Bun­des­wehr vor ge­fähr­li­chem Ein­satz in Ma­li

Nächs­te Wo­che be­schließt die Re­gie­rung die Ent­sen­dung von 500 Sol­da­ten nach Afri­ka. Ih­nen dro­hen dort An­schlä­ge und Ge­fech­te.

Rheinische Post Moenchengladbach - - POLITIK - VON GREGOR MAYNTZ eer elm Mitt

BER­LIN Sie war un­mit­tel­bar nach den An­schlä­gen von Pa­ris am 13. No­vem­ber Teil je­ner Ide­en, wie Deutsch­land Frank­reich im Kampf ge­gen den Ter­ror un­ter­stüt­zen könn­te. Doch die neue Ma­li-Mis­si­on be­kommt erst jetzt Kon­tu­ren, nach­dem der Sy­ri­en-Ein­satz bin­nen Ta­gen ent­wor­fen war und seit An­fang De­zem­ber be­schlos­sen ist. Uni­ons-Au­ßen­ex­per­te Jür­gen Hardt hat da­für ei­ne ein­fa­che Er­klä­rung: „Der Ma­li-Ein­satz wird viel ge­fähr­li­cher als das, was wir in Sy­ri­en ma­chen.“

Des­halb schick­te Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin Ur­su­la von der Ley­en (CDU) zu­nächst zwei Er­kun­dungs­mis­sio­nen in das Bür­ger­kriegs­land. Er­geb­nis: Ab Fe­bru­ar sol­len 500 Deut­sche nach und nach die von Fran­zo­sen und Nie­der­län­dern ge­tra­ge­nen Auf­ga­ben bei der Frie­dens­si­che­rung un­ter­stüt­zen.

Theo­re­tisch ist Ma­li auf dem Weg zu ei­nem dau­er­haf­ten Frie­den. Die ma­li­sche Re­gie­rung, die re­pu­bli­ka­ni­schen Mi­li­zen und die Tua­reg-Se­pa­ra­tis­ten ha­ben schon im Früh­som­mer fei­er­lich ei­nen Frie­dens­ver­trag un­ter­zeich­net und zum Bei­spiel die Kon­trol­le über die hef­tig um­kämpf­te Stadt Men­a­ka in die Hän­de der UN-Frie­dens­trup­pe Mi­nus­ma ge­legt. De­ren Sta­bi­li­sie­rungs­auf­ga­ben soll die Bun­des­wehr, die bis­lang im Sü­den Aus­bil­dungs- und Trans­port­leis­tun­gen bei­ge­steu­ert hat, auch im ge­fähr­li­chen Nor­den wahr­neh­men.

Doch wie fra­gil die­ser Frie­den ist und wie brand­ge­fähr­lich die Prä­senz auch für die in­ter­na­tio­na­len UN-Frie­dens­trup­pen bleibt, zei­gen nicht zu­letzt die An­grif­fe, Gei­sel­nah­men und An­schlä­ge, die im Au­gust und No­vem­ber in Mpo­ti, in Ba­ma­ko und in Ki­dal ver­übt wur­den und ins­ge­samt neun To­te un­ter zi­vi­len und mi­li­tä­ri­schen Mi­nus­maMit­ar­bei­tern for­der­ten.

Da­hin­ter steckt ei­ne Si­tua­ti­on, die zwar über­sicht­li­cher ist als in Sy­ri­en, wo Hun­der­te von be­waff­ne­ten Grup­pen ak­tiv sind, aber im­mer noch ver­wor­ren und wi­der­sprüch­lich ge­nug. Auf dem Pa­pier ha­ben sich die Tua­reg mit ei­ner grö­ße­ren Au­to­no­mie im Nor­den des Lan­des be­gnügt. Da­mit könn­ten auch die Re­gie­rungs­trup­pen le­ben. Doch tat­säch­lich ha­ben die Tua­reg ih­ren ei­ge­nen Staat Aza­wad noch nicht auf­ge­ge­ben. Und sie füh­len sich da­bei von Frank­reich er­mun­tert.

