„The Po­wer“geht die Kraft aus

Re­kord­welt­meis­ter Phil Tay­lor kämpft sich bei der Darts-WM über die Run­den. Heu­te tritt er im Ach­tel­fi­na­le an.

Rheinische Post Moenchengladbach - - SPORT - VON DA­NI­EL THIEL

LON­DON/DÜSSELDORF 31 Sie­ge bei 32 Auf­ein­an­der­tref­fen – das ist die stol­ze Bi­lanz des 16-ma­li­gen Welt­meis­ters Phil Tay­lor ge­gen sei­nen lang­jäh­ri­gen Kon­tra­hen­ten Ke­vin Pain­ter (bei­de En­g­land). Sieg Num­mer 31 fei­er­te der Alt­meis­ter am Mon­tag in der zwei­ten Run­de der Darts-WM in Lon­don – doch der sou­ve­rän an­mu­ten­de 4:1-Er­folg ver­schlei­ert die Pro­ble­me.

Das Du­ell of­fen­bar­te, dass der 55Jäh­ri­ge nicht in der La­ge scheint, so zu do­mi­nie­ren wie noch vor in paar Jah­ren. Wie nied­rig das Ni­veau der Par­tie war, be­legt die Sta­tis­tik: Der „Aver­a­ge“, der Durch­schnitts­wert ei­nes Spie­lers, lag bei Tay­lor – und auch bei Pain­ter – bei nur 92. Der Top­wert des Tur­niers ist 109. Den er­ziel­te Micha­el van Ger­wen aus den Nie­der­lan­den. Ein Aus­hän­ge­schild der neu­en Ge­ne­ra­ti­on, die „The Po­wer“Tay­lor lang­sam ab­löst.

In sei­ner über 25-jäh­ri­gen Kar­rie­re ent­wi­ckel­te sich Tay­lor zur wich­tigs­ten Fi­gur im Darts-Sport und zu ei­ner le­ben­den Le­gen­de. Sei­ne Er­fol­ge – dar­un­ter ne­ben 16 Welt­meis­ter­ti­teln über 200 wei­te­re Tur­nier­sie­ge – sind un­er­reicht. Tay­lor präg­te den Sport maß­geb­lich. Im­mer mehr Ta­len­te, die einst vom Bri­ten in­spi­riert wur­den, sind nun sei­ne Geg­ner.

Das Jahr 2015 lief für Tay­lor ent­täu­schend: Er konn­te kei­nen gro­ßen Ein­zel­ti­tel ge­win­nen und un­ter­lag bei den Play­ers Cham­pi­ons­hip Fi­nals En­de No­vem­ber be­reits in der ers­ten Run­de Ga­ry An­der­son, der sich auch im WM-Fi­na­le 2015 als zu stark er­wies. Zu ei­nem er­neu­ten Auf­ein­an­der­tref­fen zwi­schen Tay­lor und dem schot­ti­schen Ti­tel­ver­tei­di­ger könn­te es im Halb­fi­na­le kom­men. An­der­son ge­hört ne­ben dem Welt­rang­lis­ten­ers­ten van Ger­wen zum Kreis der Top­fa­vo­ri­ten – ei­ne Stel­lung, die jahr­zehn­te­lang Tay­lor in­ne­hat­te. Die Do­mi­nanz, die van Ger­wen in der jün­ge­ren Ver­gan­gen­heit de­mons­triert hat, er­in­nert an Tay­lors Selbst­ver­ständ­lich­keit in sei­nen Glanz­zei­ten in den 1990ern und zu Be­ginn des neu­en Jahr­tau­sends.

Für den 55-Jäh­ri­gen ist der Ge­ne­ra­tio­nen­kon­flikt al­ler­dings kein Grund, an das Kar­rie­re­en­de zu den­ken: „Ich wer­de nicht zu­rück­tre­ten, ehe ich kei­nen Pfeil mehr wer­fen kann. Erst dann ist es so weit“, sag­te er im Vor­feld der WM. Sei­ne Geg­ner wis­sen um Tay­lors Stär­ke, ge­ra­de in Druck­si­tua­tio­nen die Ru­he zu be­wah­ren. In letz­ter Zeit blit­zen al­ler- dings auch im­mer häu­fi­ger Schwach­punk­te des Alt­meis­ters auf. Ge­ra­de Wür­fe auf das Dop­pel­feld, die es braucht, um ein „Leg“, ein Spiel in­ner­halb ei­nes Sat­zes, für sich zu ent­schei­den, ge­hö­ren nicht mehr zu Tay­lors Pa­ra­de­dis­zi­pli­nen. Auf­grund die­ser Schwie­rig­kei­ten gab er sei­nen Geg­nern mehr­fach Mög­lich­kei­ten, wie­der in Par­ti­en zu­rück­zu­fin­den, und muss­te si­cher ge­glaub­te Legs doch noch ab­ge­ben. Der­ar­ti­ge Pro­ble­me bei „The Po­wer“zu se­hen, ist un­ge­wohnt.

Ge­gen den 31 Jah­re al­ten Nie­der­län­der Jel­le Klaa­sen, auf den er heu­te im Ach­tel­fi­na­le trifft, gilt er als Fa­vo­rit. Egal, wie die Par­tie aus­geht, für die Fans in Lon­don ist Phil Tay­lor hör­bar wei­ter der gro­ße Star der Darts-Sze­ne.

FOTO: DPA

Phil Tay­lor

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