht war. Denn wie die an­de­ren Ar­tis­ten auch hat man ir­gend­wie den An­spruch, es je­den Tag ein biss­chen bes­ser zu ma­chen.“Dann lässt er sich ent­schul­di­gen: „Ich ge­he mir jetzt ei­ne Frau su­chen!“Der „Mas­ter“be­nö­tigt für ei­ne be­son­de­re Num­mer im­mer ei­ne Da­me aus dem Pu­bli­kum, die kurz vor der Show be­reits aus­ge­wählt wird.

Es ist in­zwi­schen 14.52 Uhr. Nur noch acht Mi­nu­ten. Der Back­s­tage­Be­reich füllt sich. Wer sich un­ter sel­bi­gem ei­ne mit De­si­gner-Mö­beln und Lu­xus­gü­tern ge­spick­te Wohl­fühl-Oa­se vor­stellt, wird beim Zir­kus Flic Flac ent­täuscht. Ein al­tes So­fa, di­ver­se Ti­sche und Abla­gen, ein al­tes Bett, Mo­to-Cross-Rä­der, zwei lang­ge­zo­ge­ne schwar­ze Vor­hän­ge, die die Män­ner- und Frau­en­um­klei­den ab­tren­nen, das war es.

Kurz vor 15 Uhr. Die Ar­tis­ten sind be­reit. Die Smart­pho­nes wer­den weg­ge­packt, die Ge­sich­ter erns­ter. Ei­ner der bes­ten Jon­gleu­re der Welt, Vla­dik Miag­kos­tou­pov, ist für die Show ex­tra aus Las Ve­gas ein­ge­flo­gen. Er jon­gliert mit Ke­geln und wärmt sich auf. An­de­re deh­nen sich, ge­spro­chen wird kaum. Nur der „Mas­ter of Hell­fi­re“träl­lert voll­mun­dig ein Lied. Dann müs­sen al­le auf die Büh­ne. Der Back­s­tage-Be­reich ist leer. Die Show be­ginnt.

Wäh­rend die per­fekt trai­nier­ten Ar­tis­ten für zwei St­un­den die rund 1300 Zu­schau­er be­geis­tern, herrscht im Hin­ter­grund re­ges Trei­ben. Rund 40 Ar­bei­ter sor­gen für den rei­bungs­lo­sen Auf- und Ab­bau der Büh­ne. 17 Ki­lo­me­ter Stahl­rohr wur­den ver­baut. Der Zu­schau­er merkt da­von nichts.

Zu­rück im Back­s­tage. Wäh­rend sich die Kol­le­gen bei atem­be­rau­ben­den Num­mern ver­aus­ga­ben, ist die Stim­mung hier ent­spannt. Zwei rus­si­sche Künst­ler spie­len Schach oder chat­ten mit dem Smart­pho­ne. Es ist kurz nach 16 Uhr. Der „Mas­ter of Hell­fi­re“ist an der Rei­he und un­ter­hält das Pu­bli­kum, wäh­rend Mo­tor­ge­räu­sche auf dem Park­platz das gro­ße Fi­na­le der Show an­deu­ten: Die Ma­schi­nen müs­sen nach der täg­li­chen War­tung warm ge­fah­ren wer­den, wenn bis zu acht Fah­rer gleich­zei­tig in ei­ner Stahl­ku­gel mit Durch­mes­ser von 6,50 Me­ter ihr Kön­nen de­mons­trie­ren.

Vic­tor Ru­ba­yo ist ei­ner von zahl­rei­chen Süd­ame­ri­ka­nern, die die­se wag­hal­si­ge Num­mer durch­füh­ren. Ner­vös ist er vor sei­nem Auf­tritt nicht: „Ach nein“, winkt der Ko­lum­bia­ner ab. „Wir ha­ben so viel ge­übt, es ist mitt­ler­wei­le nor­mal für uns.“Kurz vor 17 Uhr ma­chen sich die Mo­tor­rä­der auf den Weg. Der „Mas­ter“hat sei­nen Auf­tritt hin­ter sich ge­bracht, er raucht drau­ßen ei­ne Zi­ga­ret­te, wäh­rend ein Fah­rer nach dem an­de­ren in die Stahl­ku­gel ein­fährt. Im Back­s­tage wird wäh­rend­des­sen wie­der Schach ge­spielt, Ar­tis­tin Ju­lia Ga­len­chyk liest ein Buch, wäh­rend das Pu­bli­kum ju­belt und klatscht. Dann müs­sen al­le den Back­s­tage-Be­reich ver­las­sen, aus Si­cher­heits­grün­den. Die „Mad Fly­ing Bi­kes“sor­gen mit St­unts und 20 Me­ter lan­gen Sprün­gen durchs Zelt für ein spek­ta­ku­lä­res Fi­na­le. Der Back­s­tage-Be­reich wird zur Lan­de­zo­ne. Kein Wun­der, dass hier kei­ne De­si­gner-Mö­bel ste­hen. Dann ist Schluss. Al­le dür­fen noch­mal auf die Büh­ne – bei ste­hen­den Ova­tio­nen. Die Ar­tis­ten seuf­zen durch, dann geht es wei­ter. Abends steht ei­ne wei­te­re Vor­stel­lung an. Dann star­tet das rou­ti­nier­te Spek­ta­kel aufs Neue.

FOTO: ILGNER

Warm-Jon­glie­ren für die gro­ße Show: Vla­dik Miag­kos­tou­pov be­rei­tet sich im Back­s­tage-Be­reich auf sei­nen Auf­tritt in Mön­chen­glad­bach vor.

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