Die Fran­zo­sen wie­der­um hal­ten die Re­gie­rungs­trup­pen für zu schwach, um mit den Dschi­ha­dis­ten, die sich im Nor­den des Lan­des aus­ge­brei­tet ha­ben, auf Dau­er fer­tig­zu­wer­den, und se­hen die Tua­reg als Ver­bün­de­te im Kampf ge­gen die is­la­mis­ti­schen Ter­ro­ris­ten an. In die­ser Al­li­anz hat­ten die Fran­zo­sen tat­säch­lich durch­schla­gen­den Er- folg, die von den Dschi­ha­dis­ten er­ober­ten Städ­te und Dör­fer zu be­frei­en. Al­ler­dings sind die is­la­mis­ti­schen Ter­ro­ris­ten nicht be­siegt, nur ver­drängt – und je­der­zeit dro­hen neue Vor­stö­ße. In die­ser Si­tua­ti­on setzt Pa­ris auf die Tua­reg als Ord­nungs­fak­tor. Doch dem wol­len sich auch an­de­re, ge­mä­ßig­te, aber be­waff­ne­te Grup­pen im Nor­den Ma­lis nicht fü­gen. Das macht die Si­tua­ti­on so brand­ge­fähr­lich. „Es ist nicht aus­zu­schlie­ßen, dass es auch zu Ge­fech­ten und An­schlä­gen kommt“, sagt da­her der CDU-Po­li­ti­ker Hardt vor­aus.

Vor die­sem Hin­ter­grund ist die Mis­si­on der Bun­des­wehr be­wusst „ro­bust“aus­ge­stat­tet. Wenn die Bun­des­re­gie­rung den Ent­wurf des Man­da­tes nächs­ten Mitt­woch be­schließt und auch der Bun­des­tag En­de Ja­nu­ar sein Okay gibt, sol­len ab Fe­bru­ar zu­nächst Ob­jekt­schüt­zer nach Ma­li ver­legt wer­den und die La­ge si­chern, be­vor Auf­klä­rungs­kräf­te, ver­mut­lich im Mai, in grö­ße­rer Zahl hin­zu­kom­men. Ins­ge­samt wer­den dann statt bis­lang 150 bis zu 650 deut­sche Sol­da­ten in Ma­li ein­ge­setzt wer­den.

Die 500 zu­sätz­li­chen Kräf­te wer­den zum größ­ten Teil in Ma­li ope­rie­ren. Von den üb­ri­gen 150 sind schon der­zeit nur zehn vor Ort. Der Rest war für den Luft­trans­port und die Luft­be­tan­kung vor­ge­se­hen und un­ter­stütz­te auf Dis­tanz den Kampf­ein­satz der Fran­zo­sen. Es bleibt frag­lich, ob die Ver­ein­ten Na­tio­nen die­se Kom­po­nen­te auf ab­seh­ba­re Zeit wie­der ab­ru­fen.

„Un­ser Ein­satz wird mehr dem äh­neln, was in Af­gha­nis­tan un­ser Auf­trag war: Er­kun­dung am Bo­den ge­mein­sam mit ma­li­schen und an­de­ren in­ter­na­tio­na­len Kräf­ten“, lau­tet Hardts Um­schrei­bung. Das Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um hebt her­vor, dass es an­ders als zu Isaf-Zei­ten in Af­gha­nis­tan in Ma­li kei­nen Kampf­ein­satz ge­ben wer­de. Die „ro­bus­te“Aus­ge­stal­tung be­zie­he sich vor al­lem auf den Ei­gen­schutz. Man wer­de sich ge­gen Spreng­fal­len und an­de­re mög­li­che An­schlä­ge wapp­nen, und des­halb sol­len die Sol­da­ten per­sön­lich und auch ih­re Fahr­zeu­ge be­son­ders ge­schützt sein. Zu­dem sol­len auch 20 deut­sche Po­li­zis­ten Mi­nus­ma wei­ter­hin un­ter­stüt­zen.

FOTO: DPA

Be­reits seit 2013 bil­det die Bun­des­wehr in Ma­li Sol­da­ten aus. Die­ses Bild ent­stand im ver­gan­ge­nen Jahr.

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