Freunds fa­bel­haf­te Flug­schau

Als ers­ter Deut­scher seit 13 Jah­ren hat Welt­meis­ter Se­ve­rin Freund das Auf­takt­sprin­gen der Vier­schan­zen­tour­nee ge­won­nen. 25.500 Zu­schau­er fei­er­ten ihn in Oberst­dorf.

Rheinische Post Moenchengladbach - - SPORT - VON LARS BECKER

OBERST­DORF Es lag an die­sem Di­ens­tag­abend Span­nung über dem Ski­sprung-Sta­di­on von Oberst­dorf, und das hat­te im Ge­gen­satz zum Vor­tag nichts mit ei­nem Strom­aus­fall zu tun. Erst­mals seit den glor­rei­chen Zei­ten zur Jahr­tau­send­wen­de, als Mar­tin Sch­mitt und Sven Han­na­wald fünf Sie­ge in Fol­ge am Schat­ten­berg ge­fei­ert hat­ten, war die Are­na mit 25.500 Fans aus­ver­kauft. Und die er­leb­ten ei­nen gro­ßen Mo­ment: Se­ve­rin Freund flog zum ers­ten deut­schen Sieg beim Auf­takt­sprin­gen der Vier­schan­zen­tour­nee auf den Tag ge­nau 13 Jah­re nach Han­na­wald. Das gan­ze Sta­di­on sang be­geis­tert „Oh, wie ist das schön“, und Tau­sen­de deut­sche Fah­nen wur­den ge­schwenkt.

„Ich freue mich wahn­sin­nig über die­sen Tag. Aber da war auch ein gu­tes Stück Glück da­bei“, sag­te Freund fair. Welt­meis­ter und Ge­samt­welt­cup-Sie­ger war er in der ver­gan­ge­nen Sai­son ge­wor­den, und an die­sem Abend fei­er­te der 27-Jäh­ri­ge end­lich sei­nen ers­ten Ta­ges­sieg bei der Vier­schan­zen­tour­nee. Wie der Cham­pi­on rich­tig be­merk­te, hal­fen am En­de die äu­ße­ren Um­stän­de bei die­sem Tri­umph mäch­tig mit. Nach dem ers­ten Durch­gang hat­te Freund noch auf Platz fünf ge­le­gen, doch dann dreh­te im ent­schei­den­den Mo­ment der Wind. Freund hat­te ei­nen Hauch Auf­wind und setz­te sich mit ei­nem gran­dio­sen Sprung auf 137,5 Me­ter an die Spit­ze. Da­nach blies es wie­der von hin­ten – und die rest­li­chen vier Sprin­ger stürz­ten re­gel­recht ab.

Auch der bis da­hin in je­dem Sprung von Oberst­dorf do­mi­nan­te Über­flie­ger Pe­ter Pre­vc schaff­te es so nur auf 130 Me­ter – und lan­de­te am En­de hin­ter Freund (307,2 Punk­te) und dem Ös­ter­rei­cher Micha­el Hay­böck (304,2) nur auf Platz drei (299,9). „Die­ses Er­geb­nis soll­te man nicht zu 100 Pro­zent für voll neh-

„Ich freue mich wahn­sin­nig über die­sen Tag. Aber da war auch ein gu­tes Stück Glück da­bei“

Se­ve­rin Freund men. Es wur­de zum Schluss rich­tig hek­tisch mit dem Wind. Es ist ein Rie­sen­un­ter­schied, ob man ei­nen Hauch von vorn oder von hin­ten hat“, be­merk­te Freund nach sei­nem 21. Welt­cup-Sieg. Dass er jetzt Fa­vo­rit auf den ers­ten deut­schen Ge­samt­sieg seit dem le­gen­dä­ren Grand-Slam-Er­folg von Han­na­wald vor 14 Jah­ren ist, woll­te er noch gar nicht rich­tig glau­ben: „Es ist ja nur ein klei­ner Teil der Tour­nee vor­bei.“

Ei­nen Po­dest­platz hat­te sich der deut­sche Vor­flie­ger vor dem Sprin­gen als per­fek­ten Tour­nee-Ein­stand ge­wünscht, mit we­ni­ger als zehn Punk­ten Rück­stand auf den Sie­ger. Bei­de Wün­sche wur­den weit über­er­füllt. Jetzt fährt Freund als Spit­zen­rei­ter zum Neu­jahrs­sprin­gen nach Gar­misch-Par­ten­kir­chen.

„Auch wenn uns der Wind im rech­ten Mo­ment ge­hol­fen hat – Se­ve­rin hat sich die­sen Er­folg so ver­dient. Es war ein Gän­se­h­aut­ge­fühl, die deut­schen Fans nach so lan­ger Zeit so ju­beln zu se­hen. Es war im zwei­ten Durch­gang viel Kampf­geist bei al­len da­bei, der uns auch ein wirk­lich tol­les Te­am­re­sul­tat be­schert hat“, sag­te Bun­des­trai­ner Wer­ner Schuster.

Die zwei­te deut­sche Sieg­hoff­nung Richard Frei­tag lan­de­te auf Platz neun. Durch ei­ne enor­me Stei­ge­rung im zwei­ten Durch­gang ver­bes­ser­ten sich Andre­as Wank, Ste­phan Leye und Andre­as Wel­lin­ger zu­dem auf die Plät­ze 13 bis 15. Im ver­gan­ge­nen Jahr hat­te es den schlech­tes­ten deut­schen Tour­nee-Auf­takt in der Ge­schich­te seit 1953 ge­ge­ben. Se­ve­rin Freund war auf Platz 13 bes­ter Deut­scher ge­we­sen – dies­mal lan­de­ten gleich fünf Deut­sche un­ter den bes­ten 15. „Es war für al­le Deut­sche schwie­rig, in die­sem ers­ten Durch­gang in die Tour­nee zu star­ten. Aber dann sind wir ein­fach rotz­frech run­ter­ge­sprun­gen. Ich glau­be, es wird ei­ne schö­ne Tour­nee“, kom­men­tier­te Wank.

Da­nach hat­te es nach dem ers­ten Durch­gang über­haupt nicht aus­ge­se­hen. Bei schlech­ten Wind­be­din­gun­gen zeig­ten Freund und Frei­tag Ner­ven, blie­ben je­doch in Schlagdis­tanz zur Spit­ze. „Bei­de woll­ten vor die­ser Ku­lis­se wie­der et­was zu viel und wa­ren zu spät beim Ab­sprung“, ana­ly­sier­te Chef­coach Schuster. Dann je­doch zeig­ten die deut­schen Ad­ler end­lich auch bei der Tour­nee ih­re gan­ze Klas­se – und hat­ten da­bei auch die nö­ti­ge For­tu­ne.

„Das ist nur ein Wett­kampf von vie­ren bei die­ser Tour­nee. Man kann hier noch nichts ge­win­nen, aber vie­les falsch ma­chen“, sag­te Freund. Er hat die­ses Mal al­les rich­tig ge­macht. Vor drei Jah­ren war er auf der Schat­ten­berg­schan­ze schon ein­mal auf dem drit­ten Platz ge­lan­det. „Da­mals hat­te ich Glück mit dem Wind. Aber ich war nicht in der Form, die Tour­nee zu ge­win­nen. Das ist dies­mal an­ders“, hat­te Se­ve­rin Freund schon vor dem Sprin­gen er­klärt.

FOTO: ACTION PRESS

Kommt ein Bay­er ge­flo­gen: Se­ve­rin Freund auf der Schat­ten­berg­schan­ze in Oberst­dorf.

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